376 Nominierungen für den Friedensnobelpreis

2016 war ein Rekordjahr für den Friedensnobelpreis. Noch nie gab es so viele Nominierungen, unter ihnen vermutlich auch Donald Trump.

 

Bild: Von Holger.Ellgaard – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7834425

 

 

#376 Nominierungen für den Friedensnobelpreis

Ich muss ja zugeben: Ich war wirklich kurz erleichtert, als das Nobelpreiskomitee eben nicht Donald Trump verkündet hat. Stattdessen hat den Friedensnobelpreis der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos erhalten. Wahrscheinlich war Donald aber trotzdem nominiert, denn nominiert werden kann man von einer ganzen Reihe von Leuten. Personen, die als geeignet angesehen werden, um Nobelpreiskandidaten zu nominieren sind Universitätsprofessoren, Politiker, ehemalige Friedensnobelpreisträger, usw.

Der Preis selber wird dann von einem Komitee aus 5 Personen vergeben und die Nominierten bleiben 50 Jahre lang geheim. Es wird also nicht verraten, wer alles auf der Liste stand. Wahrscheinlich war er mit drauf – Donald Trump. Gott sei Dank hat er wohl aber keine Chance gehabt.

Die Frage darf jedenfalls erlaubt sein, ob überhaupt dieses Jahr ein Friedensnobelpreis hätte vergeben werden müssen. Denn es gab schon eine ganze Reihe neuer zusätzlicher Konflikte dieses Jahr und in der Geschichte des Nobelpreises kam es auch schon vor, dass mangels geeigneten Kandidaten einfach mal gar kein Preis vergeben wurde. Das hätte man dieses Jahr ruhig auch mal machen können, finde ich. Wobei, der gute Santos hat sich wohl wirklich verdient gemacht.

Gerade der Friedensnobelpreis ist auch immer mal eine in der Kritik stehende Kategorie. Zum Beispiel hat letztes Jahr das Tunesische Quartett für den Nationalen Dialog gewonnen. Das ist eine Plattform, die für eine Demokratisierung Tunesiens eintritt.

Oder 2012, als mal gleich eben so die Europäische Union den Friedensnobelpreis verliehen bekommen hat. Da wird auch schnell klar, dass es nicht notwendigerweise immer eine Einzelperson sein muss, die diesen Preis bekommt. Manchmal müssen sich auch manchmal mehrere Personen den Preis teilen.

Wenn man über die Liste der Friedensnobelpreisträger drüber liest und von denen gibt es einige, dann fällt auch auf, wie viele der Preisträger eigentlich eher im Hintergrund gewirkt haben. Es sind relativ wenige wirklich vordergründig Prominente darunter. Trotzdem kennt man natürlich einige. Mutter Theresa ist Friedensnobelpreisträgerin gewesen. Barack Obama wurde viel gescholten für seinen Friedensnobelpreis, den er selbst völlig unerwartet bekommen hat. Martin Luther King Jr. ist Friedensnobelpreisträger.

[Auszug aus Martin Luther Kings berühmter Rede]

Wir hätten dann noch Nelson Mandela – den kennt man ja sicherlich. Willi Brandt, Kofi Anaan und oft ist es auch so, dass Friedensnobelpreisträger nicht nur eine friedliche Geschichte vorweisen können. Manche habe durchaus so einiges an Gewalt auch manchmal mit verursacht. Aber manchmal kommt es dann auf’s Ergebnis an oder um die Bemühungen und das Ringen um den Frieden. So haben beispielsweise 2004 gleich drei Personen zusammen den Friedensnobelpreis bekommen, die ja eigentlich jeder für sich genommen wahrscheinlich auch einiges an Unfrieden produziert haben. Die Rede ist von Jassir Arafat, Shimon Peres und Jitzchak Rabin, die alle drei sich dann massiv darum bemüht haben, ein Ende des Nahost-Konfliktes herbeizuführen.

Das haben sie nicht geschafft und irgendwie glaube ich auch nicht, dass ich es noch erleben werde, dass der Nahost-Konflikt abkühlt oder sogar beigelegt wird. Wobei: Donald Trump hat ja schon erklärt, er schickt vielleicht einfach mal seinen Sohn und der wird das Ganze dann regeln. Das ist ja ein schlauer Kerl.

