449 Tage Streik

Themenpate: @nicht_sicher_

Streiks gibt es wahrscheinlich schon immer, sicher wissen wir aber dass es sie seit dem Jahr 1152 v. Chr. gibt.

Bild: By ubahnverleih – Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40053001

 

 

#449 – 449 Tage Streik

Den Themananker von heute, den kann man nur als Schuss in den Ofen bezeichnen. Und zwar geht es um einen Streik, um den längsten wilden Firmenstreik in der Geschichte Deutschlands. Der hat 449 Tage gedauert und er traf das Zementwerk Seibel & Söhne in Erwitte (NRW). Die traten im März 1975 in den Ausstand und zwar deswegen, weil ihnen Kündigungen drohten. 150 Beschäftigte beteiligten sich und das war deswegen ein sogenannter wilder Streik, weil der von der Gewerkschaft nicht mitgetragen wurde. Es war deswegen ein Schuss in den Ofen, weil die Streikenden nicht nur ihr Ziel nicht erreicht haben – nämlich ihren Arbeitsplatz zu sichern – nein im Gegenteil,  sie haben sich sozusagen selber ein Ei gelegt, weil der Fabrikant schlicht und ergreifend ihnen die Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit verweigert hat und stattdessen die Produktion mit neuen Arbeitern weitergeführt hat. Ja das geht! Besonders bei wilden Streiks geht so etwas.

Da haben wir es mit einer Art Streikkultur zu tun, die es längst nicht überall auf der Welt gibt. Ein guter Freund und Kollege von mir hat einmal gesagt, was regt ihr Euch in Deutschland eigentlich über Streiks auf? Die werden wenigstens angekündigt und haben einen Anlass. Das stimmt schon. In anderen Ländern sind Streiks, sagen wir einmal, etwas dynamischer. Wir sind halt dann doch irgendwie Deutsche und können nicht aus unserer Haut.

Der erste dokumentierte Streik der Geschichte –  also eine Arbeitsniederlegung, Angestellte oder Beschäftigte die sich weigern zu arbeiten – der stammt aus dem Jahre 1152 vor Christus, zumindest wenn man dem Guinness Buch der Rekorde glauben darf und fand in Ägypten statt. Da haben sich nämlich Arbeiter des Pharao Ramses III. verweigert und die wollten nicht etwas 3% Lohnerhöhung, sondern ordentlich mit Essen versorgt werden.

Der längste Streik der Welt, der fand in den USA statt. 2003 legten nämlich alle 130 Mitarbeiter des Congress Hotels in Chicago aus Protest gegen Lohnkürzungen, die Arbeit nieder. Der Streik dauert dann zehn Jahre. Dann hat ihn die Gewerkschaft beendet und es wurde nicht eine Streikforderung durchgesetzt.

Streiks können manchmal ganz schöne Dimensionen annehmen. Ein beeindruckendes Beispiel stammt aus dem Jahre 1984. Damals ging es um Lohnerhöhungen und mehr Wirtschaftsdemokratie, also Mitsprachemöglichkeiten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hatte zu so eine Art Generalstreik oder wie es damals genannt wurde, generalstreikähnliche Arbeitsruhe, aufgerufen. Diesem Aufruf kamen mindestens 8 Millionen Arbeitnehmer nach.

Beim Thema Streik jedenfalls bin ich selbst hin- und hergerissen. Da gibt es Streikende, denen gehört meine uneingeschränkte Sympathie, wenn zum Beispiel Kindergärtnerinnen streiken, oder Altenpfleger oder dergleichen. Nicht nur, weil deren Tätigkeiten chronisch unterbezahlt sind und die eine riesen Last in der Gesellschaft tragen, sondern auch, weil die das nicht so oft tun.

Dann gibt es noch die Streiks in Verkehrsbetrieben. Tut mir jetzt leid, falls Du zufällig bei der Lufthansa arbeitest und da sicherlich aus völlig nachvollziehbaren Gründen auch schon im Ausstand warst, aber mir fällt es jedesmal schwer, Verständnis dafür aufzubringen, wenn schon wieder irgendeine Berufsgruppe der Lufthansa im Ausstand ist. Insbesondere, wenn es dann gerade noch die Piloten sind, die mit 73.000 € Einstiegsgehalt nicht gerade zu den armen Schluckern gehören.

Ich persönlich hatte bei jedem dieser Streiks irgendwie Spaß. Trotzdem ist es eine Errungenschaft, dass wir Streikrecht haben, dass wir die Möglichkeit haben, unsere Interessen durchzusetzen und so wie der Kollege gesagt hat, unsere Streiks einigermaßen geordnet und angekündigt ablaufen.

Vielen lieben Dank an unseren Themenpaten heute. @nicht_sicher hat beigesteuert und dem kann man übrigens auch prima folgen.

Bis bald.

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