287 – Terry Fox und der Marathon of Hope


Terry Fox wurde am 28.7.1958 geboren und war ein Ausnahmeathlet. Als er mit 18 sein Bein an den Krebs verliert started er einen Fundraising Lauf quer durch Kanada mit dem Ziel 24 Millionen Dollar zu sammeln.

https://de.wikipedia.org/wiki/Terry_Fox_(Leichtathlet)
https://en.wikipedia.org/wiki/Terry_Fox
http://www.terryfox.org/

Bild: By Jeremy Gilbert – Transferred from en.wikipedia, Public Domain,https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3354942

 

#287 – Terry Fox und der Marathon of Hope

Heute wird mal wieder eine dieser Datumsepisoden. Und zwar geht es damit um den 28.7. Den 28.7.1958 genau genommen. Denn das ist das Datum, an dem ein Ausnahmeathlet geboren wurde, der Kanadier Terry Fox. Dabei hat Terry erst mal gar nicht so spektakulär angefangen.

Wie viele Kinder in seinem Alter war er ein ehrgeiziger Ballspieler – Fußball, Rugby, Basketball. Keine Sportart war vor ihm sicher und er beeindruckte durch Zielstrebigkeit und Ehrgeiz.

Mit 18 dann kam die verheerende Diagnose. Durch einen Unfall wird entdeckt, dass er an Knochenkrebs leidet und sein Knie befallen ist. Die damalige Medizin kannte da auch nur eine Behandlung: Die Amputation und anschließende Chemotherapie.

Terry ließ sich jedenfalls nicht entmutigen. Er ließ sich den Fuß amputieren und fing mit der Chemotherapie an. Es hatte vor kurzem erst einige Fortschritte in der Bekämpfung von Krebs gegeben und so lernte Terry, dass er nur zwei Jahre zuvor gerade mal eine 15%-ige Überlebenschance gehabt hätte, jetzt aber die Chancen recht gut standen, nämlich 50:50. Naja, gut ist natürlich auch so eine Definitionsfrage.

Terry lässt sich jedenfalls davon nicht entmutigen und bereits drei Wochen nach der Amputation kann er schon mit seiner neuen Prothese herumlaufen. Wenige Wochen später steht er mit seinem Vater auf dem Golfplatz und schwingt den Schläger. Jetzt möchte man meinen, dass ein junger Kerl wie Terry erst mal froh ist dem Tod von der Schippe gesprungen zu sein und sich in der Begeisterung der Ärzte um ihn herum badet, die alle davon beeindruckt sind, wie schnell er sich wieder erholt hatte.

Aber Terry hatte anderes im Sinn. Ihn hatten zwei Dinge beeindruckt. Das eine war die Aussage, dass nur zwei Jahre zuvor seine Überlebenschance gerade mal 15% gewesen waren und jetzt aber durch Fortschritt in der Forschung 50%-ige Überlebenschancen herrschten. Und als zweites beschäftigte ihn die Erfahrung in der Klinik mit anderen Krebspatienten.

Zum einen waren die als Behinderte erstaunlich hilflos und wie Terry fand, auch unnötig hilflos. Er glaubte, dass ein Teil dieser Hilflosigkeit schon daraus entstand, weil den Menschen um sie herum mit ihnen eben wie mit Behinderten sprachen und umgingen. Und dagegen wollte er etwas unternehmen. Er wollte ihnen Hoffnung zurückgeben.

Am Abend vor seiner Amputation hatte Terry einen Artikel über Dick Traum, dem ersten Menschen, der trotz Amputation den New York City Marathon mitgelaufen ist, gelesen. Und davon inspiriert informierte er seine Familie, dass er es genauso wie er machen wollte. Und deswegen fing er mit einem 14-monatigen Marathontraining an.

Prothesen damals waren absolut nicht dafür ausgelegt, athletische Höchstleistungen zu vollbringen. Deswegen musste Terry eigentlich weniger die Fitness aufbauen oder die Lauftechnik lernen, obwohl die schon schwierig genug war, sondern eigentlich musste er lernen, Schmerzen zu beherrschen.

Irgendwann verstand er, dass es ungefähr 20 Minuten brauchte, bevor er nicht mehr über den Schmerz und nur noch über die Strecke nachdenken konnte. Und 1979 war es dann soweit. Im August lief er seinen ersten Marathon. Er ging auch ins Ziel – als Letzter, aber er ging ins Ziel. Und die anderen Läufer erwarteten ihn im Ziel, jubelnd, weinend, klatschend, da war alles dabei.

