O210 – Hyperemesis Gravidarum


Es ist eine bekannte Tatsache, dass werdende Mütter gerade anfangs oft mit morgendlicher Übelkeit zu kämpfen haben. Es ist allerdings weniger bekannt, dass diese Übelkeit in einem Teil der Fälle so schwerwiegend werden kann, dass betroffene Frauen im Krankenhaus landen und zum Teil lebensbedrohliche Komplikationen haben…

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#210 – O210 – Hyperemesis Gravidarum

Dass man, wenn man schwanger ist unter Umständen in der Früh mit morgendlicher Übelkeit zu kämpfen hat, das dürfte ziemlich breit bekannt sein und ist auch so eine Art Meme. Wenn da eine junge Frau plötzlich morgens mehrmals zum Kotzen geht, dann weiß der Zuschauer: Aha! Schwanger.

Dabei ist bei allem Amüsement diese Morgenübelkeit gar nicht mal so ohne. Ich bin ganz froh, dass es mir wahrscheinlich erspart bleiben wird ohne Anlass oder ohne erkennbaren Anlass plötzlich aufgrund von einem vorbeiwehenden Geruch auf’s Klo rennen zu müssen und mein Frühstück wieder herzugeben.

Und: Es gibt diese Übelkeit auch in verschiedenen Graden. So gibt es zum Beispiel Frauen, die eigentlich gar keine Probleme haben. Vielleicht so ein bisschen Übelkeit, aber wenigstens müssen die sich nicht übergeben. Und es gibt Frauen, die für eine längere Zeit praktisch dauernd laufen müssen. Und das kann so weit gehen, dass Frauen eine Abtreibung in Kauf nehmen, nur um diese Übelkeit loszuwerden. Der medizinische Fachbegriff dafür ist Hyperemesis Gravidarum – schwerwiegende Übelkeit. Und mit schwerwiegend meine ich wirklich richtig heftig.

Über 20 Wochen zum Teil, bis zu 20 Mal täglich auf’s Klo laufen und sich übergeben. Da ist dann auch schnell klar, wo das Problem bei diesem Zustand liegt, denn wer sich so häufig übergibt, der hat ein Problem hydriert zu bleiben. Es bilden sich Gifte im Blut. Man verliert Gewicht, was auch wenn man Schwanger ist nicht unbedingt gerade der gewünschte Effekt ist. Man muss ja für das werdende Leben entsprechende Nährstoffe einlagern. Und es ist schmerzhaft, weil ein sich dauernd krampfender Magen nunmal absolut nichts angenehmes an sich hat.

Die gute Nachricht: Nicht jede Frau muss das 20 Wochen lang durchstehen. Manche eine hat das schlicht zwischen der 8. und der 12. Woche und wird es auch wieder los. Auch nicht jede Frau hat es so extrem, dass es sogar zu Blutungen im Magen kommen kann und ähnliches mehr. Es gibt verschiedene Abstufungen des ganzen.

Betroffene Frauen landen manchmal im Krankenhaus und es gibt eigentlich gar nicht so richtig viel, was man tun kann. Nur dafür sorgen, dass der Körper trotz allem mit Nährstoffen versorgt wird etc.

3 bis 4 von 1.000 schwangeren Frauen sind davon betroffen und eine der prominentesten Betroffenen Frauen dürfte Kate Middleton gewesen sein. Das ist die Kate, die mit Prince William verheiratet ist, die diese schwere Form der Übelkeit bei beiden Schwangerschaften hatte. Die Arme!

Und warum spreche ich da heute drüber? Na ganz einfach: Diagnosen sämtlicher Art eigentlich, werden anhand von einem Diagnose Leitfaden gefällt. Es gibt einen Katalog von Dingen, die man als Symptome festhalten muss und dann eine genau eingeordnete Diagnose, die dazu passt. Und es gibt verschiedene derartige Handbücher, aber eines der gebräuchlichsten ist die sogenannte International Classification of Deseases – ICD. ICD ordnet solche Krankheiten in verschiedene Kategorien ein und die Kategorisierung für diese schwerwiegende Form der morgendlichen Übelkeit trägt die Bezeichnung O210 und da haben wir unseren Link.

Der ICD ist übrigens ganz allgemein ein echt interessantes Stück Nachschlagewerk. Ich habe den für mein Psychologiestudium immer mal wieder im Einsatz und muss zugeben, ich blättere auch gelegentlich einfach ganz gerne da drin herum. Es ist allgemein interessant festzustellen, wie mechanisch dann Diagnosen doch auch aufgebaut werden.

Bis bald.

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