Winter in Wien 337 Prozent heißer als sonst!


Statistik ist schwer zu verstehen und wird oft mißbraucht um dramatisch klingende Schlagzeilen zu formulieren.

Lügen mit Statistik:

http://www.rwi-essen.de/unstatistik/52/

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#337 – Winter in Wien 337 Prozent heißer als sonst!

Das RWI Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung hat auf seiner Webseite eine Blogrubrik, die ist wie geschaffen für den Anerzählt. Nämlich die Unstatistik des Tages. In dieser Blogrubrik, da werden immer wieder mal absurde, bescheuerte oder schlicht falsche Zahlen, die durch die Presse gehen, aufgegriffen, kurz erklärt und auseinandergepflückt. Und am 17.02.2016 ging es da – wie soll es anders sein – um die 337. Und was die 337 mit Schneekanonen zu tun hat. Nämlich eigentlich nicht so wirklich viel.

Es ging im Kern darum, dass in Österreich der wärmste Winter aller Zeiten gemessen worden war, am 7. Februar. So vermeldete das Wetterportal wetter.at. Und das wäre die Erklärung dafür, dass zum Beispiel Schneekanonen nicht mehr funktionieren würden etc. Und wie sich das so gehört, wurde bei dem Artikel auch gleich noch ein Experte hinzugezogen und der klärte auf. Schuld ist nämlich – natürlich – die Klimaerwärmung. Ja, vielleicht schon. Und zwar speziell der Ausstoß von Treibhausgasen, die die Klimaerwärmung beschleunigen und drum wäre es einfach viel zu warm.

Jetzt dachte sich der Journalist, der diesen Artikel geschrieben hat “Es ist einfach viel zu warm”, das ist irgendwie nicht dramatisch genug. Drum hat er gefragt “Wie viel zu warm ist denn jetzt nun viel zu warm?” Dann hat dieser Experte eben erklärt “Naja, das muss man sich so vorstellen: Die übliche Durchschnittstemperatur in Wien im Januar wäre eigentlich bei 0,8 Grad”. “Hm, hm” sagt der Journalist und schreibt das auf. Und dieses Jahr, dieses Jahr wäre es viel zu warm gewesen. “Äh ja, da waren wir schon”, murmelt der Journalist, “was heißt denn das jetzt nun in Zahlen?” Und da sagt der Experte nach einer dramatischen Pause “3,5 Grad”.

Das ist nämlich auch ein wirklich beachtlicher Anstieg, nämlich ein Anstieg um 2,7 Grad. Nur, ehrlich gesagt: In so einem Artikel, der allen erklären soll, wie dramatisch es ist, da klingen jetzt 2,7 Grad doch irgendwie nicht dramatisch genug. Damit rüttelt man doch niemanden auf und den Artikel kriegt man so auch nicht veröffentlicht. Und so richtig viele Klicks kommen damit auch nicht rein.

Aber unser Journalist ist Profi. Unser Journalist kann rechnen und unser Journalist, der weiß vor allen Dingen auch, dass wir Menschen mit Statistik und mit Zahlen und mit Prozentangaben überhaupt nichts anfangen können, aber große Zahlen haben eine dramatische Wirkung. Deswegen mal flux nachgerechnet und eine Zahl auf’s Papier gekritzelt. Und so informiert uns der dramatische Artikel von wetter.at, der dann doch in den bescheidenen Rahmen eine etwas größere Reise gezogen hat und auch woanders weiter zitiert wurde, dass der Januar den seit Beginn der Wetteraufzeichnung absoluten Wärmerekord hingelegt hatte und 337 % wärmer als ein durchschnittlicher Januar gewesen war.

Und jetzt kann natürlich sein, dass Du Dir vielleicht denkst “Ja, aber 2,7 Grad Anstieg. Das ist ja trotzdem echt ‘ne Menge! Und 337% – das ist doch dramatisch, oder Dirk?” – Stimmt schon. aber relative Zahlen, die sind relativ. Nehmen wir doch mal für einen Moment an, unsere österreichischen Freunde messen nicht in Celsius, sondern die würden in Fahrenheit messen. Dann wäre es so gewesen, dass der Temperaturanstieg 4,9 Grad ausmachen würde, nämlich von 33,4 auf 38,3 Grad Fahrenheit. Und da, da klingt dann auch diese relative Prozentangabe nicht mehr dramatisch. Wir hätten nämlich nur noch 15% Temperaturanstieg zu vermelden.

Was ich jedenfalls aus diesen 337 % lerne ist: Vorsicht bei Prozentangaben. Vorsicht bei besonders großen Angaben und vorsicht vor Zahlen, die von Journalisten im Mund geführt werden. Die wissen nämlich in aller Regel nicht, wie man mit diesen Zahlen wirklich umgeht und wie man sie deutet.

Und zu guter Letzt: Wenn man eine große relative Zahl vor sich hat, da lohnt es manchmal einfach sich nochmal grade die absolute Zahl anzugucken, damit man so wenigstens einigermaßen einschätzen kann, wovon die Rede ist.

Bis bald.

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