438 Tage schiffbrüchig


Themenpate: @adamosbach

Salvadore Alvarenga ist gleichzeitig ein Pechvogel und ein Glückspilz und seine Geschichte eine moderne Robinsonade.

 

 

#438 – 438 Tage schiffbrüchig

Manche Themen sind wie alte Bekannte, die klopfen immer einmal wieder in meiner Themenvorschlagsliste oder in den Suchergebnissen an, wenn ich auf der Suche nach einem Anerzähltthema bin. So auch das Thema, das heute von unserem Themenpaten @adamosbach vorgeschlagen wurde. Der schlug nämlich vor, über die Odyssee von Salvatore Alvarenga zu sprechen. Der hat nämlich eine Geschichte hingelegt, gegen die ist Robinson ein “Dreck”. Der trieb 438 tagelang antriebslos und mehrere 1.000 km weit über das offene Meer.

[Auszug Interview]

Und zwar hat er ihn in Los Angeles getroffen, wo Salvatore nämlich versuchte seine Lebensgeschichte und die Geschichte seine Rettung an Hollywood zu verkaufen.

Ich habe über Salvatore schon einmal in Folge 14 gesprochen, denn es waren 14 Monate, die er auf dem Meer war und ich war völlig fasziniert davon, wie man das überhaupt auch nur schafft.

In dem Interview, dass ich in den Shownotes verlinke, da erzählt er auch etwas mehr darüber, wie er das geschafft hat. Zum Beispiel hat er Vögel gefangen, wenn die arglos – Menschen nicht kennend – auf dem Boot gelandet sind, oder er hat mit blossen Händen Fische und Quallen gefischt und dann gegessen. Es treibt auch unglaublich viel Kram auf dem Meer rum und deswegen kam gelegentlich auch ranziges Fett oder geronnene Milch vorbei – es ist jetzt nicht wirklich lecker, aber wenn Du als schiffbrüchiger auf dem Meer unterwegs bist, dann ist es vielleicht fast schon eine Delikatesse. Ich meine, kochen konnte er sowieso nicht. So ein mit der Hand gefangener Vogel oder Fisch musste leider roh gegessen werden.

Trotzdem, wäre ich zuständig dafür, Rechte an Geschichten einzukaufen und Drehbücher für Hollywood zu produzieren, so fände ich Salvatores Geschichte trotzdem vermutlich eher langweilig. Am Anfang steht schlicht und ergreifend eine Verkettung von dummen Unfällen und Leichtsinn. Er hatte keinen Anker dabei, sein Funkgerät war nicht ganz aufgeladen, er kam in Seenot, weil er trotz schlechtem Wetter raus fuhr auf das offene Meer, er hatte nicht das notwendige Werkzeug dabei, um einen absterbenden Motor zu reparieren. Dann hatte er das Pech, auf das Meer hinausgetrieben zu werden und nicht auf das Ufer zu. Danach ist es nur ein Überlebenskampf. Ein Überlebenskampf in dem man sicherlich für Hollywood eine Menge ekliger Szenen drehen könnte:

  • Salvatore wie er rohen Fisch isst,
  • Salvatore wie er eine Qualle fängt,
  • Salvatore wie er ranziges Fett aus einem gerade aus dem Meer gefischten alten Plastikcontainer kratzt.

[Auszug Film]

  • Salvatore, wie er trauert, weil sein Freund Córdoba, der mit ihm raus auf das Meer gefahren war, stirbt.

[Auszug Interview]

Weil es Hollywood ist, kann man sicherlich auch noch so tun, als hätte Salvatore seinen Freund vielleicht dann doch auf offener See aufgegessen. Es wird immer wieder mal in den Medien diskutiert, ob es da nicht doch vielleicht Kannibalismus gegeben haben könnte.

Im Mittelteil von dem Film gibt es dann auch noch eine ganze Reihe von Szenen, in denen große Containerschiffe vorbeiziehen ohne den schiffbrüchigen zu bemerken oder gar anzuhalten.

[Auszug Film]

Dann natürlich die Rettung: Nach 438 Tagen wird er auf eine kleine Insel, die zu der Kette der Marshallinseln gehört, gespült. Dort finden ihn dann Eingeborene, die sofort Hilfe holen.

Fischer ist Salvatore jetzt jedenfalls nicht mehr – kann man ihm wirklich nicht verdenken. Ich wünsche ihm, dass er seine Filmrechte verkauft bekommt. Ich glaube allerdings, Geschichten á la Robinson oder Life of Pi gibt es schon einfach zuviele.

Bis bald.

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