326 – Petersdom, Das wahre Kreuz, Kreuzigung


Das Jahr 326 war ein großes Jahr und “veredelte” gewissermaßen die Hinrichtung Christi indem es uns die dazu passenden Reliquien und Pilgerstätten schenkte…

Bild: Von Fedor Andrejewitsch Bronnikov – http://www.megabook.ru/DescriptionImage.asp?MID=456990, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9882029

 

 

#326 – Petersdom, Das wahre Kreuz, Kreuzigung

Das Jahr 326 war besonders für das Christentum ein ganz großes Jahr. Da wurde zum Beispiel der Grundstein für die Petersbasilka, dem Vorgänger des Petersdoms, gelegt. Und auch sonst war es ein Jahr, in dem das Christentum viele, viele interessante Ereignisse ansammeln konnte.

Die Heilige Helena zum Beispiel. Die fand das wahre Kreuz, an das Christus genagelt worden sein soll. Und sie fand die Grabstelle, an der Christus beerdigt werden sollte. Und da drüber auf dem Berg Golgota, dort wurde die Grabeskirche errichtet. Eine der berühmtesten und heiligsten Kirchen des Christentums. Als Grabeskirche nicht die einzige, aber als das heilige Grab natürlich ganz genau definiert.

Helena war die Mutter von Konstantin dem Großen, dem Erbauer der Kirche in Rom und war gleichzeitig auch damit die Gründerin eines wahren Kreuzeskultes, denn es wurden Teile von diesem wahren Kreuz überall hin verschifft und als Reliquien auf der ganzen Welt bereitgehalten. Und da bleibe ich mal ganz kurz gedanklich hängen. Denn als christlich aufgewachsener Mensch ist mir natürlich das Symbol des Kreuzes sehr vertraut. Allerdings weiß man über genau dieses Symbol, dass es so nicht gewesen sein kann.

Einmal war es so, dass – würde man Menschen durch die Handflächen und die Fußspannoberseite an Holz nageln und dann da hängen lassen, die Leute einfach schlicht und ergreifend runterfallen würden, weil irgendwann eben Sehnen und Haut usw. nachgeben und sie herausreißen würden. Es müssen also Nägel durch die Ellen- und Speichenseite gewesen sein, die die Leute ans Kreuz genagelt haben.

Zum Anderen sahen die Kreuze der damaligen Römer schlicht anders aus, als wir es uns heute an die Wand hängen. Die haben sich oft gar nicht die Mühe gemacht, zwei Balken aneinander zu nageln, sondern die haben einfach einen großen Pfosten in die Pampa gestellt und den Delinquenten dort dann rangenagelt. Und eben nicht durch die Hand, sondern eben durch den Arm.

Diese Form der Hinrichtung war gleichzeitig auch ein Status, der einem Delinquenten zugeordnet wurde. Denn die Römer kreuzigten nur Nicht-Römer oder entlaufene Sklaven. Was man bei dem Thema Kreuzigung übrigens gerne mal vergisst ist, dass auch heute noch Menschen an dieser barbarischen Hinrichtungsart sterben. Freilich sind das meist radikale Regime, die solchen barbarischen Bestrafungsmaßnahmen anordnen. Zum Beispiel radikal christliche Staaten in Zentralafrika oder ja, leider auch, islamische Länder wie Saudi Arabien. Freilich, in Saudi Arabien wird man nicht lebendig ans Kreuz geschlagen. Da werden die Delinquenten vorher noch enthauptet. Ich weiß nicht, ob es das tatsächlich besser macht.

Symbolisch hat das Kreuzigen je nach Volk unterschiedliche Bedeutung. Zum Beispiel im Volk Israel wurde Kreuzigung als Zeichen dafür gesehen, dass der gekreuzigte nicht zum eigentlichen Volk gehört. Damit war die Kreuzigung Jesu damals sozusagen doppelt interessant, denn einmal drückte Rom damit aus, dass es sich bei Jesu nicht um einen Römer handeln konnte und gegenüber den Israeliten drückte Rom aus, dass Jesus einen schändlichen Tod verdient hätte.

Die Israelis freilich gingen mit ihren eigenen Straftätern jetzt auch nicht wesentlich humaner um. Bei denen war nunmal die Steinigung die vorherrschende Hinrichtungsart. Die war verglichen mit der Kreuzigung allerdings geradezu human. Da reicht ja schon ein großer Stein mit Wucht an den Kopf geworfen, um das Opfer bewusstlos werden zu lassen.

Bei der Kreuzigung jedoch ist es ja mit Absicht so ausgelegt, dass man zum Teil tagelang leiden muss. Die meisten Opfer starben an Verdurstung oder schlicht und ergreifend an Kreislaufversagen – nicht an der Kreuzigung selbst.

Blickt man jedenfalls auf die christliche Leidensgeschichte Jesu, dann wird schnell deutlich, warum es so besonders ist, dass Jesus gerade durch die Kreuzigung gestorben ist. Denn die Kreuzigung war die schmerzhafteste, grausamste und schändlichste Form, der ein Verurteilter ausgesetzt werden konnte. Manchmal haben die Schafrichter geradezu kreative Höchstleistungen erreicht, um das Leiden der Verurteilten zu verlängern. Da wurden manchmal kleine Sitzgelegenheiten an den Kreuzen angebracht, damit der Verurteilte sich abstützen konnte und deswegen nicht so schnell erstickte oder Ohnmächtig wurde. Da wurden die Verurteilten immer mal wieder mit etwas Wasser am Verdursten gehindert, sodass sich ihr Leiden verlängerte oder es wurden – um es schmerzhafter zu machen – ihnen die Beine gebrochen, sodass sie sich gerade nicht mit den Beinen abstützen konnten.

Das gesamte Martyrium war jedenfalls gleichermaßen Strafe für den Verurteilten und für seine Angehörigen und sollte in erster Linie davor abschrecken, es ihnen nachzutun. Und das ist natürlich auch der Hauptgrund, warum in manchen Ländern ein Medienspektakel rund um Hinrichtungen durchgeführt wird. Saudi Arabien hängt schließlich enthauptete Menschen nicht an einem Pfahl auf, um einen symbolischen Kreuzigungsgang nachzubilden, sondern damit möglichst viele sehen, was mit den Verurteilten passiert.

Im Fall von Jesus ging der Schuss allerdings gründlich nach hinten los. Ohne diese Kreuzigung hätte es vermutlich nie einen Petersdom, nie eine Grabeskirche, nie tausende von Reliquien, die behaupten vom Kreuz Jesu zu stammen, gegeben. Und wenn im Petersdom rund 20.000 Menschen zusammenkommen, um zu beten, die Messe zu feiern und sich gegenseitig zu versichern, dass christliche Werte am Leben sind, dann muss man wohl anerkennen, dass die Kreuzigung Jesu die wohl folgenreichste Hinrichtung der Menschheit gewesen ist.

Bis bald.

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