312 Jahre Baustopp


Themenpate: qoii

Der Kölner Dom wird seit über Jahrhunderten gebaut und war zwischendurch auch 312 Jahre lang einfach nur als ruhende Baustelle im Stadtbild Kölns bevor er seine heutige Form bekam.

http://www.koelner-dom.de/index.php?id=geschichte

https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom

 

Bild: Von Der Scan wurde anhand einer originalen Buchvorlage vorgenommen, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2246362

 

#312 Jahre Baustopp

Heute geht es mal wieder um ein besonderes Bauwerk. Gleichzeitig Weltkulturerbe, weltberühmte Kirche und gleich mehrfacher Rekordhalter. Und gerade mal zwei Stunden von mir weg. Die Rede ist vom Kölner Dom und der wird – SPOILER ALERT – öfter mal im Anerzählt auftauchen. Ich habe ihn unter mehreren verschiedenen Aspekten schon in meiner Themenliste stehen. Heute aber wird es um seine Baugeschichte gehen und das wird wahrscheinlich den Themenpaten qoii heute ganz besonders freuen.

Die Baugeschichte oder sagen wir mal die Geschichte dieses Ortes fing nämlich schon vor deutlich mehr als 1.200 Jahren an. Schon in spätrömischer Zeit haben sich Christen in Köln an der Stelle, an der heute der Kölner Dom steht, zur Messe versammelt. Die erste Kirche, von der wir auch wissen, wie sie ausgesehen hat, wurde um das Jahr 800 vollendet und war der Karolingische Dom. Und der wurde noch zweimal erweitert, aber im Endeffekt stand dieser Dom dort bis ins 13. Jahrhundert.

Dieser Dom hatte durchaus eine weitreichende Bedeutung: Zum einen war es der Amtssitz des Kölner Erzbischofs, zum anderen war es so, dass die Reliquien der Heiligen drei Könige 1164 nach Köln gebracht worden waren und damit war Köln sozusagen Wallfahrtsziel und der Kölner Dom einer der bekanntesten und berühmtesten Wallfahrtskirchen Europas.

Wallfahrt war zu der damaligen Zeit eine unschätzbare Einkommensquelle. Die großen Städte Europas überboten sich gegenseitig in spektakulären Reliquien in der Hoffnung, möglichst große Pilgerströme abzubekommen. Und genau deswegen wurde die Entscheidung gefällt, eine andere Kirche zu bauen. Einen größeren Dom und den alten Dom genau dafür nach und nach abzureißen.

Und das hört sich jetzt so einfach an, aber der Dom, der da stand, muss ein massiver Bau gewesen sein. Und die Methoden große Gebäude einzureißen waren, sagen wir mal, noch nicht voll entwickelt. Man entschloss sich im Fall des Karolingischen Doms dann dazu, den Ostchor, also den ersten Teil, durch einen sogenannten Brandabbruch niederzulegen. Das ist jetzt genau das, wonach es klingt: Man hat das Ding mehr oder weniger angezündet und gehofft, den Brand kontrollieren zu können. Und das war dann etwas zu optimistisch. Der ganze Bau brannte ab. Dann war wahrscheinlich auch die Sache mit dem Abbruch erst mal geritzt.

Die Westteile wurden trotzdem erst mal provisorisch wieder hergestellt, damit man wenigstens da drin weiterhin die Messe feiern konnte, aber jetzt hatte – und wir sprechen vom Jahr 1248 – Köln erst mal eine Ruine im Stadtbild. Nichtsdestotrotz war das natürlich ein guter Grund einfach mal 1248 dann auch gleichzeitig den Grundstein zu legen für das, was wir heute als Kölner Dom kennen, sozusagen den Baubeginn einzuleiten. Und der zog sich. Solche Kathedralen hat man nicht mal eben über Nacht hingestellt.

74 Jahre später, im Jahr 1322, wurde aber der gotische Chor eingeweiht. Und das muss schon für sich genommen ein tief beeindruckender Bau gewesen sein. Gestützt von einem ganzen Wald aus Strebepfeilen und Strebebögen muss dieses Gewölbe für die damalige Zeit geradezu unwirklich groß gewesen sein. Ein Gewölbe, das einem den Atem verschlägt.

Tja, nach dem Chor ging’s dann weiter. Zwei Stockwerke des Südturms, Seitenschiffe und verschiedenes mehr. Bis ungefähr 1530 wurde am Dom gebaut und dann ging das Geld aus. Und eigentlich hatten die Leute auch anderes zu tun, andere Probleme und deswegen wurden die Arbeiten eingestellt.

Das Mittelschiff bekam ein Notdach und der Bau war eine einzige große Baustelle. Und ab hier findet sich auch der Anlass für den heutigen Anerzählt. Es dauerte nämlich rund 312 Jahre bis endlich wieder der Bau des Kölner Doms aufgenommen wurde. In dieser gesamten Zeit prägte eine Baustelle das Kölner Stadtbild. Und eine Baustelle, die nicht unbedingt immer nur zum Preisen von Gott genutzt wurde: 1794 zum Beispiel zogen Revolutionstruppen in Köln ein und der Dom? – Der wurde zum Lagerraum.

So richtig wieder aufgenommen wurden die Arbeiten am Kölner Dom erst 1842. Die Hälfte der Kosten wurden damals aus der Preußischen Staatskasse übernommen. Die andere Hälfte aber wurde von den Kölnern aufgebracht. Es hatte sich ein Verein gegründet, der es tatsächlich geschafft hat von engagierten Kölnern und Bürgern genügend tragbare Mittel einzusammeln, dass so richtig wieder mit dem Bau begonnen werden konnte.

Dabei hielt man sich an die mittelalterlichen Baupläne, kombinierte das aber mit modernster Bautechnik. Und der Bau wurde wirklich in Rekordzeit fertiggestellt – oder für damalige Verhältnisse in Rekordzeit. Schon 1864 waren die beiden Querhausfassaden fertig. Das hölzerne Dach wurde ersetzt durch eine damals hochmoderne Metallkonstruktion, die zur fortschrittlichsten ihrer Zeit gehörte. Und 1880 waren dann auch die beiden Türme fertig. Und seither ist der Kölner Dom ein Ehrfurcht gebietender Prachtbau und Wahrzeichen von Köln.

Im zweiten Weltkrieg wurde der Kölner Dom von 14 schweren Fliegerbomben getroffen und blieb trotzdem stehen. Natürlich in Teilen schwer beschädigt und bis zum heutigen Tage sind nicht alle Schäden beseitigt, aber er war im Wesentlichen so erhalten geblieben, wie er 1880 eröffnet worden war. Und dabei ist der Kölner Dom auch ein lebendes Bauwerk.

Die Schäden aus dem zweiten Weltkrieg wurden behoben, aber eben jeweils mit modernen Bauformen. Auffälligstes Zeichen ist ein moderner Turm, der als Teil der Komposition eingeführt wurde. Nicht nur deswegen nennt man den Kölner Dom auch die ewige Baustelle. Denn seit 1248, seit seiner Grundsteinlegung, befindet er sich streng genommen im Bau.

Bis bald.

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