3. Mose, Kapitel 18 – Verbot geschlechtlicher Verirrungen


Themenpate: @nacktimkopf

Die Bibel macht uns ja viele Vorschriften, besonders wenn es um das Thema Sex geht. Das 3. Buch Mose, Kapitel 18 beschäftigt sich da besonders mit dem Verbot geschlechtlicher Verirrungen. Heute nennt man die dort aufgezählten Tatbestände Inzest, Sodomie und Homosexualität.

Bild: Von Ehemals zugeschrieben an Lucas van Leyden – mechanical reproduction of 2D image, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=521

 

#318 – 3. Mose, Kapitel 18 – Verbot geschlechtlicher Verirrungen

Achtung! Heute geht es um Sex. Wirklich jetzt. Nicht nur so ein bisschen, sondern auch noch gleich um ein Tabu-Thema, nämlich um den unzüchtigen Sex. Und das wundert auch gar nicht, wenn man den Themenpaten der heutigen Sendung kennt oder die Themenpaten. Nämlich die Macher des Podcasts “Nackt im Kopf”. Der beschreibt sich selbst als Beziehungs-Podcast. Als lustvoller Beziehungs-Podcast und pflegt tabulose Gespräche zwischen ihr und ihm.

Der Hinweis für Episode 318 jedenfalls war, dass im 3. Buch Mose, Kapitel 18 das Verbot geschlechtlicher Verirrungen ausgeführt wird. Ich fand’s ja schon immer einigermaßen bizarr, dass Religion sich einmischen muss, was man denn im Bett miteinander treiben oder nicht treiben darf. Aber in dem besagten Absatz geht es eigentlich um noch viel mehr als das.

Wir würden heute sagen, dieser Absatz – 3. Buch Mose, Kapitel 18 – ist die Grundlage des sogenannten Inzest-Tabus. Und er fängt erstmal sehr typisch an:

Und der HERR redete mit Mose und sprach:  Rede mit den Kindern Israel und sprich zu ihnen: Ich bin der HERR, euer Gott.  Ihr sollt nicht tun nach den Werken des Landes Ägypten, darin ihr gewohnt habt, auch nicht nach den Werken des Landes Kanaan, darein ich euch führen will; ihr sollt auch nach ihrer Weise nicht halten; sondern nach meinen Rechten sollt ihr tun, und meine Satzungen sollt ihr halten, daß ihr darin wandelt; denn ich bin der HERR, euer Gott. Darum sollt ihr meine Satzungen halten und meine Rechte. Denn welcher Mensch dieselben tut, der wird dadurch leben; denn ich bin der HERR.

Hm. Jetzt ignorieren wir mal, dass er gleich dreimal feststellen muss, dass er der Herr und Gott ist und deswegen diese Regeln gelten. Das andere Interessante in dieser Präambel ist, dass anscheinend, die jetzt gleich folgenden Regeln anders sind, als das, was zur damaligen Zeit – zumindest mal angenommen von den Autoren des Buches – in Ägypten oder in Kanaan gelebt wurde. Denn da geht es jetzt ganz schön zur Sache.

“Niemand soll sich zu seiner nächsten Blutsfreundin tun, ihre Blöße aufzudecken; denn ich bin der HERR. 7 Du sollst deines Vaters und deiner Mutter Blöße nicht aufdecken; es ist deine Mutter, darum sollst du ihre Blöße nicht aufdecken. Du sollst deines Vaters Weibes Blöße nicht aufdecken; denn sie ist deines Vaters Blöße. Du sollst deiner Schwester Blöße, die deines Vaters oder deiner Mutter Tochter ist, daheim oder draußen geboren, nicht aufdecken.Du sollst die Blöße der Tochter deines Sohnes oder deiner Tochter nicht aufdecken; denn es ist deine Blöße.  Du sollst die Blöße der Tochter deines Vaters Weibes, die deinem Vater geboren ist und deine Schwester ist, nicht aufdecken. Do sollst die Blöße der Schwester deines Vaters nicht aufdecken; denn es ist deines Vaters nächste Blutsfreundin.”

Und so weiter, und so weiter, und sow weiter. Es geht also um Sex mit Verwandten und das wird hier noch eine ganze Weile lang ausgeführt. Es kommt auch noch Unzucht mit Tieren dazu und das Verbot mit Knaben zu legen. Und das ist vielleicht auch einer der Gründe, warum bis zum heutigen Tag Homosexuelle diskriminiert werden. Es sind schlicht biblische Vorstellungen, die es bis in die heutige Gesetzgebung geschafft haben.

Aber gehen wir mal zurück zum generellen Inzestverbot: Die Bibel listet übrigens Verstöße gegen praktisch alle Konstruktionen auf, die man aus den Verboten schaffen kann. Die bekannteste Geschichte sind die beiden Töchter Lots. Kurz zur Erinnerung: Lot ist der eine rechtschaffende Mann, der dem Untergang von Sodom und Gomorra entkommen durfte. Seine Frau erstarrte zur Salzsäule, als sie sich doch nochmal gerade umdrehte und so war er dann alleine mit seiner Familie, besonders mit seinen zwei Töchtern unterwegs.

