Wartburg 311 =^_^=

====> 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera <====

Schon im August wünschte sich Hörer Axel per Mail von mir, Folge 311 über den Wartburg 311 zu machen.

Ein Auto mit unklarer Schaffensgeschichte, das bis heute als ein Schmuckstück der DDR Automobilfertigung dient. Sozusagen der Merzedes der DDR…

https://de.wikipedia.org/wiki/Wartburg_311
http://wiki.w311.info/index.php?title=Der_Wartburg_311

Bild: Von Wikipedian Vladimir Krupka (Czech Wikipedia) – Wikipedian Vladimir Krupka (Czech Wikipedia), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1288106

 

 

#311 – Wartburg 311

Etwas länger vorausgeplant hat diesmal der Axel. Der hat mich nämlich schon am 26. August angeschrieben, um einen Vorschlag für Anerzählt loszuwerden. Er wollte nämlich Themenpate für Sendung Nr. 311 sein. Da nämlich, so findet er und ich finde, er hat recht, kann der Anerzählt ruhig mal wieder ein Auto-Thema vertragen. Und zwar sozusagen einen Oldtimer in Erinnerung rufen, nämlich den Wartburg 311.

Und da sprechen wir von vielleicht dem einzigen Auto aus der DDR, das außerhalb der DDR Anerkennung gefunden hat. Der war nämlich, sowohl technisch als auch optisch durchaus auf der Höhe der Zeit. Welche Zeit war das? – Wir reden von 1955. Und der Wartburg 311, den es übrigens auch noch in einer sportlichen Variante – den 312 300 dann später geben sollte – der lief immerhin zehn Jahre lang vom Band, 1955 bis 1965 nämlich.

Jedenfalls war der Wartburg 311 derart beliebt, dass er sich sogar außerhalb des sozialistischen Wirtschaftsraums verkaufen ließ und damit war das natürlich ein wichtiges Mittel zur Devisenbeschaffung, das der DDR zur Verfügung stand.

Den Wartburg 311 gab es in verschiedenen Karosserie-Versionen: Limousine, Kombi, Coupé, Cabrio, Kübelwagen, Pick Up – alles da. Er hatte einen Zweitaktmotor und der hatter, wie die Wikipedia es so freundlich ausdrückt, einen recht unkultivierten Leerlauf. Er produzierte ganz schön Erdgasfahnen.

Ansonsten kann man auf jeden Fall sagen, dass der Wartburg 311 auch heute noch viele Liebhaber hat. Über 240.000 von diesen Gefährten fuhren vom Band und einige davon sind auch heute noch als wohl erhaltene Oldtimer unterwegs. Und das obwohl beim Wartburg 311 Fahrwerk und Karosserie als verhältnismäßig problematisch gelten.

Spannend ist dann auch noch die Legende, dass der Wartburg 311 so eine Art schwarzproduzierte Fahrzeugentwicklung gewesen sein soll. In der DDR damals herrschte Planwirtschaft. Das heißt, es wurde nichts produziert, was nicht entsprechend durch die Partei abgesegnet worden war. Nun soll es beim Wartburg 311 aber so gewesen sein, dass der Werksleiter, Martin Zimmermann, damals bereits eine vollständige Entwicklungsreihe durchgeführt hatte und auch einen Prototypen hat bauen lassen, aber die Genehmigung noch ausstand. Und streng genommen hätte er eigentlich keinen Strich an der Fahrzeugentwicklung arbeiten dürfen, ohne vorher diese Genehmigung eingeholt zu haben. So machte sich, völlig unangemeldet, Werksleiter Martin Zimmermann dann wohl einfach mal mit dem Musterfahrzeug auf den Weg nach Berlin. Das Ziel war das Ministerium für Maschinenbau.

Der zuständige Minister war aber wohl gerade aushäusig und so entschloss Zimmermann sich eben nicht mit dem zuständigen Minister zu sprechen, sondern gleich mit dem Zentralkomitee der SED. Die jedenfalls standen dann erst mal staunend vor einem auf hochglanz polierten, viertürigen IMW 311, wie er damals hieß und beschlossen dann, diesen doch wohl recht prachtvollen und immerhin fertig entwickelten tollen Wagen doch noch nachträglich zu genehmigen.

Martin Zimmermann bekam eine Strafe aufgebrummt, so geht die Geschichte weiter, die er dann auch in Raten abgezahlt hat und dann zusammen mit seiner letzten Rate eine Prämie erhielt, die in gleicher Höhe gewesen sein soll und damit diese Strafe auch wieder ungeschehen machte. So wurde dann praktisch das Gesicht gewahrt, die Form gewahrt und dann angesichts des inzwischen eingestellten wirtschaftlichen Erfolgs des Wartburg 311 eben eine entsprechende Belohnung ausgehändigt.

Naja, ob das wirklich so war, weiß man übrigens nicht. Es gibt auch die Behauptung, dass eigentlich alles ganz offiziell gewesen sein soll und es den Rest der Geschichte so nie gegeben habe. Jedenfalls war das Fahrzeug auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1955 offiziell einem Publikum vorgestellt worden und danach eben im Verkauf.

[Hintergrund: Motorgeräusch vom Wartburg 311]

So klang er, der Mercedes des Ostens – unkultivierter Leerlauf, huh? Naja.  

Bis bald.