Volkswagen EA 189


Die heutige Episode wurde von @nosupermum vorgeschlagen…

Seit einigen Monaten ist VW mit einem Abgasskandal in den Nachrichten. Um Abgasbestimmungen zu umgehen entwickelten VW Ingenieure Software für die Steuerungsanlage des Motors, die erkannte wenn Tests durchgeführt wurden und dann den Motor entsprechend aussteuerten. Der Motor um den es geht trägt den Namen WA 189…

Der Vortrag auf der 32c3 zum Thema:

Bild: Von Tony Hisgett from Birmingham, UK – VW Tiguan engineUploaded by oxyman, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15371124

 

 

#189 – Volkswagen EA 189

Auf den heutigen Themenvorschlag hätte ich irgendwie auch selber kommen können, aber bin ich nicht. Ich hing völlig uninspiriert – und das kam jetzt bei den 180ern ein paar Mal vor – in Twitter rum und habe mal gefragt, ob irgendwer was zur Nummer 189 parat hätte. Und da hat @nosupermum geantwortet und den VW Motor EA 189 vorgeschlagen.

Das ist für die, die damit jetzt spontan erstmal nichts anfangen können, das Dieselaggregat bei dem VW so ein bisschen – naja, sagen wir doch mal, die Regeln freizügig ausgelegt und im Wesentlichen Gesetze ignoriert hat.

Ich bin Touran-Fahrer, zumindest noch. Bis mein Sixt Privatleasing Vertrag im Dezember ausläuft. Danach bin ich autofrei-in-der-Stadt-Wohner, aber bis dahin eben wie gesagt Touran-Fahrer. Und mein Touran ist ein Diesel und mein Touran ist ein Diesel, der von der Umrüstungsaktion betroffen ist. Wahrscheinlich darf ich das noch machen, kurz bevor ich mein Auto Sixt zurückgebe. Denn: Neben den vielen wunderbaren Dingen, die ich nicht über Privatleasing wusste, habe ich auch gelernt, dass ich verpflichtet bin, solche Werkstatttermine wahrzunehmen.

Jedenfalls ist besagter Motor ein TDI Diesel und das ist ein Dieselmotor, der von VW in verdammt vielen Fahrzeugen verbaut wird. Und nur, um es mal komplett zu machen: VW ist ja mitnichten jetzt nur Volkswagen. Da gehört ja Audi dazu und Skoda und Seat und eben auch die Hausmarke Volkswagen.

Aber was haben die da eigentlich ganz genau gemacht? Ich bin jetzt weder Motorexperte, noch so richtig bewandert in den rechtlichen Rahmenbedingungen über die wir hier sprechen. Aber in laienhaften Worten zusammengefasst ist es wohl so, dass es maximale Abgaswerte gibt, die Motorenhersteller zu befolgen haben. Um das zu überprüfen gibt es Tests für solche Motoren und es war wohl so – wenn ich das richtig verstanden habe -, dass VW in seiner Motorensteuerung Logik verbaut hat, die erkannte, wenn der Motor eben nicht im Verkehr im Einsatz war, sondern geprüft wurde. Und in dem Fall einer Prüfung eben ein anderes Verhalten zeigte, als in echten Verkehrssituationen.

Auch im 32c3, das ist ein Kongress, der jedes Jahr stattfindet, ausgerichtet vom Chaos Computer Club in dem unter anderem die Hackerszene und die IT Security Szene sich für alle möglichen Themen austauscht, gab es diesmal auch einen Vortrag zu dem Thema – den verlinke ich wie immer in den Notizen, wo man sich dann etwas genauer um die Zusammenhänge informieren kann.

Der Knaller ist ja, was es dann so an Reaktionen gab. Ich habe zum Beispiel tatsächlich auch schon die Aussage gehört, es wäre ja verdächtig, dass die USA bevorzugt plötzlich europäische Automobilhersteller prüfen würden. Inzwischen wissen wir: Es sind auch noch andere Hersteller betroffen. Die haben zum Teil andere Methoden und andere Unregelmäßigkeiten, aber anscheinend war es branchenweit üblich zu bescheißen – um es mal so zu formulieren. Und ich finde die Aussage auch spannend. Denn, nur weil es irgendwie jeder macht und nur, weil es womöglich irgendwie bekannt war und nur, weil im Moment gerade  unsere Automobilbranche mit in den Fokus gerückt ist, macht es das ja nicht weniger brisant, wenn ein Konzern wie VW beschließt gängige Gesetzgebung zu ignorieren.

Die Kosten der Rückrufaktion gehen jedenfalls in die Milliarden. Zurückgestellt wurden immerhin 6,7 Milliarden. Und wer jetzt das Gefühl hat “Oh mein Gott! Das trifft VW doch mit voller Macht”, der sei mal beruhigt. Also einmal waren die Anleger anscheinend zufrieden. Der Kurs ging dann erstmal hoch und zum zweiten ist es so, dass VW wohl um die 28 Milliarden Euro an Bargeld hat und damit auch diese Kosten einfach mal tragen kann. Rückruf, Reparatur, einen Wertverlust, Kosten ungefähr 1.500 Euro pro Fahrzeug. Macht dann bei 11 Millionen Betroffenen Autos insgesamt 16,5 Milliarden Euro. Das ist jetzt nicht unbedingt was, was VW aus der Portokasse zahlt, aber sie können es sich leisten.

Wovor sie dann eher Schiss haben, sind eventuelle Schadensersatz- und Rechtskosten, denn da wird so einiges auf sie zurollen. Da wird manchmal auch nochmal mit ungefähr 10 Milliarden Euro gerechnet. Dann gibt es noch Verkaufseinbußen, Rabatte, Preissenkung, etc. und da würde es jetzt wirklich bedrohlich werden, wenn diese Kosten alle auf einmal kämen. Dann sprechen wir nämlich insgesamt von irgendwas zwischen 30 und 50 Milliarden Euro, aber das passiert ja nicht auf einen Rutsch und natürlich helfen wir als Steuerzahler ja auch unserer Lieblingsindustrie. Das heißt, da kann man ja dann schon irgendwo ein bisschen ein Auge zudrücken oder zwei.

Dann ist es natürlich auch noch so, dass es Märkte gibt, wie zum Beispiel China, in denen es den Käufern wahrscheinlich einfach mal Wumpe ist, ob VW in den USA sich nun an die Regeln gehalten hat oder nicht.

Bis bald.

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