435 Brücken


Die berühmte Lagunenstadt war einst eine Militär- und Handelsmacht auf 118 Inseln und Millionen Holzsäulen bevor sie zur Touristenattraktion wurde.

Bild: CC0, Pixabay, https://pixabay.com/en/venice-rialto-italy-bridge-2085864/

 

 

#435 – Brücken

Mit meinen knapp 41 Jahren bin ich schon so ein bisschen rumgekommen und die meisten meiner Reisen haben mich erst einmal in Städte geführt. Die besuche ich zwar gerne, aber die meisten Städte hinterlassen dabei keinen sonderlich bleibenden Eindruck. Aber einige wenige, die stechen dann deutlich raus. Für mich, die bisher bemerkenswerteste Stadt in der ich war, ist La Serenissima. Die durchlauchtigste, im allgemeinen Sprachgebrauch auch als die Lagunenstadt bezeichnet – die Rede ist von Vendig.

Das fängt schon damit an, dass es wahrscheinlich nicht so viele Städte auf diesem Planeten gibt, wo das wichtigste Verkehrsmittel das Boot ist. Ursprünglich war Venedig eine Ansammlung von Inseln, 118 Inseln um genau zu sein. Die wurden nach und nach besiedelt und haben deswegen auch meistens einen eigenen Marktplatz und eine eigene Kapelle oder Kirche. Diese Inseln wurden dann bei der Besiedlung nach und nach weiter ausgebaut. Wenn über dem Rand hinaus gebaut wurde, wurden einfach Stützen in den Boden gerammt.

Heute ist Venedig eine der meistbesuchten Städte der Welt. Als Besucher kann man gar nicht anders, als ehrfürchtig auf die Palazzis und Kirchen zu schauen und sich auszumalen, wie es wohl auf Besucher gewirkt haben muss, damals, als Venedig noch die Hauptstadt Venetiens war. Einer der reichsten Städte der Welt und mit 180.000 Einwohnern, auch eine der größten europäischen Städte seinerzeit.

Von Venedig aus wurde die Welt verändert. Marco Polo war hier, Vivaldi komponierte hier, Monteverdi, Casanova, Tizian, 8 Päpste, 120 Dogen, die Liste ist grenzenlos. Genauso wie im 18. Jahrhundert der Einfluss und der Reichtum von Venedig schier grenzenlos gewesen sein muss. Der Einfluss im 16. und 17. Jahrhundert kam auch nicht von ungefähr. Venedig unterhielt eine der größten Flotten der damaligen Zeit und nur wenige Mächte konnten damals der venedischen Handelsmacht und Kriegsmarine das Wasser reichen. So wie heute militärische Macht und Stellung von Nationen durch ihre Luftstreitkräfte dominiert wird, war damals die Zeit der großen Marineflotten. Venedig war ein Schwergewicht in diesem Bereich.

Das alles ist lange vergessen. Venedig hat schon lange keine eigene Flotte mehr, außer vielleicht der Flotte von Gondolieres die in der Stadt ihre Dienste anbieten. Als wir das letzte Mal in Venedig zu Besuch waren, haben wir uns so eine Gondelfahrt gebucht und uns mit dem Gondoliere unterhalten. Der war immerhin schon in vierter Generation Gondoliere und war damit aber eine Ausnahme. Er meinte, er kennt nur zwei andere, die gebürtige Venezianer seien, alle anderen waren von außerhalb. Manchmal eben nicht einmal Italiener, sondern einfach nur Saisonarbeiter, die für die Touristen hauptsächlich im Sommer die Gondeln von Brücke zu Brücke und Piazza zu Piazza zu steuern.

In Sachen Brücken sind wir auch beim Themenanker von heute angekommen: Von denen soll es nämlich 435 in Venedig geben. Die meisten davon namenlos.

Bis bald.

Related Post

Post navigation

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.