270 Stimmen bis zum Weißen Haus


270 Stimmen des Electoral College brauchen Clinton oder Trump um ins Weiße Haus einzuziehen… Aber wie funktioniert das eigentlich genau?

http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-11/usa-wahl-wahlsystem#wann%20w%C3%A4hlen
http://www.270towin.com/

 

Bild: By Krassotkin (derivative), Gage Skidmore (Donald Trump), Gage Skidmore (Hillary Clinton) – Derivative work of File:Donald Trump by Gage Skidmore 3.jpg (CC-BY-SA 3.0) and File:Hillary Clinton (24037852830).jpg (CC-BY-SA 2.0), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47274338

 

#270 – 270 Stimmen bis zum Weißen Haus

Am 8. November 2016 ist in den USA Präsidentschaftswahl. Und wer nicht gerade unter einem Stein gelebt hat in den letzten Monaten, der weiß, dass die Wahl dieses Jahr Geschichte schreiben wird. Und mal ganz egal, wie sie ausgehen wird: Entweder haben die Amerikaner danach eine Frau als Regierungsschefin. Das wäre dann auch ein erstes Mal. Die hatten noch nie eine Frau an der Spitze ihres Landes. Oder sie haben einen Populisten von beispielsloser Machart an der Macht, der die letzten Monate damit zugebracht hat, auch das letzte bisschen Respekt aus dem Präsidentschaftswahlkampf und der Kandidatur zu entfernen.

Ich muss ja sagen, ich verfolge das jetzt seit Monaten und bin völlig fassungslos, wie wenig Fakten eine Rolle spielen. Und wie offensichtlich das in diesem Wahlkampf wird. Trump lügt, er widerspricht sich selbst und er äußert sich zu Themen, von denen er ganz offensichtlich nicht den leisesten Schimmer hat und trotzdem sind seine Zustimmungswerte hoch und trotzdem hat er eine echte Chance auf das angeblich mächtigste Amt der Welt. Der interessante Effekt dabei ist, dass der Schaden jetzt angerichtet wird, nicht wenn er Präsident wird.

Wenn er denn wirklich Präsident werden sollte, ist es nämlich so, dass er noch nicht mal den viel zitierten Nuklearfall einfach mal so auslösen kann. Die Gründerväter der Vereinigten Staaten haben dann doch noch ein, zwei Sicherheitsvorkehrungen getroffen, die ihn im Endeffekt ausbremsbar machen werden. Der Schaden aber, den hat er angerichtet mit seinem Wahlkampf und würde er gewählt werden, hätte er ihn angerichtet mit der Tatsache, dass er gewählt wurde. Das Diskussionsniveau befindet sich sowieso schon im freien Fall. Jemand wie Trump sorgt dann noch dafür, dass Dinge plötzlich salonfähig werden in Diskussionen, die davor als undenkbar galten.

Aber zurück zum Thema: Die Wahl selber. Die wird nämlich entschieden durch die sogenannten Wahlmänner. Es ist nämlich mitnichten so, dass das amerikanische Volk den Präsidenten direkt wählt. Da gibt es eine Zwischenstufe.

Es ist nämlich so, dass bei den Wahlen in den einzelnen amerikanischen Bundesstaaten im Endeffekt bestimmt wird, wer denn die Wahlmänner sein werden, die später in sogenannanten Electoral College die eigentliche Präsidentschaftswahl durchführen. Die werden dann eben von den jeweiligen Parteien gestellt. Wieviele Wahlmänner das sind, das hängt von der Größe des Staates ab.

Californien etwa entsendet 55 Wahlmänner und Wahlfrauen. Delaware hingegen hat gerade mal drei. Jetzt ist es zwar so, dass diese Wahlmänner und Wahlfrauen im Grunde dann die eigentliche Präsidentschaftswahl durchführen, aber wie sie das machen, das ist zum Teil reglementiert.

Manche Bundesstaaten haben zum Beispiel die Regelung, dass alle Wahlmännerstimmen an den Präsidentschaftskandidaten gehen, der die meisten Stimmen in diesem Bundesstaat erhalten hatte. Das ist das sogenannte “The Winner takes it all – Prinzip”. In anderen Staaten wiederum werden die Wahlmänner und Wahlfrauen aufgeteilt, passend zu dem Wahlergebnis vor Ort. Dieses etwas seltsame System hat mehrere ganz wichtige Effekte: Zum einen interessieren sich Präsidentschaftskandidaten ganz grundsätzlich nur für die großen Staaten. Die kleineren Staaten sind vielleicht auch mal mit auf einer Besuchstour enthalten, aber im Grunde ist es viel wichtiger eben Californien zu gewinnen als Delaware.

Ja und dann ist es so, dass das “Winner takes it all – Prinzip” dafür sorgt, dass unter Umständen in absoluten Zahlen ein Kandidat plötzlich gewinnen kann, der eigentlich gar nicht von der Mehrheit des Volkes gewählt worden wäre. Aber eben trotzdem die Mehrheit der Stimmen der Wahlfrauen und Wahlmänner erhalten hat.

Im Grunde ist es also wie folgt: Eigentlich findet die Wahl zum Präsidenten 41 Tage nach dem offiziellen Wahltermin durch das Electoral College statt. Praktisch ist es aber so, dass die Regelungen in den einzelnen Bundesstaaten sehr genau vorgeben, wohin die Stimmen der Wahlfrauen und Wahlmänner denn gehen werden, sobald eben das Volk gewählt hat. Und dadurch weiß man im Grunde eigentlich direkt am Wahltag, am 8. November, ob wir nun einen Trump oder eine Clinton als US-Präsidentin oder US-Präsidenten haben werden. Je nach dem, wer eben nach der Wahlmathematik der USA mehr als 270 Stimmen auf sich sammeln konnte.

Bis bald.

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