Fahrenheit 451


Themenpate: @janHschreier

Fahrenheit 451 ist ein berühmter dystopischer Roman. Er spielt in einem Land in dem der Besitz von Büchern unter Strafe steht und trägt seinen Titel nach dem angenommenen Flammpunkt von Büchern.

 

 

 

#451- Fahrenheit 451

[Auszug Buch]

Müsste man eine Liste dystopischer Romane aufstellen, die man wirklich einmal gelesen haben sollte, dann wäre sicherlich auf Platz eins 1984, in dem Menschen von allgegenwärtigen Überwachungsstaat gewaltsam unterdrückt werden. 1984 ist auch das Buch, dass immer dann zitiert wird, wenn es darum geht, den immer weiter sich ausdehnenden Überwachungsdrang der Regierungen zu kritisieren.

Eine Art Gegendystophie ist dann auf Platz zwei zu finden,  Aldous Huxleys “Brave new World”, Schöne neue Welt. Das Buch liest sich ähnlich gruselig wie 1984. In Brave new World sind die Menschen eigentlich überwiegend happy und sie haben sich ihr Schicksal selbst gewählt. So sind sie dann ohne es wirklich zu merken, in einer Art freiwilligen Sklaverei und in einer aus unserer Perspektive recht seelenlosen Zukunft. Auf Platz drei kommt der Roman, über den ich heute sprechen möchte, Fahrenheit 451 von Ray Bradbury.

Der Roman trägt seinen Titel von der Temperatur, bei der angeblich Bücher von selbst anfangen zu brennen. Um es gleich einmal vorwegzunehmen, die Zahl stimmt so nicht. Je nach Papiersorte brennt Papier bei unterschiedlicher Temperatur, je nach dicke des Buches, je nach Form des Buches und je nachdem, wie lange die Temperatur auf das Buch auswirkt, entflammt es auch zu unterschiedlicher Zeit. Aber eigentlich geht es darum auch gar nicht.

Fahrenheit 451 spielt in einer Zukunft, in der Bücher und eine ganze Menge anderer Aktivitäten verboten sind. Die Menschen zerstreuen sich den ganzen Tag mit endlosen TV-Shows und Radioprogramme und sind ganz allgemein recht uninformiert, ungebildet und uninteressiert. Sie sind vom politischen System abhängig, anonym und unmündig. Das Hauptziel scheint zu sein, gar keine Langeweile aushalten zu müssen. Es gibt so Dinge wie Mindestgeschwindigkeiten auf Autobahnen, wenn man langsamer wird, riskiert man Gefängnisstrafen. Es gibt Freizeitparks, die anscheinend hauptsächlich dazu dienen, die Gewalttendenzen der Menschen in geordnete Bahne zu lenken.

Die Hauptfigur des Romans ist der 30-jährige Feuerwehrmann Guy Montag. Feuerwehrmänner in Fahrenheit 451 sind nicht die Art Feuerwehrmann, die Du jetzt vielleicht vor Augen hast – Feuerwehrmänner löschen nicht, Feuerwehrmänner legen Brände. Sie sind so eine Art Spezialpolizei, mit dem Auftrag, Bücher zu finden und systematisch zu vernichten. Im englischen wird es auch ausgedrückt durch ein Wortspiel. Da wird nicht von Firefighter gesprochen, sondern von Fireman, er legt eben Feuer, statt es zu bekämpfen.

