164 – Stigmata


Stigmata nennt man misteriöse Wunden, die die Wundmale Jesu nachempfinden und bei meist frommen Menschen auftauchen. Je nach Quelle gibt es zwischen 100 und 700 dokumentierten Fällen und die Erklärungen reichen von paranormalen Vorgängen bis zu Selbstverstümmelung.

http://www.hoaxilla.com/hoaxilla-164-stigmata/
https://de.wikipedia.org/wiki/Stigmatisation
http://blog.gwup.net/tag/stigmata/
http://www.kathpedia.com/index.php/Wundmale
http://www.imdb.com/title/tt0145531/

Bild: Mefusbren69Own work, Public Domain,https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7323101

 

 

#164 – Stigmata

Tja, dieses Mal hätte ich wirklich einen Publikumsjoker gebrauchen können. Oder hast Du einen Vorschlag, was man für die 164 sinnvoll als Thema nehmen könnte? Eben. Und irgendwann mal in meiner Recherche und Suche ging ich deswegen auf die Suche nach Alternativthemen, die zum Beispiel in anderen Podcasts behandelt wurden. Und da landete ich bei Episode 164 von einem meiner persönlichen Lieblings-Podcasts. Mal sehen, ob Du den auch kennst und falls Dir das Intro so gar nichts sagt, dann empfehle ich Dir auf jeden Fall mal auf der entsprechenden Webseite vorbeizusurfen und in ein paar der Folgen reinzuhören. Es lohnt sich.

[Intro von Hoaxilla – der skeptische Podcast aus Hamburg]

Hoaxilla ist ein Podcast-Projekt von Alexa und Alexander Waschkau. Beide machen das schon etwas länger und sind eine meiner persönlichen Podcast Einstiegsdrogen gewesen. In dem besagten Podcast Hoaxilla eben, geht es in der Regel um Themen der Parawissenschaften, Religion, Urban Myths, auch das ein oder andere voll esoterische Thema und immer mit dem skeptischen Blick drauf.

Das ist oft spannend und horizonterweiternd und macht ganz nebenher schon seit Jahren einen Mordsspaß, also fast schon Pflichtprogramm in jedem gut sortierten Podcatcher.

Folge 164 eben in Hoaxilla war einem besonderen Thema gewidmet, nämlich dem Thema Stigmata. Alexa merkt in dem Podcast an: Nicht der Film, sondern die gleich benannten entsprechenden Wundmale. Und erstmal vorne weg: Schade, dass es nicht der Film ist. Der verdient auch mal Besprechung. Ich fand den nämlich großartig. Nicht wegen der Handlung, nicht wegen der Schauspielkunst, sondern wegen dem Set-Design, den Farben und der generellen Abfolge und den Kamerafaden. Ich habe den auf DVD und habe ihn mir mehrmals angeschaut, weil ich ihn so schön komponiert fand.

Aber zurück, das ist ja kein Filmpodcast und nicht der Sneakpod oder sowas… Die Stigmata, von denen also die Rede ist, sind die Wundmale Jesu. Also die Wunden, die ihm zugefügt wurden, als er ans Kreuz genagelt wurde. Es wird nämlich in der christlichen Mythologie und Wunder-Berichterstattung immer mal wieder erzählt, es gäbe Menschen, bei denen eben jene Wunden sozusagen als eine Art Mahnung spontan auftauchen oder manchmal seit Jahren existieren oder nach einer Vision die sie haben, plötzlich da sind.

Das sind dann konkret Wunden im Handbereich, also offene Stellen, an den Stellen, an denen die Nägel die Haut Jesu durchdrungen haben sollen. Wunden, die aussehen wie die Wundmale, die durch eine Dornenkrone entstanden sein könnten. Wunden an den Füßen – selber Grund. Da ist eben vielleicht ein Nagel durchgekommen und die Wunde in der Seite, die Jesu ja der Erzählung nach durch einen römischen Offizier zugefügt wurde.

Diese Wunden haben spezielle Eigenschaften. Zum Beispiel infizieren die sich in aller Regel nicht. Es gibt Berichte von Menschen, die zum Teil über Jahre hinweg Stigmata hatten, die auch immer wieder bluteten, also permanent offen waren und sich trotzdem nicht infizierten. Verwandt ist auch das sogenannte Blutschwitzen. Es muss nicht notwendigerweise eine offene Wunde sein. Es kann auch eigentlich geschlossene Haut sein, durch deren Poren Blut plötzlich austritt.