Ja und die? Die machen ihren armen, armen Vater dann betrunken und schlafen mit ihm und lassen sich von ihm Söhne zeugen – Moab und Ben-Ami. Aber das ist nicht die einzige derartige Geschichte. Da gibt es zum Beispiel auch Abraham, der seine Halbschwester Sarae geheiratet hat. Jakob ist gleichzeitig mit Lea und Rachel verheiratet – das waren Schwestern. Juda hat Sex mit seiner Schwiegertochter. Ruben hat sexuellen Kontakt mit Bilha, das ist eine Nebenfrau seines Vaters. Amram heiratet Jochebed, die Schwester seines Vaters. Die gebärt dann Adam und Mose. Amnon vergewaltigt seine Schwester, die ihm dann vergeblich die Heirat vorschlägt, um so einer Schande zu entgehen. Absolon schläft mit einer Nebenfrau seines Vaters David und da würde ich das jetzt einfach mal gut sein lassen.

Halten wir fest: Schon allein nach den Geschichten der Bibel zu urteilen, kam Inzest in Israel wohl häufiger vor. Und wir wissen das natürlich von einer ganzen Reihe anderer Kulturen, wobei Inzest recht weit gefasst ist, als nämlich der Sex zwischen Verwandten ersten und zweiten Grades oder Verschwägerten. Und da wird es dann natürlich schon wieder schwierig. Denn in manchen Kulturen gehörte es sozusagen zum etablierten Brauch, dass beispielsweise der Bruder eines Mannes, dessen Witwe heiratete und so die Weiterführung der Blutlinie sicherte.

Und den Inzest zwischen Königshäusern, den kennen wir natürlich alle aus dem Geschichtsunterricht. Und die Diskussion rund um den Inzest, die ist schwierig. Denn das Thema ist nicht nur wegen seiner biblischen Verfolgung ein Tabu-Thema. Dabei gibt es aber eine ganze Reihe wirklich interessanter Fragen, denen man nachgehen könnte. Wenn man nämlich unter Inzest einmal den Sex zwischen Erwachsenen versteht und die Annahme trifft, dass selbige Erwachsene freiwillig – also ohne Zwang – miteinander Sex haben, dann stellt sich oft die Frage, auf welcher Grundlage dieser Sex denn bitte strafbar gemacht oder verfolgt werden soll.

Das meistgenannte Argument ist dann auch ein genetisches. Es sei nämlich so, dass beim Geschlechtsverkehr naher Verwandter eine größere Wahrscheinlichkeit bestehe, dass genetische Krankheiten vererbt würden. Die Kinder wären also unter Umständen in irgendeiner Form behindert, zurückgeblieben, beeinträchtigt.

Und in der Tat: Die Sache mit dem Risiko stimmt durchaus. Nahe Verwandte, die miteinander Nachwuchs zeugen, haben schlechtere Ausgangsbedingungen. Das heißt aber nicht, dass Kinder aus solchen Beziehungen zwangsweise behindert sein müssen. Und umgekehrt – was ist denn jetzt nun, wenn sich der Mann in dieser Beziehung zum Beispiel sterilisieren lassen würde? Erstens wäre das zumindest in Deutschland dann immer noch strafbar. Zweitens ist es natürlich auch problematisch eine Gesetzgebung zu schaffen, die Menschen dazu zwingt, sich sterilisieren zu lassen, um in einer Beziehung zu leben.

Oder drehen wir das Argument einfach mal um: Wenn in der Tat diese Sorge um die genetische Gesundheit der Nachkommen der Grund dafür ist, dass wir in Deutschland und in vielen, vielen anderen Ländern ein Inzestverbot haben, wie erklärt es sich dann, dass wir anderen Menschen nicht auch verbieten, Sex zu haben und ihre Gene weiterzugeben? Es gibt schließlich eine ganze Reihe vererbbarer Krankheiten, von denen wir wissen und es gibt dann auch Paarungen, bei denen sogar ein viel höheres Risiko von Missbildungen besteht, die trotzdem völlig legal Nachwuchs zeugen können.

Und bevor Du Dich jetzt aufregst: Ich sage nicht, das müsste anders sein. Ich sage auch nicht, es müsste Inzest erlaubt werden. Ich versuche jetzt hier im Moment gerade einfach mal auf diesen Widerspruch hinzuweisen, den es da in unseren Gesetzen gibt. Und der geht sogar noch eine ganze Ecke weiter. § 173 StGB regelt nämlich nur eins, nämlich den vaginalen Beischlaf zwischen engen Verwandten. Alle anderen Praktiken sind straffrei.

Und dann kommt noch etwas dazu, dass wir uns hier gerade mit etwas beschäftigen, was sowieso nur sehr selten vor den Gerichten landet und überhaupt auch nur sehr selten bekannt wird. Acht bis zwölf Fälle sind jedes Jahr vor Gerichten zu verhandeln. Das ist praktisch nichts. Jetzt kann man natürlich annehmen, dass es auch eine riesige Dunkelziffer gibt, denn was tabuisiert ist, wird natürlich auch selten zur Anzeige gebracht, aber auch so passiert es wahrscheinlich sehr, sehr selten.

Und da komme ich dann immer irgendwann an den Punkt, dass ich mir denke: Was erwachsene Menschen im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte gemeinsam beschließen zu tun, und dabei niemand anderes zu Schaden bringen, das sollte nicht Gegensatz von Gesetzen oder Tabus sein.

Bis bald.     

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