K-278 Komsomolez


Die K278 war ein russisches Atom-Uboot, das unter vielbeachteten tragischen Umständen sank. Seither liegt es mit Atomtorpedos und einem flüssigmetallgekühlten Atomreaktor auf dem Meeresboden und wird hoffentlich immer wieder gut versiegelt…

https://de.wikipedia.org/wiki/K-278_Komsomolez
https://beta.welt.de/print-welt/article634507/Reaktoren-aus-U-Booten-als-Kraftwerke-an-Land.html
http://mussenstellen.com/article/flssigmetall-gekhlten-reaktor
http://ueberhauptgarnix.blogspot.de/2015/08/s2g-reaktor.html
http://www.ingenieur.de/Fachbereiche/Kernenergie/Auf-Weg-Generation-IV-kuenftiger-Kernreaktoren
Bild: Von Www.cia.gov (https://www.cia.gov/library/center-for-the-study-of-intelligence/csi-publications/csi-studies/studies/95unclass/Montgomery.html; https://www.cia.gov/library/center-for-the-study-of-intelligence/csi-publications/csi-studies/studies/95unclass/43.gif/image.gif), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28466939

 

#278 – K-278 Komsomolez

Der heutige Themenanker ist ein U-Boot, nämlich die K-278 Komsomolez Kom-so-mo-lez, Kom-somolez. Wenn Du russisch kannst, kannst Du mir ja vielleicht eine Sprachnachricht schicken, wie man das richtig ausspricht.  

Jedenfalls reden wir von einem sowjetischen Atom-U-Boot. Überhaupt haben die Sowjets anscheinend wirklich gerne Atom-U-Boote gebaut und die K-278 wurde 1984 in Betrieb gestellt und sank am 7. April 1989. Und dieses Boot war für seine damalige Zeit enorm fortschrittlich. Es konnte tiefer tauchen, als die meisten US-Amerikanischen Boote. Es konnte sehr variabel mit Waffen und Geräten bestückt werden und es hatte natürlich – Atom-U-Boot, klar – einen Atomreaktor an Board.

Dieser Reaktor hat mich dann auch einige Zeit lang beschäftigt. Denn, ganz beiläufig steht in dem Wikipedia Artikel, dass es sich dabei um einen flüssigmetallgekühlten Reaktor handele. Und das fand ich erst mal wirklich spannend. Ich habe mir ja bisher immer gedacht, Kernreaktoren würden in irgendeiner Form mit Wasser gekühlt oder doch zumindest mit irgendwelchen Flüssigkeiten. Dass das natürlich auch flüssiges Metall sein könnte, auf die Idee bin ich überhaupt gar nicht gekommen.

Und da reden wir von verschiedenen Metalllegierungen, unter anderem zum Beispiel Blei. Und das hat ein paar interessante Nebeneffekte. Das eine ist, auch flüssiges Metall isoliert natürlich so einen Reaktor ganz großartig. Zum Zweiten, kommt flüssiges Metall mit größeren Temperaturen klar, als es zum Beispiel Wasser täte. Und dann hat man den Effekt, dass so ein Flüssigmetallreaktor unter Umständen auch etwas kompakter zu betreiben ist.

Die Nachteile liegen aber auch auf der Hand. Um so einen Reaktor überhaupt anfahren zu lassen, muss dieses Flüssigmetall erst mal flüssig gemacht werden. Das bedeutet, dass solche Reaktoren, wenn sie angefahren werden, erst mal mit heißem Dampf vorgeheizt werden, damit das Metall eben auch flüssig wird. Und dann wird erst der Reaktor gezündet. Na wunderbar! Außerdem lässt sich so ein Reaktor bekanntermaßen sehr schlecht rauf- und herunterfahren.

Die Amerikaner haben wohl aus allen möglichen Gründen sich irgendwann mal dagegen entschlossen, flüssigmetallgekühlte Reaktoren zu benutzen. Es gab genau ein einziges Modell, der sogenannte S2G Reaktor, der mal in einem amerikanischen U-Boot verwendet wurde. Ansonsten sind solche Reaktoren hauptsächlich Forschungsgegenstände aller Art oder sind im Gespräch für kompakte Kernreaktoren in den verschiedensten Einsatzgebieten.

Und dann habe ich beim Recherchieren rund um dieses Thema ein paar sehr beunruhigende Dinge gefunden: Zum einen denkt man anscheinend in Russland darüber nach, ausgemusterte Atom-U-Boote oder auch die Reaktoren aus diesen Atom-U-Booten als Stromquelle für die Bevölkerung einzusetzen. Die Idee: Man könnte ja schwimmende Kraftwerke an Küsten fahren, die ansonsten schwer mit Kraftwerken zu bebauen wären und dann damit Strom erzeugen. Oder man könnte Atom-U-Boote dafür verwenden, um Touristen durch’s Meer zu schippern. So eine Art unterseeische Kreuzfahrt, wenn man so will.  Heieieieiei.

Da gibt es natürlich auf beiden Seiten Experten, die wahlweise begeistert oder entsetzt sind und ich würde sagen, als jemand, der keine Ahnung hat: Irgendwie hört sich das für meine Ohren nach keiner guten Idee an, ein schimmendes Kernkraftwerk vor der Küste zu parken.

Aber schwingen wir mal gerade zurück zu unserem U-Boot, K-278. Das schwimmt nämlich nicht mehr. Am 7. April 1989 kam es nämlich zu einem Brand und da war das Boot in einer Tiefe irgendwo zwischen 150 und 380 Metern. Das Boot schaffte es aufzutauchen und alle Männer, die an Board waren zu evakuieren, bis auf eine Kernbesatzung von vier Personen. Allerdings riss das Boot an mehreren Stellen und sank dann relativ schnell. Die nachfolgende Rettungsaktion war ein mittelschweres Drama. Wegen zu wenig Rettungsinseln und Verzögerungen vor Ort war es dann so, dass von den 50 Männern, 42 um’s Leben kamen. Überwiegend wegen Unterkühlung.

Das Boot jedenfalls sank und das inklusive des Reaktors und des an Board befindlichen Arsenals an Waffen. Und ja, da waren auch nuklearbestückte Torpedos dabei. Tja. Und dieses Boot liegt jetzt nun in einem der fischreichsten Gebiete der Welt und wird immer wieder mal von einem Forschungsboot angesteuert, um zu messen, wieviel radioaktives Material denn inzwischen austritt. Als irgendwann mal festgestellt wurde, dass die Torpedos anfangen zu korrodieren, hat man die Torpedoschächte versiegelt. Und hin und wieder sagt mal irgendein Experte “Najaaa, so richtig viel tritt noch nicht aus, aber könnte natürlich mal passieren”.

Die Bergung von dem Eimer würde ca. 1 Milliarde US-Dollar kosten und warum sollte man sowas schon machen? Da griff man dann doch lieber zu einer günstigeren Alternativmethode, nämlich das Boot mit einer Art Gelee zu versiegeln. Und dieser Mantel, in den man dieses Boot gepackt hat, der soll nach Schätzungen ungefähr 20 bis 30 Jahre Schutz bieten und dann muss man wieder ran.

Bis bald.

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