Platon für Nicht-Philosophen…


Themenpate: @zmahlzeit

Im Jahr 347 v. Chr. starb Platon und wenige Menschen haben unser Denken bis in die heutige Zeit so geprägt wie er.

Bild: Von Raffael – Web Gallery of Art:   Image  Info about artwork, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75881

 

 

#347 – Platon für Nicht-Philosophen…

Im Jahr 347 v. Chr. ist Platon gestorben. Und niemand hat wahrscheinlich die Welt des Denkens, die Philosophie, die Politik, Gesellschaft, Ethik, kritisches Denken, Logik oder Literatur so geprägt wie er. Ohne Platon wüssten wir nichts über Sokrates, denn Sokrates ist in Platons Dialogen wieder auferstanden, obwohl Sokrates sich selber eigentlich nur mündlich geäußert hatte.

Und überhaupt war die Form Platons, in der er sein Wissen weitergab, wahrscheinlich einzigartig und unterhaltsam. Haben nämlich andere philosophische Lehrer der damaligen Zeit in erster Linie Pamphlete geschrieben oder einzelne Werke, vielleicht auch mal Gedichte, die erklärend waren, kam Platon daher und schrieb sein Wissen in Dialogform auf. Das heißt, in seinen Geschichte diskutierten zwei bis vier Leute miteinander und das Ganze konnte durchaus auch mal unterhaltsame Züge annehmen.

Er war ein Schüler von Sokrates und Aristoteles wiederum war Platons Schüler. Das heißt, viele berühmte Philosophen hatten damals geballt in Griechenland ihre Wirkungsstätte. Seine Philosophie reicht in alle wichtigen Bereiche hinein. Ob es nun um Moral, das gute Leben, die Erkenntnistheorie, Ethik allgemein geht, wie ein Staat aufgebaut sein sollte usw. Alle Bereiche werden irgendwann mal von ihm berührt. Aber im Kern geht’s ihm im Wesentlichen immer darum, wie man unzweifelhaft gesichertes Wissen erreichen kann und wie man es von bloßen Meinungen unterscheiden könnte. Damit ist Platon auch heute glaube ich noch brandaktuell.

Fake News, Propaganda, postfaktisches Zeitalter!

Ähm, Du verstehst was ich meine.

Auch unabhängig von Platon überliefert wurden dann einige der Mythen, die er besonders in seinen späteren Werken immer wieder verwendet hat. So erzählt Platon zum Beispiel von Atlantis-Mythos. Du weißt schon, dieser mythische Kontinent, der angeblich irgendwann mal im Meer versunken ist. Oder die Geschichte der Kugelmenschen. Mit der Geschichte wollte Platon erotisches Begehren erklären und die Geschichte geht in etwa so:

Ganz, ganz früher einmal waren Menschen eben nicht in Mann und Frau aufgeteilt, sondern waren als Kugelwesen unterwegs. Diese Kugelwesen hatten zwei Gesichter, vier Ohren, vier Arme, vier Beine und waren unglaublich stark und wagemutig. Nichts konnte ihnen trotzen.

Sie waren gottesfürchtig, überwiegend. Und opferten regelmäßig an Zeus und seinen Pantheon, aber durch ihren Übermut getrieben, wollten sie irgendwann dann auch mal teilhaben an den ganzen Freuden da oben im Olymp und beschlossen schlicht und ergreifend den Olymp zu stürmen. Naja, ganz so gottesfürchtig waren sie dann wohl doch irgendwie nicht.

Übrigens: Die Kugelmenschen haben sich nicht so, wie wir uns das jetzt vielleicht vorstellen würden, mit ihren Füßen gehend fortbewegt, sondern die konnten auch Radschlagen und sich damit eben viel schneller fortbewegen. Ich meine acht Gliedmaßen zu haben, hat da schon seine Vorteile.

Manche Kugelmenschen waren rein männlich, andere wiederum waren rein weiblich und dann gab es noch welche, die waren männlich und weiblich zugleich. Die nannte man andrógynoi. Und die rein menschlichen, die stammten ursprünglich von der Sonne ab, die rein weiblichen von der Erde und die andrógynen, die zweigeschlechtlichen, die kamen vom Mond.

Zeus jedenfalls sah, dass die Kugelmenschen sich anschickten, das Pantheon zu erobern. Deswegen beschloss er, die Kugelmenschen zu schwächen. Und wie kann man die besser schwächen, als sie einfach in der Mitte auseinander zu teilen. Das Ganze war eine etwas größere Operation, bei der mehrere Götter zusammen halfen, aber zum Schluss gab es praktisch nur Vorteile. Zum einen waren die Kugelmenschen jetzt nicht mehr so kräftig und wagemutig. Das heißt, sie griffen die Götter nicht mehr an. Zum Zweiten gab es mal mindestens doppelt so viele Menschen wie vorher, das heißt auch doppelt so viele Gebete; doppelt so viele Opfer; doppelt so viel Gefolge und für uns Menschen gab es nun einen Grund, jeweils nach der anderen Hälfte zu suchen. Das war nämlich das Ergebnis des Ganzen.

Wir suchen sozusagen unser ganzes Leben lang nach der anderen Hälfte dieser Kugel. Und damit hat Platon gewissermaßen den Mythos von dem einen richtigen Lebenspartner in die Welt gesetzt. Und so wie diese Mythen, gibt es eine ganze Menge anderer Gleichnisse und Mythen, die man in seinen Dialogen nachlesen kann. Insgesamt teilt man die platonischen Werke in 36 Bücher ein und die allermeisten seiner Werke sind auch immer noch erhalten. Es wurde ihnen in der Antike so manches zugeschrieben, was vermutlich aus anderer Feder stammt, aber bis auf wenige Schriften und Briefe, haben wir wahrscheinlich die meisten seiner Schriften überliefert bekommen. Alles, außer seinen ganz frühen Jugendwerken. Die hat er nämlich selber noch vernichtet. Da war es ihm dann wohl zu peinlich der Nachwelt so ein Geschreibsel zu hinterlassen.

Und Platon prägt nicht nur die Geschichte unserer Ideen und eine eigene Ideenphilosophie, sondern auch unsere Sprache bis heute. So war seine Schule, seine philosophische Akademie, der erste Platz, der sich Akademie genannt hat und dessen Schüler sich als Akademiker verstanden. Oder so Worte wie die platonische Liebe, sind ja ein feststehender Begriff und das nicht von ungefähr.

Halten wir also fest: Platon hat sich über verdammt viele wichtige Themen Gedanken gemacht, die uns bis heute beschäftigen. Und er war wohl ein guter Lehrer und er hat es verstanden, seine Inhalte so aufzuschreiben und so weiter zu vermitteln, dass sie bis heute verstanden, gelehrt, gelernt und weiter verbreitet werden können.

Wenn der heute leben würde, dann wäre er wahrscheinlich YouTuber oder Podcaster.

Danke mal wieder an unseren Themenpaten @zmahlzeit und allen anderen, die in letzter Zeit ganz fleißig im Themenpaten-Sheet editieren.

Bis bald.

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