Wirft man einen Blick auf die Statistik der Friedensnobelpreisträger, dann stellt man jedenfalls fest, dass 22 verschiedene internationale Organisationen als Preisträger sind und damit die größte Gruppe an Preisträgern darstellt.

Die zweitgrößte Gruppe sind Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, mit 21 und dann das Vereinigte Königreich und Nordirland gemeinsam 12 Preisträger. An vierter Stelle hätten wir dann Frankreich, gefolgt von Schweden, gefolgt von Deutschland. Deutschland hat ganze 4 Friedensnobelpreisträger.

Der prominenteste Deutsche Friedensnobelpreisträger ist sicherlich Willi Brandt. Der hat den Preis dafür bekommen, dass er sich für die Versöhnung mit ehemals vom Dritten Reich besetzten Ländern eingesetzt hat. Die anderen Namen sind dann wahrscheinlich schon nicht mehr geläufig. Da hätten wir zum Beispiel 1935 Carl von Ossietzky. Der war Pazifist und Journalist und war Bürger des Deutschen Reiches. Nach seiner Auszeichnung hat deswegen auch das Deutsche Reich seinen Staatsbürgern generell die Annahme des Friedensnobelpreises verboten.

1927 war Ludwig Quidde Preisträger – linksliberaler Historiker und Politiker weiß die Wikipedia zu berichten. Der war Vorsitzender der Deutschen Friedensgesellschaft und hat internationale Friedenskonferenzen organisiert. Damit war Frieden sozusagen sein Hauptgeschäft.

1926 und das ist der Vierte im Bunde gibt es noch einen weiteren Preisträger, nämlich Gustav Stresemann. Den kann man jetzt vielleicht wieder kennen, wenn man im Geschichtsunterricht aufgepasst hat. Der war einer der Verhandlungspartner des Vertrages von Locano.

So. Das waren jetzt nun die vier eindeutig Deutschland zugewiesenen Friedensnobelpreise. Es gibt noch ein paar andere, die man mit einem zugedrückten Auge eventuell auch noch mit rein rechnen kann. So hat zum Beispiel 1952 Albert Schweitzer einen Friedensnobelpreis bekommen. Der war aber damals französischer Staatsbürger und bekommen hat er den Preis, weil er unter anderem Gründer eines Tropenkrankenhauses in Französisch Äquatorial Afrika und dem heutigen Gabun war.

Und dann hätten wir zum Beispiel noch Henry Kissinger. Der war ja unter anderem amerikanischer Außenminister, war aber eigentlich in Fürth in Deutschland geboren worden. Den Friedensnobelpreis bekam er dafür, das Friedensabkommen mit Vietnam ausgehandelt zu haben. Ich persönlich tue mich da allerdings schwer mit. Denn Blut hat er weiß Gott genug an den Händen gehabt. Eine Friedenstaube war er jetzt nicht gerade.

Bleibt festzuhalten: Der Friedensnobelpreis ist irgendwie ein seltsames Biest. Der soll eigentlich Bemühungen um den Weltfrieden auszeichnen und meistens schafft er das auch, aber nicht immer. Es werden meistens internationale Organisationen zumindest mit erwähnt und oft gibt es zwei oder drei Preisträger, weil es sind ja meistens auch mehr als eine Partei involviert, wenn es um den Frieden geht.

Und warum rede ich da überhaupt drüber? Weil letztes Jahr ein Rekordjahr war: 2016 wurden nämlich so viele Menschen für den Friedensnobelpreis nominiert, wie nie zuvor – 376 Nominierte hat es gegeben. Da fragt sich der geneigte Hörer doch hoffentlich schon, ob es eigentlich überhaupt irgendeinen Zusammenhang zwischen echten Friedensbemühungen, vielleicht auch erfolgreichen Friedensbemühungen und den Preisträgern und den Nominierungen gibt. Denn 376 finde ich schon bemerkenswert, wenn ich mir die Geschehnisse von 2016 so in Erinnerung rufe.

Bis bald.

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