341 Millionen in kleinen Bitcoins


Themenpate: @zmahlzeit

Carlo Ponzi hat sich einen Namen in Sachen Investitionen gemacht und inspiriert Betrüger seit fast 100 Jahren…

Bild: PD-US, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=20806243

 

 

#341 Millionen in kleinen Bitcoins

Mr. Ponzi, Carlo Ponzi oder wie er sich später nannte, Charles Ponzi, war derart erfolgreich, dass bis heute eine ganze Klasse von Geschäftspraktiken nach ihm benannt sind. Freilich nicht unbedingt gerade gute Geschäftspraktiken – die sogenannten Ponzi Schemes. Aber ich will nicht voraus greifen. Carlos Ponzi war ein Geschäftsmann. Er war am 3. März 1882 in Italien geboren worden und lebte überwiegend in den USA und in Kanada. Seine Geschichte liest sich am Anfang wie der amerikanische Traum.

In Italien ging es ihm eigentlich nicht besonders gut. Seine Familie war nicht besonders wohlhabend und konnte sich mit Ach und Krach seine Ausbildung leisten. Einige seiner Freunde waren aber während seiner Universitätszeit in die USA gezogen und als reiche Männer zurückgekommen. Und so legte Ponzis Familie ihm nahe, das doch vielleicht genauso zu machen. Das ist doch auch super. Rüberreisen, reich werden, zurückkommen, in Saus und Braus leben – so in etwa die Kernidee. Und genauso versuchte er es dann auch.

Am 15. November 1903 kam er mit der SS Vancouver in Boston an. In seiner Tasche: 2 Dollar und 51 Cent. Das war der traurige Rest seiner gesamten Ersparnisse und der Ersparnisse seiner Familie, denn die hatten sicherlich nicht damit gerechnet, dass Ponzi bei der Überfahrt aus Langeweile einfach mal alles Geld verspielen würde.

Wie sich das so gehört für jemanden, der sein Glück machen möchte in den USA, nahm er dann alle möglichen Jobs an und wurde zum Beispiel Tellerwäscher. Von da hat er sich eine Weile lang hochgearbeitet, wurde irgendwann auch Ober und dann gefeuert, weil er das mit dem Wechselgeld und dem Rückzahlgeld halt nicht immer so genau genommen hat. Kurz gesagt: So richtig rund lief es nicht für Carlo und deswegen zog er irgendwann auch nach Kanada. Und in Kanada, da wendete sich das Blatt.

Zunächst mal bekam er einen Job bei einer Bank. Ponzi war ganz allgemein jemand, der sehr sympathisch war und charmant sein konnte. Er sprach flüssig Französisch, Englisch und Italienisch und war das, was man so allgemein einfach mal so einen sympathischen Kerl nennen würde.

Es war wahrscheinlich in dieser Bank, in der Ponzi zum ersten Mal auf die Idee kam, das zu tun, was später als das Ponzi Scheme bekannt werden sollte. Die grundsätzliche Idee: Man macht Schulden bei Leuten, verspricht denen enorme Gewinne und bezahlt diese Gewinne aus, indem man bei neuen Investoren wieder Schulden macht. Ponzi saß sozusagen in der ersten Reihe um das zu beobachten. Sein Chef von der Bank bei der er arbeitete, handelte nämlich genauso. Er zahlte 6% Zinsen aus. Für die damalige Zeit enorm viel Bankzinsen und das tat er, indem er jedes Mal, wenn Neuinvestoren an Board kamen, die neue Investition verwendete, um eben die Zinsen zu bezahlen. Das ging freilich nicht ewig gut und schließlich ging die Bank schlicht pleite.

Ponzi versuchte dann erstmal der Familie des jetzt flüchtigen Bankmanagers zu helfen und fälschte dafür einen Scheck. Leider wurde er dabei erwischt und das brachte ihm erstmal Knast ein. Danach ging es eine Weile lang auf und ab. Als er aus dem Gefägnis freigekommen war, arbeitete er in einer ganzen Reihe von Unternehmen und lernte irgendwann auch seine spätere Frau kennen.

