392 Jahre alter Kriegsveteran


Bonsai ist eine uralte asiatische Gartenkunst und heute hauptsächlich aus Japan bekannt. Die Bäumchen werden dabei manchmal mehrere hundert Jahre alt.

  • http://mentalfloss.com/article/91799/392-year-old-bonsai-survived-hiroshima
  • https://www.bonsai-nbf.org/hiroshima-survivor/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Bonsai
  • http://www.bonsaiempire.com/

Bild: By Cliff from Arlington, Virginia, USA – Japanese White Pine (Pinus parviflora) ‘Miyajima’Uploaded by AlbertHerring, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29534958

 

 

#392 – 392 Jahre alter Kriegsveteran

Also, ich fand die Dinger ja wirklich immer faszinierend. Bonsai-Bäume sehen aus, wie geschrumpfte Bäume. Die Blätter sind kleiner. Wenn sie gut gepflegt sind, sind sie genauso interessant verästelt, wie ihre großen Vorbilder und: Es sind dieselben Bäume, die man auch in groß in freier Natur finden kann. Buchstäblich. Es sind dieselben Bäume.

Bonsai gibt es nicht als eigene Rassen, sondern Bonsai werden aus Samen und Trieben ganz normaler Bäume gezogen. Und fast alle Bäume eignen sich, um daraus einen Bonsai zu machen.

Das Ganze – so wie der Name schon nahelegt – kommt aus dem asiatischen Raum. Da gibt es eine Kunstform, in der kleine Landschaften nachgebildet werden und kleine Landschaften werden natürlich viel interessanter, wenn eben auch kleine Bäume und kleine Seen usw. dazugehören. Und so entstanden eben kleine Miniaturkunstwerke, lebende Kunstwerke, wenn man so will, in denen eben kleine, speziell gezüchtete Bäumchen irgendwann anfingen eine Hauptrolle zu spielen.

Und so einen Bonsai-Baum zu züchten, das ist einerseits irgendwie gar nicht so schwer, erfordert aber andererseits dann doch einiges an Erfahrung und Geduld, um ein wirklich schönes Exemplar zu erzeugen. Die geheimen Zutaten sind einmal die kleine Schale, in der der wächst. Bonsai heißt “Schalenpflanze” und der begrenzte Platz für’s Wurzelwerk ist schonmal eine wichtige Eigenschaft, denn dadurch wird verhindert, dass der Baum so richtig austreibt. Und die Wurzeln werden auch extra gekürzt, sodass er auch nicht mehr Platz in Anspruch nehmen kann.

Dann gibt es noch spezielle Schnitttechniken und Ritztechniken, mit denen das Holz, das nachwächst und die Triebe ausgestaltet werden können. Ein Bonsai-Gärter oder Bonsai-Pfleger begnügt sich nämlich nicht damit, einen kleinen Baum zu erzeugen, sondern eigentlich möchte er ihn gezielt gestalten. Da gibt es Techniken, die dafür sorgen, dass nachwachsende Blätter kleiner werden. Da gibt es Techniken, die den Weg, den ein nachwachsender Trieb nimmt, genau vorgeben können oder Ritztechniken, mit denen man die Rinde eines Bonsai-Bäumchens künstlich altern kann. So sieht der Baum dann irgendwann aus, als wäre er eigentlich seit Jahren der Witterung ausgesetzt gewesen.

Die meisten Bonsai-Bäumchen, die wir heute so kennen und eine komplett eigene Kultur der Bonsai-Gartenpflege kommt aus Japan. Wie gesagt: Bonsai als Kunstform existiert im gesamten asiatischen Raum, aber Japan hat sich durch ganz besondere Kunstfertigkeit und Begeisterung hervorgetan. Und so wie echte Bäume hunderte von Jahren alt werden können, ist es auch bei Bonsai-Bäumen so, dass es Exemplare gibt, die mehrere hundert Jahre alt werden.

So gibt es zum Beispiel in Tokio im Kaiserpalast gleich zwei wirklich alte Bonsai-Bäumchen zu bewundern. Der eine ist 450 Jahre alt und der andere 550 Jahre alt. Das bedeutet ja auch, dass diese gesamte Zeit, sich immer Menschen um diesen Baum gekümmert haben, nachgestutzt haben, für die richtigen Witterungsbedingungen gesorgt haben usw.

Ja und da sind wir auch beim Themenanker für die heutige Sendung. In den USA steht nämlich ein ganz besonderes Exemplar im Nationalen Bonsai Museum. 1976 nämlich, als Amerika 200 Jahre alt wurde, da bekam dieses Museum vom alten Bonsai-Meister, Masaru Yamaki, einen Baum geschenkt. Dieser Baum wurde 1625 gepflanzt und ist seither im Training gewesen – so nennt man das. Und dieser Baum ist der älteste Baum der Sammlung – 392 Jahre alt.

2001 besuchte Yamakis Sohn und sein Enkelsohn diesen Familienbaum und klärten das Museum über die bewegte Geschichte dieses Baums auf. Der ist nämlich so eine Art Kriegsveteran und kann genauso glücklich sein, noch am Leben zu sein, wie die Familie, die ihn gehegt und gepflegt hat.

1945 nämlich, als die Amerikaner die Atombombe auf Hiroshima warfen, stand dieser Baum gerade mal 2 Meilen von der Abwurfstelle entfernt, hinter einer Mauer. Und dank dieser Mauer hat sowohl die Familie, als auch all die Bonsai-Bäumchen, die unterhalb dieser Mauer standen, den Abwurf überlebt. Ein 392 Jahre altes kleines Bäumchen.

Bis bald.

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