Der erste bekannte Fall von Stigmatisierung soll der Heilige Franz von Asisi gewesen sein und angeblich hat der auch zunächst nur versucht, das geheim zu halten. Der hatte diese Stigmata nach einer Vision und behielt sie dann das ganze restliche Leben über. Aber natürlich, Geheimnisse sind sehr schwer zu bewahren und es gelang auch ihm nicht, weswegen wir auch heute davon wissen.

Wie viele stigmatisierte Menschen es aber nun gibt, das ist eine schwer zu beantwortende Frage. Was wir wissen ist: Es gibt sicher 70 dokumentierte und anlässlich einer wissenschaftlichen Untersuchung festgehaltene Fälle. Danach wird es schwierig. Je nachdem was man als Stigma zählt, je nachdem wo man nachschaut gibt es zwischen 100 und 300 oder vielleicht sogar 500 und mehr Fälle. Die Wikipedia ist da auf einem eher konservativen Ende unterwegs, spricht von eben bis zu 300. Die Kathpedia – ein Wiki für katholische Themen – spricht von weit mehr als 500.  

Die Differenzen gehen weiter. Beispielsweise ist es dann auch zum Thema Selig- und Heiligsprechung. Nicht jeder, der Stigmata trägt, ist automatisch im technischen Sinne auch ein Heiliger. Überhaupt wird das Thema stigmatisierte Menschen in Kirchenkreisen eher skeptisch gesehen. Die vermuteten Ursachen decken sich da oft mit dem, was eher wissenschaftlich geprägte Menschen annehmen. Nämlich zum Beispiel, dass es sehr wohl möglich zu sein scheint, körperliche Reaktionen auf intensive hypnotische oder visionäre Erlebnisse zu haben. In anderen Worten: Wir können uns Dinge so stark einreden, dass sie sich in unserem Körper zeigen. Eben vielleicht auch durch Wunden oder dem Austreten von Blut.

Manches Mal mag es auch so sein, dass die Menschen mit Stigmata sich schlicht diese Wunden selbst beigebracht haben. Das lässt sich oft auch gar nicht so genau unzweifelsfrei festhalten.

Bei dem Thema Heiligsprechung aber ist es eben dann interessant, dass die Kathpedia, die ja sowas wie eine Autorität zum Thema katholische Themen sein möchte, von über 60 Heilig- und Seligsprechungen spricht. Die Wikipedia sagt: Najaaa, Stigmata sind in aller Regel vielleicht ein Faktor, aber eigentlich wären es nur 13 Menschen mit Stigmata, die heilig gesprochen worden waren. Wer jetzt recht hat? – Keine Ahnung, das habe ich nicht geprüft. Ich finde nur die Differenz sehr interessant.

Interessant ist auch, dass die Stellen, an denen diese Wunden auftauchen wohl von der Kunst geprägt sind. Was meine ich damit? Die meisten Stigmatisierten haben mindestens mal die Wundmale an den Händen und in der Regel im Handteller. Manchmal beide Seiten, manchmal nur innen. Das kann sehr unterschiedlich sein, aber eben der Handteller. Das ist wenn man sich Gedanken macht, wie Menschen früher ans Kreuz genagelt wurden, nicht die logische Stelle, an der man Menschen mit Nägeln an Holz nagelt. Denn: Diese Stelle kann ausreißen. Haaaa, allein das so zu sagen tut weh!

Um zu verhindern, dass Menschen sich losreißen vom Kreuz oder schlicht, weil sie bewusstlos werden, versehentlich lösen, hat man die Nägel sehr wahrscheinlich an einer anderen Stelle durchgetrieben: Deutlich weiter hinten, direkt hinter der Handwurzel, zwischen der Elle und der Speiche. Da ist ja so eine Lücke, die kann jeder einmal fühlen und wenn man da einen Nagel durch haut, dann reißt sich davon auch niemand mehr los.

Stellt sich nur leider dann die Frage: Wenn Jesu nun wirklich ans Kreuz genagelt wurde und das nach damaliger Machart durch diese Lücke zwischen diesen zwei Knochen: Warum tauchen dann die Stigmata bei den Menschen, die die Wundmale Jesu plötzlich tragen, vorne im Handteller auf?

Tja – ein Mysterium. Vielleicht ist es ja auch irgendwie egal, wo die spontanen Wunden auftauchen. Ich finde es ja interessant genug, dass wir sowas wie Stigmata überhaupt haben und das wäre es dann auch erst einmal wieder für heute. Vergiss nicht Hoaxilla zu abonnieren oder wenigstens mal reinzuhören. Die Folge über Stigmata ist wirklich interessant. Der Link ist wie immer in den Notizen zur Sendung.

Bis bald.

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