372 Brennende Autos


Themenpate: @adamosbach

Autos brennen erstaunlich oft, besonders oft in Silvesternächten und anscheinend auch gehäuft in Paris oder Berlin.

Bild: By Richard Hopkins – Flickr: Burning car, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16057099

 

 

#372 Brennende Autos

372 Autos haben 2016 in Berlin gebrannt. Oder um es genauer zu sagen, sie wurden angezündet und da fragt sich unser Themenpate @adamosbach zurecht, wie ich finde: Was ist denn da los?

Mögliche Gründe gibt es einige. Linker oder rechter Terror, Versicherungsbetrug, Rache an einem Ex-Geliebten oder einer Ex-Geliebten, alles dabei. Und unvermittelt stellt man sich bei einer Meldung wie dieser Randale vor, Krawalle, Demonstrationen, Autos, die angezündet werden aus Protest. Das ist aber nicht immer so. Manchmal werden Autos auch einfach nur aus Vandalismus heraus angezündet. Vielleicht sind auch Pyromanen unterwegs.

Es gibt ja durchaus Städte, in denen brennen Autos häufiger als in anderen. Nach dieser Meldung aus Berlin habe ich mal geschaut, ob es vielleicht in München genauso hergeht, oder in Hamburg, oder in Frankfurt, wo ich wohne und ich kann vermelden: Nein, nein! Bei uns brennen Autos eigentlich eher selten. Dann sind sie auch eher selten absichtlich angezündet. Oder vielleicht muss ich das auch kurz einschränken: zumindest machen diese Autos dann keine Schlagzeilen.

Anders sieht das in Frankreich aus. In Paris haben alleine in der Silvesternacht 650 Autos gebrannt. 650! Und das ist eine Zahl, die übrigens schon zurückgegangen ist – das war schon mal höher. Man muss dazu wissen: In Paris ist das anzünden von Autos fast schon so eine Art liebgewonnenes Ritual. Das macht man da anscheinend so.

So haben zum Beispiel Silvester 2015 gleich 940 Fahrzeuge gebrannt. Das Ganze scheint zwar Bundesweit ein Thema zu sein. Es gibt zum Beispiel auch Artikel darüber, dass in Leipzig und Dresden auch Autos brennen, aber man kann wohl mit Fug und Recht sagen: Es ist ein Stadtthema. Es scheint ja auch den Tätern meistens relativ egal zu sein, wessen Auto sie da so abbrennen oder es sind ganz gezielte Anschläge auf Leute des öffentlichen Lebens oder auch Ausländer – je nachdem, ob wir jetzt von rechtsextremen oder linksextremen Taten reden. Ja und da scheint es wohl in Städten nicht nur eine weiterentwickelte Demonstrationskultur zu geben, sondern eben in manchen Städten eben auch eine entsprechend gewaltbereite Szene.

In der Polizeistatistik werden solche Fälle natürlich schlicht als Brandstiftung geführt. Interessant ist da sicherlich die Unterscheidung zwischen Brandstiftung mit und ohne politischem Motiv, aber das kann man nur indirekt aus den Statistiken erfassen.

Im Schnitt sind im Jahr jedenfalls in Deutschland zwischen 20.000 und 30.000 Brandstiftungen zur Anzeige gebracht worden und das ziemlich konstant kann man sagen, in den letzten 20 Jahren. Da gab es mal Ausreißer, 2003 zum Beispiel war ein ungewöhnlich brandstiftungsintensives Jahr, genauso wie das Jahr 1999 und 2000, aber in der Regel bewegen wir uns zwischen 19.000 und 25.000.

So und als besonderen Service für die Berliner Hörer des Anerzählt-Podcasts, hoffe ich, dass Du Dein Auto nicht unbedingt gerade in Friedrichshain, Kreuzberg, Treptow, Köpenick, in Mitte oder in Neukölln parkst, denn das sind anscheinend die Stadtteile, in denen es am häufigsten zu Spontanentzündungen geparkter Autos kommt.

Bei politisch motivierten Fahrzeugbränden übernimmt übrigens der polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen. Das ist also schon ein bisschen ernsthafter als einfach nur Vandale. Allerdings brennen die meisten Autos aus anderen Gründen: Die rechten Idioten zünden meistens ja eher Flüchtlingsheime an und eher seltener Fahrzeuge.

Bleibt vielleicht noch eine letzte Feststellung: 372 brennende Autos klingt natürlich nach einer Menge, aber bei knapp 1,2 Millionen Fahrzeugen, die in Berlin zugelassen sind, ist es doch ein verschwindend geringer Anteil.

Bis bald.

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