Sechsundzwanzig – Wanderung auf Mount Olympus


Unser Sonnensystem ist spektakulär. Heute schaue ich mir ein paar besonders interessante Superlativen an…

http://www.zeit.de/2010/31/IG-Extreme
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Solar_System

Reise durch unser Solarsystem in 3D: http://www.solarsystemscope.com/
Schau Dir die Discovery von innen an: http://360vr.com/2012/02/16/discovery-flight-deck_2193/

Musik: http://www.bensound.com/royalty-free-music/track/sci-fi
Bild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c3/Solar_sys8.jpg

 

#026 – Sechsundzwanzig – Wanderung auf Mount Olympus

Wir schreiben das Jahr 2126 und nichts ist so gekommen, wie wir 2015 dachten. Die Einführung des selbstfahrenden Autos, der autonomen Einkaufstüte und des vollautomatischen Duschroboters setzten enormes kreatives Potenzial frei, dass für die Lösung der großen globalen Herausforderungen genutzt werden konnte. Als die globale Gemeinschaft 2082 beschlossen hatte, Arbeit, Geld, Hunger, soziale Ungerechtigkeit und Kabelfernsehen endgültig abzuschaffen, erlebte durch die neugewonnene Freizeit das Rollenspiel und die Tourismusbranche einen ungeahnten Boom.

Reisen durch das Sonnensystem oder Wellnessaufenthalte auf einem der vielen Freizeitresorts wurde für den gelangweilten Ehrenbürger zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung.

Hier also meine kleine Auswahl der touristischen Highlights unseres Sonnensystems:

Fangen wir bei einem blauen Planeten an und ich rede da nicht von der Erde, sondern die Rede ist von Neptun. Neptun ist von den großen Planeten in unserem Sonnensystem der kälteste. Von der Sonneneinstrahlung bekommt er mit am wenigsten Energie. Trotzdem gibt es auf Neptun Rekordwetter, und zwar speziell Rekordwinde. Nirgendwo sonst im Sonnensystem wurden so schnelle Windgeschwindigkeiten gemessen wie da. Die Rede ist von um die 2.160 km/h. Das sind Böen deutlich jenseits allen Skalen, die wir auf der Erde kennen.

Neptun ist übrigens nicht fest, das heißt, er hat keine Oberfläche, die diese Winde bremsen könnte und deswegen blasen die völlig ungebremst auf dieser Planetenoberfläche. Neptun ist aber längst nicht der einzige Planet mit extremen Wetterbedingungen – nein!

Der nächste, dem wir uns zuwenden können ist Saturn. Blitze auf Saturn sind mehr als eine Millionen mal so heftig und energiegeladen, wie auf der Erde und erzeugen ein Knistern, dass wir in der Mittelwelle hören können. Je stärker der Blitz, desto heftiger auch das jeweilige Knistern, das wir hören.

Wenn wir schon bei Saturn sind, können wir uns auch gleich zu einem Unikum wenden, nämlich dem unrundesten Mond im Sonnensystem. Er ist vermutlich durch eine Kollision entstanden und taumelt recht ungelenk durch die Gegend. Es war auch der erste nicht runde Mond, den Astronomen überhaupt gefunden haben. Er heißt Hyperium und der Name stammt von einer griechischen Titanengottheit, nämlich dem Gott der Wachsamkeit und Aufmerksamkeit.

Fliegen wir weiter und kommen wir bei der Venus vorbei. Venus ist näher an der Sonne als wir und damit ist es dort natürlich heißer. Und deswegen ist auf der Venus auch die heißeste Wüste im Sonnensystem zu finden mit ungefähr 460 Grad Celsius. Das ist heiß genug, um Blei zu schmelzen. Die gesamte Venus ist eine einzige Wüste, eingehüllt in Schwaden von Schwefelsäure und der Boden ist staubtrocken, die Pole kaum kühler – alles in allem kein Platz, wo man sich aufhalten möchte und schon gar nicht das feuchte Klima das Science Fiction Autoren früher auf der Venus immer vermutet haben.

