218 Milliardäre im Parlament =^_^=

Irgendwie ist es bei uns ja peinlich besetzt als Politiker richtig Geld zu verdienen.
Das ist in China anscheinend anders, denn da gibt es gleich 218 Milliardäre im Parlament.

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#218 – 218 Milliardäre im Parlament

Es ist erstaunlich, wie schwer herauszufinden ist, wie viele Millionäre es denn jetzt nun im Bundestag gibt. Zwar müssen Nebeneinkünfte inzwischen offengelegt werden und zum Glück findet man auch einen interaktiven Monitor auf der FAZ-Seite, aber es ist in Deutschland nicht ganz so salonfähig über seine gesamten Einkommen zu sprechen und die sind auch nicht so einfach zusammen zu tragen und zu analysieren.

Was ich immer schon recht anstrengend bei uns fand, war die immer mal wieder aufflammende Neidkampagne, die es da gab. “Politiker bekommen so viel Diäten. Die sind Gierig, haben doch alle einen Dienstwagen und das sollte denen gar nicht zustehen.” Dieses Denken, das daraus stammt, dass man annimmt, selber nicht so richtig gut gestellt zu werden und die Politiker bedienen sich einfach nur.

Dabei finde ich ehrlich gesagt, gemessen an der Verantwortung, die unsere Top-Politiker zum Teil tragen, deren Gehälter fast schon lächerlich. Nehmen wir mal Angela Merkel. Angela Merkel erhält inklusive Amtsbezüge und Diäten um die 270.000 Euro im Jahr. Klar ist das eine Menge Geld. Logisch kann man mit 270.000 Euro im Jahr verdammt viele Wünsche erfüllen und gehört zu einer absolut privilegierten Klasse. Aber: In der freien Wirtschaft verdient jeder Geschäftsführer mehr. Und die anderen Staatschefs mit denen wir es so zu tun haben. Die verdienen zum Teil auch einiges mehr.

Singapurs Prämierminister zum Beispiel. Der bezieht pro Jahr 2 Mio. Dollar. Auch im US-Kongress sitzen eine Menge Millionäre. Speziell in den USA fällt eigentlich eher auf, dass keine Milliardäre oder wenige Milliardäre in der Politik beteiligt sind. Das fiel mir erst bei Trump so richtig auf.

Recherchiert man jedenfalls nach deutschen Politikern nach 6-stelligen oder 7-stelligen Gehalt, stellt man schnell fest: Eigentlich, wenn es mal die Million überschreitet, ist das eine Ausnahme. Die meisten Politiker in hochrangigen Positionen haben als Nebeneinkunft ein 6-stelliges Zusatzeinkommen. Meistens erzielt über entweder einem Betrieb, den sie noch haben, zusätzliche Unternehmungen; es gibt ein paar sehr erfolgreiche Anwaltskanzleien, die betrieben werden usw. Da kommen zum Teil Zahlen zusammen, die verdient Hillary Clinton mit einzelnen Reden.

So weiß man zum Beispiel, dass die gute Hillary im letzten Jahr über 6,5 Mio. US-Dollar mit Reden verdient hat. Vorträge. Und wir gönnen unseren Entwicklern ihre Diäten nicht.

Naja, jedenfalls, um mal den Bogen zu spannen: Es gibt Kulturen, in denen ist es akzeptierter oder weniger akzeptiert, mit viel Geld Politik zu machen. In den USA scheint es so mittel akzeptiert zu sein. Trump ist, obwohl es in den USA ja sehr viele erfolgreiche Unternehmer gibt, eine gewisse Ausnahme, denn die meisten von denen, versuchen eigentlich nicht unbedingt in hohe Ämter zu kommen.

Aber ein Land, in dem es anscheinend viel öfter vorkommt, das haben wir noch überhaupt nicht angesprochen. Das wäre nämlich China und auch gleichzeitig der Anlass für die heutige Episode. Im chinesischen Parlament sitzen nämlich 218 nicht Millionäre, sondern Milliardäre. Und ich meine damit nicht Yen-Milliardäre, sondern Dollar-Milliardäre.

Nirgendswo auf der Welt gibt es Menschen, die so schnell reich werden, wie zurzeit in China. Das sind dann zum Teil Internetunternehmer, wie zum Beispiel der 45-jährige Geschäftsführer von Alibaba oder Unternehmen in der Hightech-Branche allgemein, die zum Beispiel Telefon Headsets bauen etc. Und in China gehört es anscheinend zum guten Ton, dass die Top Reichen sich eben auch in der Politik engagieren und einbringen.

