Zwölf – Gehirnnerven


Unser Gehirn ist ein Wunderwerk, reden wir darüber. Insbesondere will ich mich heute mit den 12 Hirnnerven beschäftigen und wofür wir sie brauchen.

 

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#012 – Zwölf – Gehirnnerven

Ja, wir Podcaster wissen ja eigentlich im Allgemeinen nichts über unsere Hörer, außer natürlich, dass die außergewönlich intelligent, hoch gebildet, gut aussehen, interessiert und umfassend aktiv sind. Aber ansonsten fast nichts. Einige der Dinge, die ich aber ganz zweifelsfrei feststellen kann ist: Alle meine Podcasthörer sind im Besitz eines funktionierenden Gehirns. Und das will was heißen!

Nicht jedes Wesen auf diesem Planeten hat ein funktionierendes Gehirn. Wir haben alle mal als Einzeller angefangen und Einzeller hatten noch nichtmal ein Vorne oder ein Hinten. Und so genau hat auch tatsächlich die Bildung eines Gehirns irgendwann mal angefangen.

Es war nämlich so, dass in der Evolution sich eine Richtung herausbildete. Lebewesen fingen an eine Vorder- und eine Rückseite zu entwickeln. Eine Seite, in der sie Nahrung aufnehmen und eine Seite, in der sie Nahrung wieder ausschieden. Eine Seite, an der keine Fortbewegung stattfand und eine Seite, an der der Antrieb angebracht war. Sich zu bewegen, war schon mal ziemlich cool, denn das erhöhte die Wahrscheinlichkeit in Futter zu schwimmen, gegenüber den einfach nur herumtreibenden Artgenossen in Norm. Noch besser: Wenn man auch tatsächlich eine Richtung vorgeben konnte, die wahrscheinlich Richtung Futter führte. Das war die Quelle der ersten Sinnesorgane: Wahrnehmungsorgane, die zum Beispiel Lichtreize wahrnehmen konnten oder bestimmte Geschmäcker und Gerüche wahrnehmen konnten.

Da die Fortbewegung meistens an einem Ende des Lebenwesens stattfand, machte es Sinn, dass die Wahrnehmung an dem anderen Ende des Lebewesens stattfand, um die Richtung auch etwas gezielter vorgeben zu können. Es fingen also an sich Zellen herauszubilden, die speziell der Wahrnehmung und Informationsübermittlung dienten und das von einem speziellen Ende des Lebenwesens aus taten. Vorne eben oder oben, je nachdem wie man es nennen möchte.

Über die Jahrtausende hinweg wurden das immer mehr und so bildete sich ein Nervenknoten. Das war die Geburtsstunde dessen, was wir heute als Gehirn kennen. Ich bin ja Fan. Fan von Gehirnen. Fan von Psychologie. Fan von unserem Denkapparat. Das ist auch der Grund, warum ich Psychologie studiere und warum ich ein Plastikgehirnmodell im Schrank liegen habe. Wir nenne es Norbert.

Und ich finde, das Gehirn ist in sich gesehen eine Sammlung von Superlativen. Zum Beispiel, wenn man weiß, dass wir um die 100 Milliarden Gehirnzellen haben. Eine unglaubliche Anzahl! Und diese 100 Milliarden Gehirnzellen, die, würde man sie aneinanderreihen und alle Nervenenden, die zwischen ihnen verlaufen ebenso, würden eine Gesamtlänge von etwa 100 Kilometern Länge annehmen.

Ich finde auch diese Vorstellung immer wieder faszinierend, dass wir Menschen ja eigentlich eine Art Exoskelett für unsere Gehirne sind. Das heißt, wir haben ein denkendes Organ im Kopf und damit dieses Organ seine Umgebung wahrnehmen kann und mit anderen Gehirnen interagieren, braucht es den kompletten Organismus mit all seinen Funktionen und Sinnesorganen. Creepy irgendwie, gell?

Unser Gehirn an sich ist eine recht wässrige Angelegenheit. Es selbst besteht zu ungefähr 85% aus Wasser und ist damit wässriger als der Großteil unseres restlichen Körpers, der so im Mittel irgendwas um die 65% bis 67% Wasseranteil hat. Und der Wasserhaushalt innerhalb des Gehirns ist auch einigermaßen konstant.

Täglich strömen ungefähr 1.200 Liter Blut durch unser Gehirn und es werden fast 75 Liter reiner Sauerstoff angeliefert. Das Gehirn wiegt dabei ungefähr 1,5 Kilogramm und der Teil, der uns am Präsentesten ist, also unsere Fähigkeit bewusst nachzudenken, zu planen, alles was wir als höhere Funktionen des Gehirns wahrnehmen, ist tatsächlich ein minimaler Anteil der Gesamttätigkeit und Gesamtfähigkeit des Gehirns. Das alles wird nämlich von den grauen Zellen der Hirnrinde, speziell der vorderen Hirnrinde übernommen und die ist ungefähr drei oder vier Millimeter dick. Das ist auch das, was man sozusagen sieht, wenn man auf’s Gehirn schaut, diese gesamten Runzeln.