In dem Roman trifft Guy irgendwann auf ein 17-jähriges Mädchen, Claisse, so heißt sie, ist anders als die anderen Menschen in den Roman. Sie ist eine Freidenkerin, sie lässt sich nicht ständig ablenken und stellt Fragen, die Guy zunächst nicht vollständig beantworten kann, die aber in ihm einen Prozess auslösen. Und, das wird relativ schnell klar, sie mag Worte und sie mag Bücher. Das ist freilich am Anfang nur dem Leser klar, nicht Guy. Durch eine Reihe von Ereignissen, seine Frau, die versucht sich umzubringen, eine andere Frau, die beim verbrennen ihrer Bücher den Freitod wählt, indem sie sich mit ihren Büchern verbrennen lässt und eine Frage, die er nicht beantworten kann. Nämlich die Frage: Bist du glücklich? Das alles bringt ihn dazu, doch einmal ein Buch lesen zu wollen. Da nimmt die Geschichte ihren Lauf, er versucht seine Frau zu überreden, mit ihm zu lesen, die schwärzt ihn an und er findet eine Gruppe von Leuten, die sich zum Ziel gemacht haben, Bücher zu bewahren.

Ich kannte das Buch bisher nur vom Titel her und wusste grob, dass es darum geht, Bücher zu verbrennen und dass es irgendwie mit Zensur zu tun hat. Das ist auch der Kontext, indem Fahrenheit 451 am häufigsten herangezogen gezogen wird.

Wenn 1984 für den Überwachungsstaat und Brave new World für unsere eigene Kritiklosigkeit steht, dann wird Fahrenheit 451 oft als Metapher auf die Zensur verstanden. Denn der Staat in Fahrenheit 451, der verbietet den Umgang mit Büchern und er hält die Menschen künstlich von Informationen und kritischem Denken fern.

Ray Bradbury selbst hat allerdings in Interviews gesagt, darum ging es ihm eigentlich gar nicht in dem Buch. Ihm geht es eher um den Aspekt, dass Menschen sich so ein Schicksal selber wählen. Denn in dem Buch gibt es kein autokratisches System – ja, Bücher haben ist illegal, aber die Regierung wird anscheinend gewählt und die Leute wollen es gar nicht anders haben, so wie Guys Frau, die letztlich ihn anschwärzt, weil sie aus ihrer Routine mit ihren Videowänden nicht herausgerissen werden will.

Das ist eine spannende Frage und eine Beobachtung, die glaube ich gar nicht falsch ist. Wenn wir uns momentan umschauen, dann ist die wahrscheinlichste Dystopie, auf die wir uns zubewegen, eine Kombination all der drei genannten Bücher. Zu einem weiten Teil, wählen wir unser Schicksal selbst. Viele Menschen wollen gar nicht informiert sein. Lesen, kritisches Denken, Dinge hinterfragen, Zeit aufwenden um Themen zu durchdringen, viel zu viel Aufwand. Trotzdem steht Fahrenheit 451 eben hauptsächlich für den Zensurgedanken, so sehr, dass er sogar einen HTTP-Statuscode inspiriert hat.

HTTP 451 kommt seit 2015 dann zurück, wenn Behörden angeordnet haben, dass ein Inhalt vom Netz genommen wird und gleichzeitig eine sogenannte “Gag order” ausgesprochen haben. Sprich der Webseitenbetreiber muss so tun, als wenn es die Seite nie gegeben hätte. HTTP 451 ist dann sozusagen, der letzte kleine Akt zivilen Ungehorsams auf technischer Seite. HTTP Codes sind aber natürlich nicht der einzige Ort, an denen 451 als Meme auftaucht, Graphic Novels, Filme, Dokumentationen, Computerspiele. Nicht nur der Stoff wurde immer wieder adaptiert, sondern auch die Zahl als Mem und die Zahl als Zensurzeichen findet man immer wieder.

Lieben Dank an unseren heutigen Themenpaten @janHschreier.

Falls Du eine Hörspielversion des Romans hören möchtest, dann surfe auf der Website dieser Episode vorbei, da verlinke ich dir das WDR Hörspiel Fahrenheit 451.

Bis bald.

2 comments for “Fahrenheit 451

  1. Andi
    Juni 1, 2017 at 8:03 am

    Gibt es das am Ende angesproche WDR Hörspiel noch?

    • Dirk
      Juni 1, 2017 at 8:37 am

      Das Hörspiel ist doch da? (das in den Shownotes eingebettete Video)

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