Ein 324 Meter hoher Protzturm


Themenpatin: @wunnebar

Eigentlich sollte der Eiffelturm ja nach 20 Jahren wieder abgerissen werden. Als er aber erst einmal so lange das Pariser Stadtbild geziert hatte, wollte ihn niemand mehr loswerden…

Bild: Von William Herman Rau – Dieses Bild ist unter der digitalen ID cph.3b24446 in der Abteilung für Drucke und Fotografien der US-amerikanischen Library of Congress abrufbar.Diese Markierung zeigt nicht den Urheberrechtsstatus des zugehörigen Werks an. Es ist in jedem Falle zusätzlich eine normale Lizenzvorlage erforderlich. Siehe Commons:Lizenzen für weitere Informationen.العربية | čeština | Deutsch | English | español | فارسی | suomi | français | magyar | italiano | македонски | മലയാളം | Nederlands | polski | português | русский | slovenčina | slovenščina | Türkçe | українська | 中文 | 中文(简体)‎ | 中文(繁體)‎ | +/−, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=351941

 

#324 – Ein 324 Meter hoher Protzturm

Die Pariser Weltausstellung von 1889 war die Zehnte ihrer Art und fand vom 6. Mai bis zum 31. Oktober 1889 statt. Und das war zufällig auch noch das 100-jährige Jubiläum der französischen Revolution. Es gab also gleich doppelt Anlass zu feiern. Und bei so einer Weltausstellung, da will man natürlich als Gastgebernation auch zeigen, was man drauf hat.

Wir sind mitten in der Industrialisierung und Stahl, Stahl ist der heiße Scheiß. Denn mit neuen Fertigungsmethoden und mit neuen Konstruktionsmöglichkeiten lassen sich Gebäude bauen, die vorher so nicht möglich waren und Türme! Türme sind ganz besonders beliebt. Denn die musste man bisher eigentlich in Stein bauen. Seit einigen wenigen Jahrzehnten gab es da als Alternative eben Stahlkonstruktionen. Und Stahlkonstruktionen – man glaubt es kaum – sind um einiges leichter als Stein und damit lassen sich waghalsige Rekonstruktionen finden.

Aber zurück zu unserer Weltausstellung: Schon im Jahr 1881 war ein anerkannter französischer Ingenieur von einer Amerikareise mit der Idee zurückgekehrt, das ganze Stadtgebiet von Paris mit einem Leuchtfeuer auf einen Sonnenturm zu beleuchten. Und die Idee gefiel der französischen Regierung derart, dass man ihm den Auftrag erteilte, das Ding zu planen. Er hat sich dann eher so eine Art Leuchtturm von Faros in Kopie vorgestellt und der Entwurf sah dann erstens mal doch sehr verschnörkelt aus und konnte dann auch technisch nicht umgesetzt werden, weswegen er dann 1886 auf Eis gelegt wurde.

Am 1. Mai 1886 nun, schrieb das Handelsministerium dann letztlich einen Ideenwettbewerb aus. Ein Gebäude für die Pariser Weltausstellung musste her. Von einem französischen Architekten und von französischen Ingenieuren sollte es gebaut werden. Ungefähr 100 Teilnehmer bewarben sich um diese Ehre. Fast alle reichten irgendwelche Türme ein, aber ein Entwurf, der stach heraus. Nicht nur wurde er von einem anerkannt erfahrenen Ingenieur eingereicht; er war auch ästhetisch simpel gehalten, hatte aber an den richtigen Stellen die richtigen Verzierungen. Da hatte sich jemand viel Mühe gegeben – mehrere Jahre genau genommen. Denn der erste Entwurf dieses Turms war schon vier Jahre früher auf Papier gelandet.

Was wir natürlich heute wissen ist, damit hatte Gustav Eiffel auch erfolg. Er gewann den Wettbewerb und bekam den Zuschlag. Die Stadt Paris wollte sich mit einer Subvention in Höhe von 1,5 Millionen Goldfranken an den Kosten beteiligen, aber über 7 Millionen Franken musste der Bauherr selbst aufbringen. Deswegen sicherte er sich auch knapp 20 Jahre Nutzungsrechte an diesem Turm. Danach würde er wieder abgerissen werden, so der Plan. Und so begann unter aufmerksamen Interesse der Öffentlichkeit, am 26. Januar der Bau des Eiffelturms. Den kann man sich von der Konstruktion her wirklich so ein bisschen wie Fischertechnik Bausätze vorstellen.