In der Medizingeschichte sind ja schon so manche Dinge mit Gehirnen gemacht und probiert und auch versehentlich durchgeführt worden. Beispielsweise weiß man, dass man Gehirne in der Mitte durchtrennen kann. Es gibt einen verbindenden Nervenstrang zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte und der kann durchtrennt werden. Das hat man in der Tat öfters gemacht, um sehr, sehr schwere Fälle von Epilepsie in den Griff zu bekommen. Und dann erzeugt man praktisch zwei Gehirne.

Es ist tatsächlich so, dass Menschen, die diese Operation hinter sich gebracht haben, zunächst mal ganz normal scheinen. Tatsächlich kann man aber durch Experimente nachweisen, dass die Fähigkeiten, die die linke Gehirnhälfte exklusiv ausführt, oder die rechte Gehirnhälfte exklusiv ausführt, tatsächlich auch immernoch nur von der jeweiligen Hälfte durchgeführt wird. Man nennt diese Patienten Split Brain Patienten und die Forschung für diesen Bereich an sich ist schon völlig faszinierend.

Der Grund, warum ich in Episode Zwölf über das Gehirn rede, ist aber ein anderer. Und zwar ist es normalerweise, wenn man sich die Anatomie des Gehirns anschaut ja so, dass das Gehirn selbst im Hirnstamm in das Rückenmark mündet. Das heißt, ein durchgehender Nervenstrang, der dann die Wirbelsäule hinabläuft und an verschiedenen Stellen des Körpers paarweise in Nerven auszweigt. Das ist auch der Grund, warum wir die Kontrolle über unseren Körper verlieren, wenn irgendwo am Rückenmark die Leitung – nennen wir es mal so – durchtrennt wird.

Es gibt aber zwölf besondere Nervenpaare, die auch vom Hirnstamm abzweigen und eben nicht in das Rückenmark münden. Und die sind die sogenannten Hirnnerven. Die Hirnnerven führen zu verschiedenen elementaren Teilen unseres Wahrnehmungs- und Kontrollapparates. Beispielsweise gehören dazu die Nerven für die Ohren. Und die Nerven, die zu den Augen führen. Und der große Gesichtsnerv, bekannt als der Trigenimusnerv. Diese Hirnnerven sind benannt nach der Reihenfolge, in der man sie antrifft. Sie sind also praktisch durchnummeriert und sind für jeweils unterschiedliche Bereiche unserer meistens Kopfanatomie zuständig. Die Hirnnerven sind wie folgt aufgeteilt:

Der Einser ist zuständig für’s Riechen.

Der zweier für’s Sehen.

Drei bis sechs steuert neben der Augenbewegung und der Pupillenmotorik die Sensibilität des Gesichts – alles was irgendwo mit Wahrnehmungen, Empfindungen, Gesicht zu tun hat.

Nummer sieben ist zuständig für die Mimik.

Acht: Hören und Gleichgewicht.

Neun: Schlucken.

Zehn: Parasympathikus, Stirnritzenöffnung – ohne den können wir nicht sprechen und auch viele Schluck- und Atemfertigkeiten nicht ausführen.

Elf ist für die Kopfdrehung und für die Schulterhebung zuständig und die

Zwölf für die Zungenbewegung.

Diese zwölf Hirnnerven sind paarweise angelegt, also auf der linken und der rechten Seite abzweigend vom Gehirn. Und sie gehen direkt ins Gehirn. Deswegen sind Entzündungen dieser Nerven auch unglaublich schmerzhaft und problematisch. Bis auf den einen Nerv, den Nervus Vagus, das ist der, der den Parasympathikus und die Stirnritzenöffnung steuert, sind auch alle im Kopfbereich.

Zum Abschluss bleibt noch zu sagen: Eigentlich wissen wir noch verdammt wenig über das Gehirn. Zwar schieben wir momentan Menschen dauert in MRTs und CRTs und versuchen, ihre Gehirne bei allen möglichen Tätigkeiten zu untersuchen und wir können inzwischen Auflösungen von zwei, drei Millimetern Würfelkantenlänge produzieren, aber man muss sich bei dieser unglaublichen Anzahl von Neuronen vor Augen führen, dass jeder einzelne dieser Würfel immernoch tausende von Neuronen Nervenzellen enthält und wir so oft keine wirkliche Ahnung haben, wie diese Prozesse genau zustandekommen.

Forscher wie Ray Kurzweil, die als Vision haben, irgendwann den menschlichen Geist in Computern abbilden zu können, sagen auch: Das muss man vielleicht gar nicht im Detail verstanden haben. Es reicht eine funktionale Abbildung.

Aber Tatsache ist, dass jedes einzelne Gehirn, das wir heute antreffen, in seiner Komplexität immernoch weit über dem ist, was wir mit heutigen Mitteln tatsächlich vollständig erfassen können. Wahnsinnig beeindruckend und super interessant und eben eine würdige Episode zwölf. Nicht nur wegen der zwölf Hirnnerven.

Bis morgen.

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