VGA-Copy/386

Themenpate: @zmahlzeit

 

Es gab einmal eine Zeit in der konnte man mit einem Programm zum Kopieren von Disketten Geld verdienen. VGA-Copy/386 war so ein Programm und jeden Pfennig wert.

Bild: Public Domain, Link

 

 

#386 – VGA-Copy/386

Kinder, jetzt setzt euch mal hin. Der Opa will euch heute mal was davon erzählen, wie das früher so war: Wir hatten nämlich nichts damals und davon eine ganze Menge. Manchmal, manchmal hatten wir nur Nullen und Einsen und manchmal waren sogar die Einsen knapp. Ja, ja, so war das bei uns damals. Und wenn wir Spiele kopiert haben, dann haben wir die nicht etwa irgendwo im Internet runtergeladen, nee, wir mussten die auf Disketten kopieren. Die sehen so aus, wie das Speichern-unter-Symbol, jawohl. Und so eine Diskette zu kopieren, das hat manchmal mehrere Minuten gedauert. Und auf eine von diesen Disketten passten 1,44 MB Speicher drauf. 1,44 MB. Und während man dann so gewartet hat, bis die Dateien auf dieser Diskette gelandet waren, da hat man sich dann folgendes Geräusch angehört. [Geräusch]

Ich habe an anderer Stelle schon mal berichtet, womit ich angefangen habe. Nämlich mit Datasetten. Datasetten klangen noch ganz anders. Das war wie Kassetten mit Piepstönen – sehr schön. Und was Du gerade gehört hast war eine 3,5 Zoll Diskette. Und selbst wenn Du kein alter Sack so wie ich bist, kennst Du trotzdem diese Diskettenart. Die sind nämlich meistens das Speichern-unter-Symbol in ganz vielen Programmen. Natürlich ein bisschen größer.

Diese Disketten hatten ihre Vor- und Nachteile. Zum Beispiel konnten die, je nachdem auf welchem Computer sie mal formatiert und beschrieben worden waren, Probleme machen auf anderen Computern. Das heißt, man konnte, wenn man solche Disketten bekommen hat, nicht unbedingt sicher davon ausgehen, dass man die auch garantiert lesen wird können. Und selbst eigene Sicherheitskopien waren davor nicht gefeit.

Ein weiteres Problem war die generelle Handhabung. Viele Computer hatten ja zu der Zeit weniger als 1 MB Arbeitsspeicher und damit passte der Inhalt einer solchen Diskette, der ja im Normalfall 1,44 MB war, nicht in einem Rutsch in den Arbeitsspeicher. Entweder hatte man also zwei Laufwerke, um von dem einen auf das andere zu kopieren oder man musste in mehreren Schritten kopieren. Das heißt, man hat die Quelldiskette eingelegt, eingelesen, die Zieldiskette eingelegt, drauf geschrieben und hat diesen Vorgang abgewechselt, bis endlich alles auf die Zieldiskette geschrieben war.

Das war also alles in allem relativ nervig, insbesondere, wenn man das mit der heutigen Situation vergleicht, wo man mal eben mehrere MB als eine E-Mail verschicken kann oder einen USB-Stick mit mehreren GB anstöpseln kann, um dort beliebig große Datenmengen unterzubringen.

Und so ging es im Jahr 1999 auch dem Informatikstudenten Thomas Mönkemeier. Der war nämlich Privatdozent an der VHS in Hude. Der saß da jeden Abend und hat für seine Kursteilnehmer Disketten vorbereitet. Die Rechner waren damals noch nicht untereinander vernetzt und es gab keine andere Möglichkeit, um allen Teilnehmern jedes Mal eine frische Umgebung zu geben. Und da saß er nun und hat kopiert und hat geflucht. Nicht nur, dass Disketten öfters gewechselt werden mussten, nein, die hatten eben auch manchmal Fehler. Es ist wirklich ganz besonders frustrierend, wie Du zuschaust, wie eine Diskette kopiert wird und dann kurz bevor sie fertig wird, bricht das Kopierprogramm mit einer Fehlermeldung ab.

