226 – Sailor Moon


Sailor Moon ist eine Anime Serie der Neunziger und hat dem Genre in der westlichen Welt den Weg bereitet. Außerdem wir Sailor Moon als eine der ersten “Superhelden”-Serien mit überwiegend weiblicher Zielgruppe angesehen.

 

Bild: By BrokenSphereOwn work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10549296

 

 

#226 – Sailor Moon

Heute ist wieder einmal eine dieser Episoden, in der ich mich mit TV-Geschichte beschäftige. Jetzt einmal gucken, vielleicht kommst Du darauf worum es sich hier geht.

[Auszug Song]

Na, schon irgendeine Idee?

[Auszug Song]

Gleich kommt es.

[Auszug Song]

Jetzt? Achtung:

[Auszug Song]

Jaaaaaaaa, es geht um Sailor Moon! Wenn Dir jetzt die Intros, die ich gerade gespielt habe, – übrigens die japanische und die englische – nicht so richtig bekannt vorkamen, hier noch einmal ganz kurz wie das in deutsch klang.

[Auszug Song]

Und jetzt alle: Hyper Hyper…check it out man!

Ja man muss zugeben, es ist aus dem Höhepunkt der Techno-Zeit in Deutschland, nämlich ‘92 bis ‘97. Die Zeit, in der Bands wie “Two Unlimited” in den Charts sind. Das hat man dann in Deutschland auch gleich zum Anlass genommen, entsprechende Musik für die Intro der deutschen Adaption der Animeserie Sailor Moon zu wählen. Sailor Moon ist eine Verfilmung eines Manga-Comics. Falls Du jetzt mit diesen Intros gerade überhaupt nichts anfangen konntest, dann bist Du wahrscheinlich ein Mann. Weil Mädels, die in der Zeit aufgewachsen sind, die haben diese Serie zumindest wahrgenommen. Die war nämlich durchaus ganz schön gehypt und lief zur -naja für kindertaugliche Augen – Primetime im Fernsehen.

Hauptfigur von Sailor Moon war ein Schulmädchen – Usagi Tsukino. Die erhält magische Kräfte. Die kämpft dann unter dem Namen Sailor Moon für die Menschheit und die Erde. Sie rettet eins ums andere mal die Erde, das Universums und den ganzen Rest. Ehhhmm, nee, das war eine andere Geschichte. Aber so ähnlich.

Es ist auch nicht das einzige Mädchen mit Superkräften, es gibt eine ganze Reihe von Sailor-Kriegerinnen, die jede für ihre Welten kämpft. Sailor Moon ist deswegen so besonders, weil es praktisch einen Grundstein, einen ersten großen Brückenpfeiler für die Welt der Animes im Westen darstellt.

Der Geschichte zugrunde liegt eine nicht ganz unkomplexe Mythologie. Da ist es einmal so, dass jedes Lebewesen einen kleinen Lebens- oder Sternenkristall enthält. Die Sailor-Kriegerinnen, die Prinzessinnen sozusagen, die ihre jeweiligen Planeten beschützen sollen, haben einen ganz besonders mächtigen und hellen Sternenkristall. Die Erde übrigens ist die einzige Ausnahme von dieser Regel, dass jeder Planet eine Prinzessin zur Verteidigung hat. Die Erde wird sowieso schon von zwei verschiedenen anderen Prinzessinnen beschützt. Einmal von der Mondprinzessin und dann von der Herrscherin des Goldreichs. Letzteres liegt im inneren der Erde. Dann hat die Erde noch einen Prinzen: Endymion. Der repräsentiert die Erde anstatt einer Sailor-Kriegerin. Ist voll logisch oder?

In der Serie begegnen uns jedenfalls Sailor-Kriegerinnen einmal für alle Planeten. Da gibt es die Inneren-Kriegerinnen: Sailor Merkur, Sailor Mars, Sailor Jupiter, und Sailor Venus. Dann gibt es die Äußeren-Kriegerinnen: Sailor Uranus, Sailor Neptun, Sailor Pluto und Sailor Saturn. Dann begegnet natürlich im Laufe der Serie – die aus 226 Teilen besteht und sich deswegen nicht immer nur mit diesen einzelnen Figuren beschäftigt – ein ganzer Zoo von anderen Kriegerinnen. Zum Teil von irgendwelchen Asteroiden und zum Teil von außerhalb des Sonnensystems, aus anderen Planetensystemen und so weiter.

Wie es sich dann so für eine moderne  Animeserie gehört, gibt es natürlich alle möglichen Zaubergegenstände und Verwandlungen, die da stattfinden. So macht Sailor Moon im Laufe der Serie eine Entwicklung durch und findet immer wieder neue Gegenstände, die ihr immer wieder Inkarnationen und Kräfte verleihen.

Sailor Moon ist im ja Grunde eine Comicadaption, das heißt, es gibt eine ihr zugrunde liegende Zeichentrickgeschichte. Die ist – wie typisch für japanische Zeichentrickgeschichten – nicht immer nur fröhlich und positiv. Manche Figuren sterben und es gibt tragische Wendungen. Das hat man dann in den Zeichentrickserien nicht unbedingt immer eins zu eins übernommen. Außerdem war es so, dass die Zeichentrickserie sich schneller entwickelte als die eigentlichen Comics und die Comics zu überholen drohte. Deswegen fing man an, eigene Handlungsstränge in die TV-Adaption zu packen, die so in den Comics gar nicht existierten.