1919 ging er dann unter die Gründer und startete sein eigenes Unternehmen. Und das war auch das Jahr, indem ihm die Idee für das spätere Ponzi Scheme und das sogenannte IAC Scheme kam. Er entdeckte nämlich, dass es eine Art Portosystem gab, mit dem man sozusagen Poro zwischen Ländern vorbezahlen konnte. Ich konnte sozusagen von Europa in die USA einen Brief schicken und statt dem Rückporto einen sogenannten Rückportoschein beilegen. Der wiederum war abhängig von Kursschwankungen, weil der war natürlich immer in der jeweiligen Landeswährung gekauft. Und Ponzi sah darin eine Chance durch Spekulation Geld zu verdienen.

Zuerst mal hat er versucht dafür Kredite aufzunehmen, aber die Banken waren nicht gewillt ihm Geld für diese Aktion zu leihen und deswegen hat er dann kurzerhand eine eigene Handelsgesellschaft dafür gegründet und Investoren gesucht. Denen versprach er das Blaue vom Himmel herunter. Bis zu 50% Gewinn in 45 Tagen und 100% Gewinn in 90 Tagen. Was für ein Hammer Zinssatz! In Zeiten, in denen Banken über’s Jahr 5% Zinsen versprachen, war natürlich 100% in 90 Tagen spektakulär. Das und das gewinnende Wesen von Ponzi sorgte dann dafür, dass die Leute ihm Geld liehen und er lieferte.

Bald schon bekamen die ersten, die in ihn investiert hatten, ihre Gewinne ausbezahlt und das sprach sich natürlich rum. Mehr und mehr Leute steckten ihr Geld in Ponzis Unternehmen und die Spirale drehte sich mit jedem erfolgreich ausgezahlten Investor schneller. Innerhalb des ersten Jahres machte Ponzi 420.000 US-Dollar. Nach heutigen Maßstäben wären das fast 5 Millionen US-Dollar. Und das muss man sich vor Augen führen: Eigentlich hatte er ursprünglich mal ohne Geld angefangen.

Diese Traumgewinne begründete er immer wieder mit diesen Post-Coupons. Das wäre alles eine Frage der richtigen Auswahl in der Investition und daher kämen diese Traumgewinne. So erklärte er seinen Investoren. Hatte er im Mai 1920, 420.000 Dollar gemacht, dann waren es im Juni schon 2,5 Millionen. Im Juni hatte er über 1 Millionen Dollar pro Woche. Das wären nach heutigen Maßstäben ungefähr 10 Millionen pro Woche.

Aber das war nicht das Ende: Noch einen Monat später im Juli, da nahm er das täglich ein. Und Ponzi machte sich eigentlich gar keine Mühe, um diese Auszahlungen in irgendeiner Form durch echte Gewinne gegenzurechnen. Die Leute, die in ihn investierten, die waren auch oft finanziell nicht sonderlich bewandert. Das waren Arbeiter. Menschen, die sich im Bankenwesen und Investitionsfragen nicht besonders auskannten.

Kundige Augen hätten nämlich auch sofort gesehen, dass diese Maschinerie, obwohl jeden Tag über 1 Millionen US-Dollar reinkamen, unglaubliche Verluste produzierte. Und selbst, wenn Ponzi versucht hätte, wirklich diese Gewinne zu erzielen und mit diesen Post-Coupons zu handeln – es wäre bei der Anzahl von Investoren und der Anzahl von Investitionen allmählich auch physikalisch nicht mehr möglich gewesen.

Ponzi hatte 15.000 Investoren. Hätte er mit den Investitionen entsprechende Coupons gekauft, dann hätte er mehrere Schiffe von der Größe der Titanic anfüllen müssen. Er versuchte freilich anders an Gewinne zu kommen. Er kaufte eine Maccheroni-Firma und investierte in ein großes Weingut, aber auf die Art konnte man natürlich nicht 50% Gewinne oder gar 100% reinholen.