Terrys Familie dachte, das wäre es jetzt gewesen, aber für Terry war das erst der Anfang. Er hatte erlebt, was es bedeutet medizinischen Fortschritt am eigenen Leib zu spüren. Er wollte Menschen mit Behinderungen Hoffnung geben und er wollte dazu beitragen, den Krebs zu besiegen. Einen Dollar pro kanadischen Bürger – 24 Mio. Dollar also – wollte er sammeln. Und die Idee: Er würde einen Marathon täglich laufen. Einmal quer durch Kanada, vom Atlantik bis zum Pazifik.

Als Vorbereitung hatte er einige Unternehmen und auch die Krebsförderung bei ihm im Land angeschrieben und über sein Vorhaben informiert. Trotzdem war am Anfang kaum Aufmerksamkeit auf seinem Projekt. Erst nach und nach bekam die Öffentlichkeit mit, was sich da in Kanada abspielte. Und als dann schließlich noch der Besitzer der Four Season Hotels and Resort Kette von der Aktion Wind bekam, war Terry Fox endgültig ein Medienphänomen.

Bis auf wenige Ausnahmen lief er in der Tag jeden Tag einen Marathon. In den Städten, in denen er dann ankam unter immer größeren Hallo muss man dazu sagen, gab er dann Reden oder nahm an Veranstaltungen teil, die eben zum Einsammeln von Spenden gedacht waren. Und seine Geschichte ging um die Welt. Insbesondere dann aber auch das Ende seines Laufes.

Am Tag 143, nachdem er 5.373 km gelaufen war, musste Terry Fox seinen Lauf abbrechen. Schmerzen in der Brust und anhaltende Hustenanfälle zwangen ihn dazu ein Krankenhaus aufzusuchen. Da wurde dann festgestellt, dass sein Krebs wieder zurück war und Metastasen in der Lunge gebildet hatte.

Als Terry Fox abbrach, hatte er 1,7 Mio. Dollar Spendengelder gesammelt. Inzwischen war er ein Celebrity, den viele im Land kannten. Und so war es auch sehr öffentlich, dass er jetzt mit einem Rückfall zu kämpfen hatte. Eine Woche nachdem er seinen Lauf beendet hatte, organisierte die TV-Station CTV einen landesweiten Telefund. Das ist ein mehrstündiges, manchmal sogar mehrtägiges Spendensammelevent im Fernsehen. In dem Fall waren es fünf Stunden und es kamen dabei 10,5 Mio. Dollar zusammen.

Und es wurde weiter gespendet, auch als der Telefund abgelaufen war, blieben die Spendenhotlines offen und über den gesamten Winter hinweg liefen Spenden auf. Im April des Folgejahres waren 23 Mio. Dollar zusammen. Er wurde noch im selben Jahr mehrfach geadelt und ausgezeichnet. Einige dieser Auszeichnungen wurden ihm allerdings in Abwesenheit verliehen, denn er war schon wieder in Chemotherapie.

Im Juni 1981 wurde er dann ein letztes Jahr in eine Klinik eingewiesen und verstarb dort. Sein Marathon of Hope allerdings, der wirkt bis heute fort. Zum einen erinnern in Kanada gleich mehrere Gedenkstatuen in verschiedenen Städten an diesen Läufer, der es geschafft hat das ganze Land, ganz unabhängig von Herkunft und sozialem Status zusammenzubringen. Menschen von überall her und von jeglichem Stand kamen zusammen und unterstützten seine Sache.

Die Terry Fox Foundation organisiert deswegen auch jedes Jahr ihm zu ehren, wie soll es anders sein, einen Marathonlauf. Beim allerersten Terry Fox Run nahmen über 300.000 Menschen teil. Die Terry Fox Foundation investiert – wie soll es auch anders sein – nach wie vor in die Krebsforschung. Der spezielle Krebs, der Terry Fox das Leben gekostet hat, ist inzwischen auch wesentlich besser beherrschbar als zu seiner Zeit.

So können sich die meisten eine Amputation ersparen und die Heilungschancen stehen bei jungen Patienten bei 80% und bei älteren Patienten immerhin noch 70%. Und das ist nicht zuletzt den 650 Mio. Dollar zu verdanken, die die Terry Fox Foundation seither einsammeln konnte.

Terry Fox jedenfalls findet man überall in Kanada. 32 Straßen sind nach ihm benannt, 14 Schulen, 14 andere Gebäude. Es gibt 7 Statuen, unter anderem das Terry Fox Monument in Ottawa. 9 Fitnesspfade sind nach ihm benannt. Es gibt mehrere Quellen, die nach ihm benannt sind und natürlich trägt auch ein Krebsforschungslabor seinen Namen. Das steht in Vancouver – das Terry Fox Laboratory.

Auch in Erinnerung bleibt seine Einstellung gegenüber Behinderungen. Er hat sich immer geweigert sich bemitleiden zu lassen. Und in Interviews stellte er heraus, dass sein Leben, seit er sein Bein verloren hatte eigentlich sogar besser geworden wäre.

Bis bald.

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