Du merkst schon, das Wetter ist einer der großen dramatischen Unterschiede, die wir finden, wenn wir uns in unserem Sonnensystem umschauen und in dem Sinne machen wir einfach mal weiter beim Jupiter.

Der Jupiter hat dieses große Auge. Und dieses große Auge ist nichts anderes als ein gigantischer Wirbelsturm. Dieser Wirbelsturm wird von Astronomen inzwischen schon seit über 130 Jahren beobachtet und besteht die gesamte Zeit. Das allein qualifiziert den Wirbelsturm auch schon als den langlebigsten Wirbelsturm, den wir kennen. Wirbelstürme verbindgen wir ja gedanklich wenigstens mit guter Luft. Das ist eine Eigenschaft, die man einem der Jupitermonde, nämlich Io garantiert nicht nachsagen kann.

Auf Io wurde nämlich als Bestandteil der Atmosphäre Schwefelwasserstoff nachgewiesen und das ist genau der Stoff, der nach faulen Eiern riecht. Wir haben also einen gigantischen Felsbrocken im Sonnensystem, der, würde man an ihm riechen, einfach nur zum Himmel nach faulen Eiern stinken würde. Na, Mahlzeit!

Deutlich sympathischer ist mir da ein anderer Jupitermond, nämlich Europa. Europa ist einer der wenigen Orte im Sonnensystem, bei dem vermutet wird, dass Bedingungen herrschen, unter denen Leben entstanden sein könnte. Denn Europa hat einen warmen Kern und einen gigantischen durchgehenden Salzwasserozean, der oben von einer Eisdecke abgeschlossen wird.

Wissenschaftler vermuten, dass in diesem Salzwasserozean womöglich Bedingungen herrschen, in denen Leben entstanden sein könnte und ich finde, es wird mal Zeit, dass wir auch dort irgendwann mal eine Sonde landen, die einfach mal nachschaut.

Andere nennenswerten Superlativen im Sonnensystem könnten Dinge sein, wie die größten Tornados, die man auf dem Mars finden kann. Dort in Höhen, die höher sind als das irdische Himalaya. Der härteste Hagel, den auf Uranus der Besucher erfahren könnte oder Titan, der so eine Art intergalaktische Tankstelle werden könnte, da es auf ihm Flüsse, Seen und andere Rinnsale bestehen aus flüssigem Methan und Erdgas gibt. Der größte bekannte See des Titans soll mehr flüssiges Kohlenwasserstoff haben, als alle Ölreserven der Erde zusammengenommen.

Und wenn dann der Tourist der Zukunft vielleicht eher so der wandernde Typ ist, mit Lust auf Bergpanorama und spektakulären Landschaften mit Weitblick, dann empfehle ich einen Stopp nochmal beim Mars einzulegen und eine Wanderung auf Mount Olympus anzustreben – dem mit 26 km höchsten Berg des Sonnensystems. Vermutlich ein erloschener Vulkan. Ganz genau weiß man das nicht. Und mit 600 km Durchmesser durch und durch beeindruckend, was seine Dimensionen angeht.

Wenn nicht gerade Staubsturm ist, wäre das jedenfalls mein Ziel. Wanderung am Mount Olympus. Vielleicht nicht bis ganz rauf zum Gipfel, aber wenn ein paar Hütten an guten Positionen sind, sodass man Pause machen kann und Kaiserschmarrn, Reibedachi und a zünftige Maß Bier zu sich nehmen kann, könnte ich mich überreden lassen. Spannend ist unser Sonnensystem allemal und bereisenswert, wenn wir das irgendwann mal schaffen. In diesem Sinne – bis bald.

1 comment for “Sechsundzwanzig – Wanderung auf Mount Olympus

  1. September 28, 2015 at 11:35 am

    Wiedermal eine schöne neue Folge und immer rechtzeitig zum ersten Kaffee im Büro online 😉 Vielen Dank und liebe Grüße aus dem Süden … KB

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