Indes pflegte Ponzi einen luxuriösen Lebensstil. Er kaufte sich große Anwesen. Er warf mit Geld geradezu um sich und wann immer jemand auf die Idee kam ihn anzuzweifeln, zog er ihn vor Gericht und verklagte ihn und gewann da auch mehrmals. Denn es stellte sich als relativ schwer heraus, mit den damaligen Mitteln nachzuweisen, dass so ein Unternehmen unter Umständen gar keine Gewinne abwerfen konnte. Dafür gab es einfach viel zu wenig greifbare Informationen, die man hätte auswerten können.

Wer waren schließlich die Investoren? Wieviel hatten die investiert? Welche Unternehmen bekamen von Ponzi Geld und welche Gewinne erzielte er denn nun wirklich? Das alles lag im Dunkeln und so konnte Ponzi jeweils diese Prozesse gewinnen und damit natürlich erstmal seine Glaubwürdigkeit unterstreichen.

Endgültig zusammengebrochen ist es dann durch eine Untersuchung, die ein Journalist angestrengt hat – Clarence Barron, ein Finanzjournalist, der unter anderem die Dow Jones & Company leitete, untersuchte das Ponzi Scheme. Dem war nämlich aufgefallen, dass Ponzi in sein eigenes Unternehmen anscheinend gar nicht investierte. Außerdem hatte er mal nachgerechnet, wie viele Post-Coupons eigentlich hätten gekauft werden müssen nach öffentlich bekannten Informationen und war auf eine Zahl gekommen, die größer war, als die eigentlich in Umlauf befindlichen Coupons. Und zwar nicht nur so ein bisschen größer. Eigentlich im Umlauf waren ungefähr 27.000. Die Berechnung von Clarence Barron aber, die kam auf in etwa 160 Millionen.

Es folgten Presseartikel, gefolgt von Investorenzweifel, gefolgt von einer großen Menge von Investoren, die ihr Geld zurück verlangten und nach und nach brach dieses ganze System da zusammen, wo es eigentlich sowieso schon seinen Schwachpunkt hatte – nämlich beim Zulauf neuer Investoren. Ponzi war Bankrott, so schnell wie er zu seinem Reichtum gekommen war und er zog gleich drei Banken, die in ihn investiert hatten mit ins Grab – also ins Finanzgrab, nicht ins Richtige.

Natürlich wurde ihm der Prozess gemacht; natürlich wurde er verurteilt. Er saß ein und als er da nach Jahren wieder rauskam, war es vorbei mit dem glamourösen Leben. Ponzi starb in Italien an einem Herzinfarkt und in Armut.

Seine Betrugsidee war allerdings so berühmt geworden, dass sie bis heute als Ponzi-Scheme bekannt ist und immer mal wieder durchgezogen wird. Und das ist auch der Themenanker für heute: Am 10.02.2015 nämlich flog ein solches Ponzi-Scheme auf. Da schloss nämlich überraschend eine Bitcoin-Börse ihre Pforten. Bitcoin, das ist eine sogenannte Kryptowährung, also eine mathematische Währung, mit der man eben bezahlen kann, im Internet und anderswo. Und die wird eben an verschiedenen Börsen und Marktplätzen auch gehandelt, damit wird auch spekuliert.

Ein solcher Marktplatz war mycoin und mycoin versprach märchenhafte Gewinne auf die dort getätigten Investitionen. Und die Leute investierten und räumten Gewinne ab. Bis eben zum 10.02.2015. Da war sie nämlich weg, diese Börse. Und mit ihr 341 Millionen Euro. Eine spätere Analyse hat dann ergeben: Das war ein Ponzi-Scheme. Wir erinnern uns: Von einem Geld leihen, Mordszinsen versprechen und dieses Versprechen schlicht mit dem Geld wahrmachen, das man vom nächsten pumpt.

Die Betreiber der Börse sind immer noch auf der Flucht. Die Kohle ist weg. Bitcoin gibt’s immer noch, aber man ist vorsichtiger geworden. Und für den Hinweis auf diese 341 Millionen als Themenanker danken wir heute mal wieder einem Themenpaten, nämlich dem altbekannten @zmahlzeit.

Bis bald.

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