3,69 Tonnen Palmöl


Themenpate: Quatzelquirf

Ein Hektar Ölpalmen produzieren etwa 3,69 Tonnen Palmöl und damit rund 3x so viel Öl wie Raps. Weltweit ist Palmöl damit das wichtigste Öl, noch vor Sojaöl und Rapsöl. Leider zahlen wir dafür aber einen großen Preis.

Bild: By oneVillage Initiative – Jukwa Village Palm Oil Production, Ghana, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5616220

 

 

#369 – 3,69 Tonnen Palmöl

Ein Familienmitglied mit dem Decknamen Quatzelquirf ist heute Themenpate im Anerzählt und das macht mich ganz besonders extra stolz. Und besagtes Familienmitglied hat mir gesteckt, dass in seinem Erdkundebuch zu lesen steht, dass 1 Hektar Ölpalm pro Ernte 3,69 Tonnen Palmöl abgibt und das ist eine Menge Öl. Und es ist mehr Öl als zum Beispiel Raps produziert. Und wie wichtig Palmöl für uns ist, sieht man, wenn man in den Supermarkt marschiert. Dort findet man nämlich ungefähr in der Hälfte aller Lebensmittel in irgendeiner Form Palmöl.

Das meiste Palmöl kommt aus Malaysia und Indonesien. Die stemmen zusammen über 85% der Weltproduktion und das war, laut Wikipedia, 2007 ungefähr 93 Mio. Tonnen. Zwei Drittel dieser Produktion landet in unseren Nahrungsmitteln, aber natürlich kann man es auch für alles mögliche andere verwenden. Zum Beispiel auch um Wasch- und Reinigungsmittel herzustellen oder auch, um zum Beispiel Biodiesel herzustellen. Es ist also alles ganz großartig mit dem Palmöl.

Naja, wenn da nicht die Anbaugebiete wären. Denn diese Palmplantagen, aus denen dieses Öl gewonnen wird, die werden ja in Malaysia oder Indonesien hauptsächlich auf Gebiet gebaut, auf dem zuvor Regenwald gestanden hat. Das heißt, bis zu zwei Fußballfelder täglich werden abgeholzt, nur um dort dann eben Palmölplantagen aufzustellen.

Und dann, dann gibt es noch einen ethischen Faktor. Denn die Palmölplantagen sind nicht gerade bekannt für ihre besonders menschenfreundlichen Arbeitsbedingungen. Die einheimische Bevölkerung wird relativ oft zu niedrigst Löhnen dort angestellt und eigentlich wie Sklaven gehalten. Das heißt, wenn man sich ein Produkt mit Palmöl kauft, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man 1. am Raubbau am Regenwald mit beteiligt war und 2. auch noch mit unterstützt hat, dass Menschen unter unwürdigen Bedingungen arbeiten und eigentlich eher schuften müssen.

Und die Liste der beobachteten Probleme ist da wirklich lang. Zum Beispiel werden verschiedene Herbizide eingesetzt, die bekanntermaßen krebserregend sind und vor denen die Arbeiter unzureichend geschützt werden. Es wird von Kinderarbeit berichtet usw. Das ganze Programm.

Fassen wir also zusammen: Eigentlich klingt Palmöl nach einer super Idee. Die Ölpalme produziert eine Menge davon. Viel ertragreicher als zum Beispiel Raps und aus dem Öl der Ölpalme lässt sich alles mögliche produzieren, vom Biodiesel bis zur Margarine.

Der Nachteil wiederum ist: Die Länder, die am meisten am Palmöl verdienen, sind in der Regel wirtschaftlich schwache Länder und bauen ihr Palmöl dann auf ehemaligem Regenwaldgebiet an.

Der zweite Nachteil: Die Unternehmen, die ihr Geld mit Palmöl verdienen haben eine nicht gerade menschenfreundliche Unternehmerführung.

Dem kann man natürlich entgegenwirken. Das machen eine Menge Nichtregierungsorganisationen, unter anderem in Deutschland zum Beispiel Greenpeace oder Rettet den Regenwald und auch Regierungen beteiligen sich daran. So gibt es verschiedene Programme, in denen zum Beispiel Subventionen eingetauscht werden gegen andere Anbauformen oder in denen beispielsweise, wenn schon auf einer Fläche angebaut wird, dann dafür gesorgt wird, dass die Arbeitsbedingungen entsprechend sind. Dafür kann man nach Zertifikaten Ausschau halten.

Seit 2011 gibt es im Handel ein Siegel, das zeigt, dass der Hersteller des Palmöls eine Zertifizierung bekommen hat und dieser Zertifizierung zufolge eben entsprechend nachhaltig arbeitet. Das heißt dann zum Beispiel, dass für das Palmöl keine tropischen Regenwälder gerodet wurden oder Torfmoore trocken gelegt wurden. Es heißt auch, dass es unter Umständen eben ein bisschen bessere Arbeitsbedingungen gibt, aber es ist leider nicht ganz klar, ob man diesem Siegel so richtig trauen kann.

Zum Beispiel Rettet den Regenwald merkt an, dass zwar die Eigenwerbung von diesem RSPO Siegel von einer Vermeidung von Regenwaldrodung verspricht, aber in Wirklichkeit unter Umständen doch noch Rodungen stattfinden und vor allem der Klimaschutz eigentlich gar nicht berücksichtigt wird – ist halt leider kein Biosiegel im eigentlichen Sinne.

Aber, es geht zumindest etwas in die richtige Richtung. Aber wie so oft: Letztlich scheitert vieles dann am Geld. Solange wir als Verbraucher immer auf die günstigsten Produkte achten und uns eigentlich so Dinge wie Palmöl mal völlig egal sind, solange gibt es natürlich für Länder wie Malaysia einen massiven Anreiz, ihre ansonsten ja “nutzlosen” Flächen, auf denen Regenwald steht, für den Anbau zu nutzen. Und manchmal werden da dann auch uuups versehentlich ganze Waldstücke angezündet und abgebrannt. Das ist dann nicht nur verheerend für die ortsansässige Pflanzen- und Tierwelt, sondern bläst auch eine bemerkenswerte Menge an Schadstoffen in die Luft. Durch Brandrodung und andere Maßnahmen erzeugt eine durchschnittliche Palmplantage mehr Abgase, als 22.000 Autos im gleichen Zeitraum.

Und was können wir jetzt tun? Naja, beim nächsten Einkauf vielleicht einfach mal auf die Packung gucken. Es sind ja nicht 100% der Lebensmittel mit Palmöl, sondern eben nur rund die Hälfte. Und vielleicht – vieleicht ist die Margarine, die 20 Cent teurer ist, eine gute Option, wenn sie dafür ohne Palmöl kommt.

Bis bald.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: