271 Doping


Doping ist das verwenden von unerlaubten Stoffen und Methoden zum Zwecke der Leistungssteigerung. Aber was ist denn schon erlaubt und ab wann sollten wir es verdammen?

http://www.faz.net/aktuell/sport/olympia/olympische-spiele-271-russische-athleten-duerfen-in-rio-starten-14372746.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Doping

Darf man dopen?
http://sportsanddrugs.procon.org/view.resource.php?resourceID=002352

Ist technische Entwicklung auch Doping?
https://www.ted.com/talks/david_epstein_are_athletes_really_getting_faster_better_stronger?language=de

 

Bild: Von Henryart aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16978522

 

#271 – 271 Doping

Wer nicht unter einem Stein gelebt hat, der hat die Diskussion um Russlands Teilnahme an Olympia sehr wahrscheinlich mitbekommen. Der war ja kaum zu entgehen. Der generelle Vorwurf: Russland fördert praktisch Staatsdoping, um mit seinen Sportlern möglichst gute Ergebnisse zu erzielen. Das ist praktisch eine Art Betrugsvorwurf unter der Annahme alle anderen Athleten, die sind natürlich sauber. Zumindest überwiegend. Nur das böse Russland wieder – das böse, böse, böse, böse Russland, auf Befehl des bösen, bösen, bösen, bösen, bösen, bösen Putin hat betrogen! …oder es zumindest versucht.

Aber einige Athleten durften dann doch teilnehmen – 271 um genau zu sein. Jetzt ist es natürlich so, dass die Diskussion rund um Doping keine neue ist. Das haben wir jetzt nicht erst anlässlich Olympia 2016 entdeckt, sondern jedes sportliche Großereignis ist begleitet von entsprechenden Skandalen. Die Tour de France, Olympia und eigentlich ist es schon lange keine Frage mehr, ob gedopt wird. Übrigens auch im Fußball… sondern die Frage ist wahrscheinlich 1. Was Doping eigentlich genau ist und 2. ob man erwischt wird dabei.

Klären wir also 1. Was ist Doping? – Die Wikipedia klärt auf: Unter Doping versteht man die Einnahme von unerlaubten Substanzen oder die Nutzung von unerlaubten Methoden zur Steigerung bzw. zum Erhalt der meist sportlichen Leistung.

Hmmm, unerlaubte Substanzen. Ich wittere ein Definitionsproblem. Die Wahrheit ist nämlich, dass praktisch alles, was wir unserem Körper zuführen, irgendeine Wirkung auf unseren Körper hat. Um für sportliche Leistungen relevant zu sein, will man in aller Regel den Sauerstofftransport erhöhen oder die Kraftentfaltung verstärken, oder den Muskelaufbau im Training in irgendeiner Form beeinflussen usw. Und da gibt es viele Stoffe, die das tun.

Ganz radikal gesprochen: Wenn ich trainieren gehe und hinterher eiweißreiche Nahrung zu mir nehme, dann habe ich ja eigentlich den Muskelaufbau gefördert. Wenn ich meinen Kaffee in der Früh trinke, dann habe ich mir ein Aufputschmittel zugeführt. Das ist also schon mal ganz grundsätzlich schwierig abzugrenzen. Aber es gibt natürlich deswegen Kataloge von erlaubten und unerlaubten Stoffen und im Allgemeinen kann man damit schon sehr viel abfangen.

Aber in der Definition geht es ja nicht nur um die Substanzen, sondern auch um die Nutzung von unerlaubten Methoden und das ist auch spannend. Ich verlinke in den Notizen zur Sendung einen TED-Vortrag, in dem es darum geht, welche Leistungssteigerungen bei heutige Athleten zu beobachten sind und wieviel davon auf unsere Technologie zurückzuführen ist. Besseres Schuhwerk, bessere Sportkleidung, technischere Trainingsmethoden usw. Es gibt eine Unmenge von Möglichkeiten, die eigene Leistungsfähigkeit zu kontrollieren und zu steigern oder das Ergebnis positiv zu beeinflussen.

Anders ist es auch kaum zu erklären, wie es immer wieder geschafft wird, neue Rekorde bei Olympia aufzustellen. Man möchte ja meinen, wir hätten irgendwann mal die Grenze der Möglichkeiten als Menschheit erreicht. Aber natürlich sind das alles legale Hilfen.

Und das wirft uns wieder zurück auf den Ausgangspunkt. Denn es geht ja eigentlich um eine Definition. Die Definition nämlich, was legal und was nicht legal ist. Was ist erlaubt, was ist verboten? Und im Augenblick scheint es so zu sein, als wenn manche das so handhaben, dass alles, was man nicht bemerken kann, erlaubt ist.

Und als Athlet muss man sich die Frage stellen, gegen wen man denn antritt. Ein professioneller Athlet hat ja wirklich sehr viel Energie und Zeit in seine Leisterungssteigerung investiert. Das ist Lebenszeit, die oft auf dafür verwendet wird, um seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen. Ein Fahrer auf der Tour de France, der ist angewiesen darauf, im Kader mithalten zu können. Und je nach Sportart ist das ganze auch noch unter Umständen staatsfinanziert, auch bei uns.

Die Deutsche Sportförderung schüttet eine Menge Mittel aus und das macht die nicht, um einfach mal das sportliche Vergnügen von einzelnen Athleten zu fördern, sondern diese Sportförderung verfolgt das Ziel, möglichst viele Athleten medienwirksam oben auf dem Treppchen stehen zu haben. Deswegen werden auch diese Athleten mit der internationalen Konkurrenz verglichen – mit dem gesamten Konkurrenzfeld. Das heißt, automatisch in diesem Pool von Sportlern haben wir wahrscheinlich eine Menge Sportler, die sich in irgendeiner Form dopen. Ob man das jetzt weiß oder nicht, sei mal dahingestellt.

Bleibt eigentlich die Frage, die stelle ich mir ehrlich gesagt jedes Mal: Warum zur Hölle verbieten wir es überhaupt noch? Wenn sowieso immer wieder Athleten antreten, bei denen man es einfach nur nicht gefunden hat, die aber trotzdem irgendwie gedopt sind, dann könnten wir doch genauso gut einfach mal erlauben, dass die Menschen mit ihrem Körper anstellen, was immer sie wollen.

Wir als Zuschauer starren ja auf die Bildschirme und kaufen Tickets zu den Live-Veranstaltungen und wollen ja, dass dort Höchstleistung gezeigt wird. Uns ist es doch eigentlich egal, wenn man mal ehrlich ist. Und da gibt es jetzt eine Reihe von Argumenten, die ins Feld geführt werden.

Zum Beispiel Argument Nr. 1: Die Gesundheit. Ein Athlet, der sich dopt, setzt sich in aller Regel einem massiven Gesundheitsrisiko aus und hat wahrscheinlich auch alle möglichen Spätfolgen, wenn er das langjährig macht. Es gibt Gewichtheber, die plötzlich tot umfallen, weil ihr Herz aufgibt. Es gibt seltene Krebsarten, die sich bei Athleten ausbilden usw.

Das Gegenargument freilich ist: Mein Gott, das ist jedes einzelnen Entscheidung. Und es gibt eine Menge verdammt gesundheitsschädliche Dinge, die zum Teil gesundheitsschädlicher sind, als dass die völlig legal sind. Wir verbieten schließlich auch niemandem zu rauchen oder sich die Lichter jeden Tag mit Alkohol auszuschießen.

Das zweite Argument ist ein Argument der Fairness. Doping zu erlauben, bedeutet ja, einzelnen zu erlauben, sich einen unfairen Vorteil zu verschaffen und alle anderen sind unter Druck gesetzt, es ihnen nachzutun, wenn sie denn mithalten wollen. Wie ich aber vorhin schon mal gesagt habe: Eigentlich greift dieses Argument nicht so wirklich, denn wir müssen so oder so davon ausgehen, dass gedopt wird. Es wird nur nicht überall bemerkt.

Argument Nr. 3: Ist denn das überhaupt noch Sport? Wenn ich meine Höchstleistung nur noch durch’s Einwerfen von Drogen oder durch Technologie erreiche, wie sieht denn das dann aus mit der sportlichen Leistung? Und da könnte man natürlich jetzt sagen: Eigentlich ist es immer noch sportliche Leistung, nur eben von einem anderen Startpunkt aus gesehen. Selbst ohne Doping kann doch niemand von uns im ernst sich anmaßen auf dem Niveau eines Tour de France Fahrers Radfahren zu können oder auf dem Niveau eines Olympia-Schwimmers schwimmen zu können. Das ist vermutlich mit oder ohne Drogen und mit oder ohne Technik das gleiche.

Und dann gibt es natürlich ein ethisches Argument. Und dieses ethische Argument sagt im Prinzip: Doping verstößt gegen den Sportsgeist. Und Sportsgeist ist das, was praktisch der olympische Gedanke ist. Dabei sein ist alles. Und die Sportler treten an in einem fairen, ethisch einwandfreien, ehrlichen Wettkampf. Es geht um Gesundheit, es geht um Leistung, es geht um Exzellenz, es geht um Präzision und es ist eine wunderschöne Idee, die so einfach auch heute schon nicht existiert.

Denn, wie uns der Fall mit Russland zeigt: Es gibt Athleten die gedopt sind. Und jawoll, es gibt Staatsdoping und nein, das ist nicht nur das  böse, böse, böse, böse, böse, böse, böse, böse Russland. Ich gehe mal davon aus, dass das irgendwie überall zu finden sein wird.

Und dann kommen wir zu einem Argument, das ich so unterschreiben würde. Das erste Argument bis jetzt übrigens, das ich so unterschreiben würde. Das nämlich, dass Sportler eine Vorbildfunktion haben gegenüber Jugendlichen, gegenüber Sportfans, gegenüber öffentlichen Figuren. Und wenn ich diesen sportlichen Gedanken hochhalte, dann habe ich alleine schon wegen der Öffentlichkeit, die Spitzensportler erreichen können, eine Möglichkeit und vielleicht sogar eine Verpflichtung, ein gutes Vorbild zu sein. Und ein gutes Vorbild wirft vielleicht nicht bei dem Auftauchen erster Schwierigkeiten Drogen ein.

Und ein gutes Vorbild sucht vielleicht auch eher Kraft und Leistung in sich selbst und in seinem persönlichen Streben nach Verbesserung, als beim Auftreten von Schwierigkeiten eine technische oder eine chemische Lösung zu finden. Und somit ist unsere Aufregung und die Gesetzgebung rund um das Thema Doping und unerlaubter Hilfen wahrscheinlich mehr eine Willensbekundung und eine Idealvorstellung als wirkliche Realität. Und das ist es ja vielleicht auch weiterhin wert.

Bis bald.

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