Der verwendete Stahl war besonders kohlendioxidarm und damit nicht zur Verschweißung geeignet, sondern musste genietet werden. Das hatte einen Vorteil: Man konnte die Bauteile präzise vorvermessen und vorfertigen und dann an Ort und Stelle zusammen montieren. Die Pariser freilich sahen das Stahlmonstrum mit gemischten Gefühlen. Es gab Einiges an Protest, der sich schon vor Baubeginn, aber ganz besonders natürlich auch noch während dem Bau des Turmes entzündete. Der Protest gipfelte dann in einem öffentlichen Brief, den intellektuelle und führende Kritiker der damaligen Zeit in einer renommierten Zeitung veröffentlichten, in dem gefordert wurde, den ungeheuerlichen, hässlichen Turm zu entfernen.

Der Eiffelturm wurde als wirklich tragische Straßenlaterne bezeichnet; als Skelett von einem Glockenturm verunglimpft oder als Eisenmast mit starrer Takelage unvollkommen, konfus und unfähig bezeichnet. Aber all dieses Getöse und Kritisieren schlägt in Begeisterung um, als der Turm dann endlich eingeweiht wird und dann zur Weltausstellung zum ersten Mal spektakulär und atemberaubend beleuchtet ist.

Und die 20 Jahre Laufzeit, die hat er natürlich, wie wir heute wissen, auch locker überstanden. Er war inzwischen Funkturm; er war Fernsehstation; er wurde vom Militär zur drahtlosen Informationsübermittlung benutzt; eine Wetterstation war zwischenzeitlich mal eingerichtet; physikalische Experimente wurden von diesem Turm durchgeführt; sportliche Wettläufe zur Spitze fanden statt. Der Turm wurde kurzerhand wieder und wieder und wieder und wieder neu entdeckt.

Und mit seinen 324 Metern – und das ist der Themenanker für die heutige Episode – ist er immer noch das höchste Bauwerk Frankreichs. Der schrumpft übrigens im Winter immer so ein bisschen – 4 bis 8 Zentimeter. Aber auch da ist er dann immer noch das höchste Bauwerk Frankreichs.

Inzwischen ist er auf jeden Fall ein geliebtes Wahrzeichen und wurde weltweit auch mehrere Male kopiert. So steht zum Beispiel in Japan eine Kopie des Eiffelturms. Und natürlich steht bekanntermaßen eine 165 Meter hohe Kopie in Las Vegas. Die japanische Version ist übrigens rot und weiß und sieht damit dem ursprünglichen Eiffelturm sogar einigermaßen ähnlich. Der war nämlich lange Zeit rot gestrichen, bevor er seinen heutigen grau-braunen Anstrich bekam, konnte man ihn in rot, gelb und in blau bewundern.

Die Aktiengesellschaft, die Gustav Eiffel gegründet hat, um den Turm zu finanzieren war die profitabelste Aktienausschüttung in der französischen Geschichte und auch heute ist dieser Turm verdammt viel Geld wert. Würde man den heute abbauen und Stück für Stück verkaufen, dann wäre er – so schätzt die Handelskammer von Monsa – in etwa 424 Milliarden Euro wert. Gott sei Dank müssen wir den Turm nicht abbauen: 7 Millionen jährliche Besucher bringen ja so auch schon regelmäßig Geld vorbei.

Und seit seiner Eröffnung 1889 haben über 300 Millionen Menschen den Eiffelturm besucht. Was kann man noch über ihn sagen? – Wahrscheinlich, dass er eines der romantischsten Gebäude der Welt ist. Dass er mit seinen 10.100 Tonnen gerade mal 4 Kilogramm pro Quadratmeter auf die Waage bringt und damit ein unglaublich leichtes Gebäude ist. Dass das Papier für die Eintrittskarten jährlich 2 Tonnen auf die Waage bringt und dass man Jahr für Jahr 10.000 Lappen und 25.000 Mülltüten braucht, um den Eiffelturm sauber zu halten.

Und jetzt sage ich einfach nur noch: Vielen lieben Dank an die wunderbare @wunnebar für diesen Themenvorschlag und grabe mal meine Urlaubsfotos von meinem letzten Paris-Trip raus, um den Eiffelturm zu bewundern. Schön sieht er ja schon irgendwie aus.

Bis bald.

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