Sailor Moon selbst ist weltweit erfolgreich. Es lief in den USA, in Großbritannien, in Albanien, in Frankreich, in Schweden, in der Türkei, in Marokko, in Spanien, in Portugal, in Polen, in Deutschland, in Österreich, in Griechenland, in Russland, in Ungarn, in Lateinamerika, der Volksrepublik China, in Südkorea, in Malaysia, in Indonesien, in Thailand und auf den Philippinen. Und in das Kino kam es auch.

In Deutschland hatte Sailor Moon seinen Durchbruch erst mit Verzögerung geschafft. Denn zunächst lief es im Zeichentrickblock von ZDF.  Erst als RTL2 die Rechte erwarb und anfing eine Folge pro Werktag zu senden, bekam die Serie auch in Deutschland Kultstatus und hob richtig ab.

Allerdings mussten für die deutsche Adaption ein paar inhaltliche Anpassungen vorgenommen werden, um die deutschen Zuschauer nicht zu sehr zu brüskieren. So war es zum Beispiel so, dass in Sailor Moon eine homosexuelle Beziehung existierte zwischen Haruka und einer Figur namens Michiru. Die wurde dann so umgeschnitten und unsynchronisiert, dass sie in der deutschen Fassung nur noch als eine Art platonische Freundschaft dargestellt wird. Ja, das ist auch in der heutigen Ausstrahlung dieser Serie immer noch so.

Von Sailor Moon gab es übrigens nicht nur diese TV-Serie und die Comics, sondern es gab auch noch drei Kinofilme. Auch die wurden in RTL2 ausgestrahlt und dort lizensiert als “Specials”.  

Interessant finde ich auch, dass für den Soundtrack von Sailor Moon eigens eine Band gegründet wurde, die Super Moonies. Die hatten die Hoffnung mit der Serie als Zugpferd ihre selbst komponierten deutschen Popsongs besser vermarkten zu können. Von denen stammt eben auch die deutsche Intro-Musik im Technostil. Das Projekt gibt es bereits seit dem Jahre 2000 nicht mehr, aber sie sind mit diesem extra Bandprojekt und diesem speziellen Titelsong in einer ganz guten Tradition. Denn schon bei anderen Animeserien, wie zum Beispiel Captain Future, war es so, dass der deutsche Titelsong nichts mit dem Original-Titelsong gemeinsam hatte und einen Erfolg auf eigenen Beinen sozusagen ermöglichte. Die Rechnung ging auch im Wesentlichen auf. Sowohl Sailor Moon als TV-Produkt, als auch als  Merchandising-Marke, als auch als Zugpferd für Musikverkäufe funktionierte überall eigentlich ganz gut. Insbesondere natürlich in seinem Heimatland, in Japan. Dort hatte es zu seinerzeit Erfolgsrekorde gebrochen. Das nicht nur in dem ihm eigentlich zugeteilten Genre, dem Magical-Girl-Genre.

Es gab mehrere Serien und Comics, in denen ein Mädchen durch irgendwelche Gegenstände plötzlich magische Kräfte erlangte, sondern auch ganz allgemein für das Anime- und Manga-Genre. Was unter anderem sicherlich auch daran lag, dass mindestens in Japan, nicht nur Mädchen die Serie gut fanden, sondern eben auch männliche Fans oder auch ältere Zuschauer hatte. Trotzdem kann man das ganze als eine Art Superheldenserie für Mädchen beschreiben.

Es wird auch immer wieder darauf hingewiesen, dass Sailor Moon praktisch des Genre Manga in weibliche Hände gebracht hat und überhaupt erst in unseren Breiten dafür gesorgt hat, dass es Comics speziell für Mädchen im großen Stil gibt.

Übrigens besteht Sailor Moon sogar den Bechdel-Test. Du kennst den Bechdel-Test nicht? Das ist ein augenzwinkernder Test für für Filme und TV-Serien, um festzustellen, ob sie eigentlich aus feministischen Gesichtspunkten haltbar sind. Der Bechdel-Test stellt drei Fragen. Erste Frage: Haben die Akteurinnen in den Filmen, in den Serien, Namen? Sailor Moon, jawoll, die haben alle Namen. Zweite Frage: Reden die auch mal miteinander? Jawoll, die Akteurinnen in Sailor Moon reden auch miteinander. Und das dritte Kriterium, beziehungsweise die dritte Frage ist: Reden die auch über ein anderes Thema als über Kerle? Jawoll, in Sailor Moon reden die auch über was anderes als über Kerle – sogar überwiegend könnte man sagen. Es geht um Freundschaft, es geht um das Retten der Welt, es geht um den Alltag von jungen Mädchen und eben nicht in erster Linie darum, welchen Typen man gerade schon wieder beeindrucken möchte.

Bis bald.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: