Der einsamste Baum der Welt


Themenpate: @meszner

Der einsamste Baum der Welt war von 400 Kilometern Wüste umgeben.

Bild: Von Michel Mazeau – http://www.agadez-niger.com/photos_users/r_1705-1-arbre-du-tenere-en-1961.jpg, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4240288

 

 

#400 – Der einsamste Baum der Welt

Die Geschichte, die ich heute für Dich habe, die ist kurz, skurril und vielleicht auch ein bisschen traurig. Und wir verdanken sie dem @meszner, der die als Themenpate heute vorgeschlagen hat.

Es geht um den Baum der Ténéré und das ist Orientierungspunkt in der Ténéréwüste im Niger. Diese Wüste gilt als ganz besonders trocken. Sie hat auch den Beinamen “Wüste der Wüsten” und mitten in dieser Wüste, da stand einmal ein Baum. Der Baum der Ténéré. Das war insbesondere deswegen so bemerkenswert, weil 400 km außenrum nichts war – also nichts außer Wüste. Jedenfalls kein Baum. Das war der Einzige seiner Art im Umkreis von 400 km und damit der isolierteste, einsamste Baum der Welt.

Wie konnte das passieren? Er war der letzte Überlebende einer ehemals größeren Baumgruppe. Da war mal eine Oase und es gab mal so eine Art Kleinwald. Ja – die Oase vertrocknete; die Bäume starben weg. Aber dieser eine Baum, der schaffte den Trick am Leben zu bleiben, indem seine Wurzeln einfach dem Sickerwasser hinterher wuchsen, bis er in über 33 Metern Tiefe auf Grundwasser stieß.

Den Einheimischen war der Baum – und das wundert jetzt gar nicht – praktisch heilig. Er galt als ein Symbol für Leben, war ein wichtiger Orientierungspunkt, war praktisch auf jeder in der Gegend durchlaufenden Karawanenroute ein Rastpunkt und war ein Staatssymbol.

So richtig gut ging es ihm zugegebenermaßen in dieser Wüste nicht. Es hatte tagsüber bis zu 50 Grad, nachts konnte es durchaus 0 Grad sein und es wurde behauptet, dass es diesem Baum nichts angetan hat – das stimmt aber so auch nicht. Touristen ritzten ihre Namen in die Rinde und es gab dann eben doch den ein oder anderen, der mal einen Ast abbrach usw.

Aber: Der Baum hielt durch. Bis zum Jahr 1973. Da heizte nämlich ein betrunkener Libyer mit seinem LKW durch die Wüste und hat diesen LKW genau an diesen Baum gesetzt. Ich meine 400 km Umkreis freie Fläche. Überall wäre super gewesen. Wo fährt er hin? Direkt an diesen Baum… Ja, was soll man dazu sagen?

Die Überreste des Baums kann man heute immer noch bewundern. Die wurden eingesammelt und werden ausgestellt. An der Stelle, an der dieser Baum mal stand, da wurde zunächst eine Art kleiner Wald gepflanzt, also um die 30 kleine Bäumchen, was aber dann daran scheiterte, dass im Niger irgendwie niemand Sinn darin sah, jemanden regelmäßig zu bezahlen, dessen einziger Job gewesen wäre, in der Wüste 30 Bäumchen zu gießen. Deswegen überließ man die Bäume ihrem Schicksal.

Und heute steht an der Stelle, an der dieser Baum mal stand, ein ungefähr 6 Meter hoher Stahlbaum. Da stellst Du Dir jetzt bitte keinen schönen, modellierten, kunstvollen Metallbaum vor, sondern das ist buchstäblich einfach mal ein Masten mit ein paar Seitenstangen und Radkappen, die da dran hängen. Heult dann auch schön, wenn der Wüstenwind durch pfeift.

Bis bald.

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