The Sound of Bombs


Themenpate: JeLuF

402 Konflikte gibt es derzeit auf der Welt, 226 davon werden unter Gewaltanwendung ausgetragen also mit kriegerischen Mitteln. Hören wir hin!

Bild: CC0, Pixabay, https://pixabay.com/en/bomb-background-pattern-explode-1185720/

 

 

#402 – The Sound of Bombs

Heute gab es einen Themenvorschlag, bei dem war ich zunächst einmal unsicher, ob ich darüber wirklich eine Folge aufnehmen möchte.

Es geht nämlich um den vor kurzem erschienenen jährlichen Report des Heidelberger Instituts für internationale Konfliktforschung – kurz HIIK. Es listet Konflikte nach verschiedenen Kriterien auf. Es gibt Konflikte, die unter Gewalteinsatz ausgetragen werden und solche, die gewaltfrei, zumindest noch gewaltfrei erfasst werden.

Weltweit gibt es demnach, nach diesem Report 402 Konflikte. Von denen werden immerhin 226 unter Gewalteinsatz ausgetragen. Das ganze ist in fünf verschiedene Intensitätsstufen eingeteilt. Krieg ist die höchste dieser Intensitätsstufen. Eingeordnet wird nach Anzahl der Betroffenen und natürlich auch nach Anzahl der Todesfälle und Verletzten – klar.

Auch in Deutschland ist ein Konflikt festgehalten, nämlich ein Konflikt mit fremdenfeindlichen Hintergrund und mit mehr als 2.000 Übergriffen letztes Jahr. Als Konfliktparteien – weil für einen Konflikt gehören ja immer mindestens zwei Seiten – werden auf der einen Seite hauptsächlich rechte Gruppen genannt und auf der anderen Seite steht die Bundesregierung. Mit Folgen wie Brandanschlägen, Morddrohungen, Körperverletzungen ist es auch nicht etwa irgendwie ein kleiner ignorierbarer Konflikt. Das ist schon alles ganz ernst gemeint, so wie es da drin steht.

Jedenfalls war ich in Versuchung ein anderes Thema zu recherchieren, aber vorher wollte ich noch einmal gerade laufen gehen. Beim Laufen höre ich oft Podcasts und ich höre hintereinander weg, was dann so in meiner Queue ist. Als nächster Podcast war in meiner Queue eine neue Folge des BBC Podcasts “Seriously”. In “Seriously” werden Reportagen und Feature-Formate produziert, die eigentlich ganz bekannte Themen von oft recht ungewöhnlichen Blickwinkeln aus beleuchten und dabei auch wirklich sehr schön produziert sind.

Die Episode, die ich mir angehört habe beim Laufen, die hieß “The Sound of Bombs” und beschäftigt sich mit der Rolle, die Musik beim verarbeiten von Kriegserlebnissen oder im Krieg spielen. Also Soldaten die sich mit Musik ablenken, ehemalige Soldaten, die Musiker werden, wie z.B. Shaggy – Mr. Lover Lover. Der war nämlich Marine. Oder sowas hier: “The Sound of Bombs” von Fatima Al Qadiri.  

 

27 Minuten hat diese Episode, also nicht der Anerzählt, sondern der Seriously “The Sound of Bombs”. Es sind 27 packende, faszinierende, manchmal bedrückende, manchmal auch wirklich schöne Minuten. Wir hören Fatima zu, wie sie ihre Kunst erklärt; wir hören was Shaggy mit Krieg zu tun hat. Wie Soldaten sich für die Schlacht bereit machen und wir staunen darüber, dass anscheinend westliche Soldaten sich am Liebsten mit hartem Metal aufpumpen, während in der islamischen Welt wunderschöne spirituelle Gesänge dafür verwendet werden, sich bereit fürs Schlachtfeld zu machen. Schlachtfeld, was für ein abartiges Wort!

Und bis zu dieser Podcastepisode habe ich mir auch noch nie Gedanken darüber gemacht, warum eigentlich in unserer Kriegsberichterstattung der Ton so auffällig abwesend ist. Wir sehen zwar jeden Tag in den Nachrichten Aufnahmen von Drohnenangriffen, Panzern die irgendwo herumrollen, Luftangriffen, aber die Geräuschkulisse, die damit verbunden ist, die wird von uns ferngehalten. Die “Seriously”-Episode macht diese Geräuschkulisse verdaulich, aber dann doch irgendwie auch spürbar.

Das westliche Äquivalent dazu, wäre Gospelmusik. Stell dir mal vor: US-Marines, die mit Gospelmusik im Ohr in die Schlacht ziehen. Wobei, wer weiss was passieren würde, wenn wir einfach mal die Musikrichtung tauschen würden.

Bis bald.

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