Ja und da saß er nun und hat sich überlegt, wie denn ein Kopierprogramm aussehen müsste, dass genauso kopiert, wie er es gerne hätte und die Idee für VGA386 war geboren. 386 ist damit auch der Themenanker für die heutige Sendung und wir müssen wieder mal jemandem danken, nämlich jemandem, der genau wie ich ein alter Sack ist, der früher mal Disketten in der Gegend rumjongliert hat, nämlich dem @zmahlzeit.

Unser Thomas jedenfalls, der setzte sich hin und schrieb in Turbopascal und Assembla ein Kopierprogramm, das damals so großartig war, dass man Geld damit verdienen konnte. Anders als viele andere Programme der damaligen Zeit, hat VGA-Copy/386 nicht nur eine Kommandozeilenbedienung, sondern kam auch mit einer grafischen Benutzeroberfläche und VGA-Copy/386 war eben in der Lage, auch Disketten mit fehlerhaften Sektoren zu kopieren oder zumindest oft zu kopieren.

Es war nämlich oft so, dass fehlerhafte Sektoren manchmal beim mehrfachen Lesen auch mal zwischendurch einen gültigen Wert lieferten. Wenn man also einfach mal den Fehler ignorierte und mehrmals Anlauf nahm, dann konnte man ohne weiteres manchmal Disketten noch retten, die andernfalls nicht mehr kopierbar gewesen wären. Oder man kopierte den Fehler einfach mit und hat ihn ignoriert. Auch das war ja manchmal egal. Dann war halt vielleicht eine Datei auf der Diskette beschädigt, aber der Rest war nach wie vor da.

Außerdem konnte VGA-Copy/386 Diskettenabbilder in einzelne Dateien ablegen und von da aus wieder Disketten erzeugen. Das war natürlich ganz besonders nützlich, wenn man, naja, Sicherungskopien von zum Beispiel Spieledisketten anlegen wollte. Oder eben, so wie Thomas immer und immer wieder dasselbe Diskettenimage auf eine Diskette packen.

Außerdem konnte VGA-Copy/386 Disketten auch etwas ungewöhnlicher formatieren und damit mehr Speicher draufpacken, als es eigentlich standardmäßig vorgesehen war. Bis zu 1,7 MB pro Diskette waren so möglich. Ich meine, wenn man das mit den 1,44 MB vergleicht, dann ist das schonmal ordentlich.

Und last, not least vielleicht eins der wichtigsten Features und definitiv das Feature, wegen dem Thomas angefangen hat, an diesem Programm zu arbeiten: VGA-Copy/386 war in der Lage, Disketten in einem Rutsch zu kopieren und es hat dafür dann auch mal kreativen Gebrauch des VGA Grafikkartenspeichers gemacht, um eben Dateien dort zwischenzuspeichern. Daher kommt auch der Name, nicht nur wegen der grafischen Benutzeroberfläche, sondern eben auch deswegen, weil es den Speicher der Grafikkarte als Zwischenpuffer benutzt hat und deswegen eine VGA-Karte im System einfach mal vorausgesetzt hat.

Ja, so war das. Und jetzt? Jetzt braucht man sowas ja nicht mehr. Jetzt kann jedes Betriebssystem in allen Variationen und Formen kopieren und man muss auch nicht unbedingt mehr Disketten wechseln, um sie zu kopieren.

Das Programm freilich, das kann man immernoch benutzen. Es ist inzwischen Freeware und man kann es immernoch herunterladen von Thomas Mönkemeiers Webseite. Der Link ist wie immer in den Shownotes. Und Disketennlaufwerke braucht nun wirklich niemand mehr. Außer vielleicht, um Musik zu machen – wie zum Beispiel diese zwei Laufwerke hier. [Diskettenlaufwerk-Sound]

Bis bald.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.