Jetzt ist natürlich das chinesische Parlament mit seinen 5.000 Abgeordneten etwas größer, aber nichtsdestotrotz ist das, finde ich, trotzdem bemerkenswert, diese geballte Finanzkraft dort in der Politik zu sehen. Zum Vergleich: Unser Bundeshaushalt im Jahr 2016 hat 316,9 Milliarden Euro Volumen. Das stecken die Milliardäre im chinesischen Parlament mal eben so in die Tasche.

Bis bald.

2 Kommentare

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Guten Tag,

der Satz: „gemessen an der Verantwortung, die unsere Top-Politiker zum Teil tragen, deren Gehälter fast schon lächerlich“, ist leider nur dann wahr oder ausschlaggebend, wenn Politiker auch Verantwortung übernehmen würden, was sie leider nicht tun. Auch das Argument „in der freien Wirtschaft würde man mehr verdienen“ hinkt gewaltig. Bei der zur Schau getragenen Unfähigkeit von vielen „Spitzenpolitikern“, ohne echte Berufserfahrung, muss man leider konstatieren, dass die Personen in der freien Wirtschaft nicht über eine Sachbearbeiter Posten hinauskommen würden und somit weit weniger verdienen. Was die Menschen übrigens am meisten aufregt ist, dass viele Politiker Hammer-Diäten einstreichen und dann noch nicht einmal Vollzeit in der Politik arbeiten, sondern Nebentätigkeiten nachgehen und diese nicht gegenrechnen. Noch schlimmer sind nur die, die durch ihr politisches Amt auch noch „privat“ profitieren. Gerne als Lobbyismus oder Beratertätigkeit umschrieben, aber eigentlich simple Korruption und Vorteilsnahme.
Namen und Beispiele gingen in den letzten Monaten zu Hauf durch die Presse.
Wie sagte schon Helmut Schmidt: „In der Krise zeigt sicher der Charakter“. Traurig aber wahr, der stellt sich in der deutschen Politik und Wirtschaft leider als sehr schlecht heraus und egoistisches Handeln und Selbstbedienung ist leider an der Tagesordnung.

Hallo Jan,

ich glaube du beurteilst die Politiker:innen nicht fair. Erstens sind die in der Regel nicht dafür da um Sachexperten zu sein (dafür haben die ausgebaute Beraterstäbe und Expertengruppen), sie sind dafür da um politischen Willen zu erarbeiten und Themen entscheidungsfähig zu machen. An vielen Amtsträgern wird von vielen Seiten gezerrt und die müssen das politisch machbare genauso im Blick haben wie sich wiedersprechende Interessen. Davon abgesehen gibt es für jede Entscheidung die Politiker auf den Weg bringen zu gleichen Teilen Leute die diese Entscheidungen für das Allerletzte und solche die dieselben Maßnahmen für verspätet aber notwendig erachten. Man kann in dem Job nur verlieren.

Wenn ich aber einfach mal die Situation unseres Landes mit der Situation in anderen Ländern vergleiche dann scheint es mir im Großen und Ganzen nicht so zu sein als wäre unser politische Apparat so unfähig wie oft behauptet, eher im Gegenteil. Wenn nun Themen wie die aufziehende Klimakatastrophe nicht ausreichend bekämpft werden dann liegt das eben nicht nur an den Leuten in den Positionen sondern an uns allen und dem System selbst mitbegründet. Es ist so einfach immer laut „die sind alle korrupt und inkompetent!“ zu schreien und dabei zu übersehen dass wir es ihnen nicht gerade leicht machen. Nehmen wir die Corona-Situation als Beispiel: Würde die Bevölkerung auf Wissenschaftler hören, sich von allein impfen lassen und Masken tragen wäre einiges gewonnen. Statt dessen hören 30% auf die Bildzeitung, die nächsten 30% denken sich „mir egal, ich will in Urlaub“ und die restlichen schreien die Politik sollte endlich mal was tun, vergessen dabei aber dass wir nun mal in einer Demokratie leben in der die 60% eben auch Einfluss bekommen und effektiv verhindern dass schneller und durchgreifender gehandelt werden kann… And on and on and on…
All das schreibe ich nicht um zu bestreiten dass es korrupte oder dumme Politiker gibt, aber unser System ist zumindest auch keine Einladung dafür brilliantere Köpfe an die Macht zu bringen und auch das liegt am Einkommen gepaart mit der Tatsache dass Du Dich als Politiker*in freiwillig in eine Situation begibst in der Du nur Bruchteile der Dinge die Du für richtig hältst umsetzen kannst dafür aber von allen möglichen Nichtwissern angepöbelt wirst wie unfähig du doch wärst. Also ich würde den Job nicht mal machen wenn man da doppelt so viel verdienen könnte aus genau diesen Gründen…

viele Grüße,
Dirk

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